Beben in der Bücherbranche
Ex Libris schliesst alle Filialen – 230 Mitarbeitende betroffen

Die Migros-Bücherkette ist am Ende. Das Geschäft wird in Galaxus integriert, 230 Mitarbeitende verlieren ihren Job.
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Auch am Hauptsitz der Migros, am Zürcher Limmatplatz, ...
Foto: Sven Thomann
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Ulrich RotzingerWirtschaftschef

Aus für die Filialen von Ex Libris. Der Migros-Bücherverkäufer – Slogan: «Die Nr. 1 für Bücher online» – schliesst alle 15 Standorte in der Schweiz bis Ende des Jahres. Damit verlieren gut 230 Angestellte ihren Job, wie die Migros auf Blick-Anfrage bestätigt. Ein Konsultationsverfahren läuft im Zuge des Stellenabbaus. «Das Buchgeschäft von Ex Libris wird schrittweise ins Onlinewarenhaus Galaxus überführt», bestätigt der orange Riese Informationen von Blick. Das sei Teil der strategischen Überprüfung des Portfolios der Migros.

Das ist aber nicht alles: Betroffen ist auch die Zentrale samt Lager in Dietikon ZH. «Vorerst wird der Standort weiterbetrieben, und eine künftige Nutzung, auch allenfalls durch Galaxus, wird geprüft», so die Migros weiter. Die Liegenschaft an der Lerzenstrasse in Dietikon wird von Ex Libris gemietet und gehört nicht der Migros-Gruppe.

«Stellenabbau nicht ausgeschlossen»

Rückblende auf Januar 2018: CEO Daniel Röthlin (62) kündigte die Schliessung von 43 Ex-Libris-Filialen an. 114 Arbeitsplätze gehen verloren. Aus einer Buchhandlungskette mit Onlineshop wurde eine Onlineverkaufsplattform mit nur noch 15 Filialen. Bereits in den Jahren zuvor musste Röthlin, seit 2010 führt er die Geschäfte der Migros-Bücherkette, über 60 Filialen dichtmachen. Röthlin werde nun in den Ruhestand treten, so die Migros.

Der orange Riese zieht also die Notbremse bei Ex Libris. «Denn auch im Buchmarkt verschieben sich die Umsätze laufend vom stationären Geschäft in den Onlinehandel. Die Umsätze in den verbleibenden 15 Filialen sind rückläufig. Buchläden sind bereits heute nicht mehr profitabel», so die Migros zu Blick. Der Onlineanteil am Umsatz der Ex-Libris-Kette liegt aktuell deutlich über 90 Prozent.

Geld sei keines dafür da, um notwendige grössere Investitionen in die Filialen und in ein neues Konzept zu tätigen. Für die Betroffenen werden nun Anschlusslösungen gesucht, heisst es weiter. Die Migros: «Ein Stellenabbau kann jedoch nicht ausgeschlossen werden.» 

Verschwindet die Marke Ex Libris?

Was passiert mit den Verkaufsflächen? Die Migros-Gruppe ist Eigentümerin der Filialen in Sursee LU, Abtwil SG, Buchs SG und Zürich Limmatplatz. Ex Libris ist überall Mieterin. Pläne dafür hat die Migros noch keine. Unklar ist auch, was mit der Marke Ex Libris passiert. «Der Name bleibt vorläufig bestehen, für Kundinnen und Kunden ändert sich nichts. Galaxus wird den Fokus auf die eigene starke Marke legen», sagt die Pressestelle dazu.

Der Ex-Libris-Onlineshop wird noch bis 2027 weiter existieren. «Bis dahin kann unsere Kundschaft wie gewohnt bei exlibris.ch einkaufen», heisst es. Ab dann wird auch der Onlineshop geschlossen, das Kundenportal bleibt aber noch etwas, Garantiefälle sollen abgewickelt werden können. 

Vom Buchclub zum Dutti-Buchdiscounter

Die Geburtsstunde von Ex Libris war im Jahr 1947 als Buchclub. Dieser kaufte damals die Lizenzen der wichtigsten deutschsprachigen Verlage. Und machte so Bücher zu günstigen Preisen für die Schweizer Bevölkerung zugänglich – zum Ärger der Büchergilde Gutenberg, die damals eine Art Monopol im Bücherhandel hatte. Also wandten sich die Ex-Libris-Gründer an den Migros-Patron Gottlieb Duttweiler (1888–1962) und baten ihn um Hilfe. «Dutti» half gern. 1971 übernahm der orange Riese dann Ex Libris komplett. 

Mit dem Ex-Libris-Aus endet ein letztes Kapitel der «alten Migros». Nach dem Verkauf von Hotelplan und anderen Fachmärkten, um sich auf das Supermarkt-Kerngeschäft zu fokussieren, macht die Migros nun auch mit ihrer Traditionsbücherkette Schluss.

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