Darum gehts
- Freizeitpark Sedel in Herisau AR schliesst Wochentage während Sommerferien vollständig
- Streit über Sicherheit und Personalmangel: Pächter Elvis Bischof gibt auf
- Sedel-Bahn rollte mehrfach ungebremst, Zug wiegt eine Tonne laut Vermieterin
Der Sedel ob Herisau AR ist ein schöner Fleck mit Blick auf den Bodensee. Der kleine Freizeitpark lockt seit Jahrzehnten Familien mit seinem grossen Spielplatz, verschiedenen Bahnen und einem grossen Restaurant an. Doch derzeit herrscht gespenstige Ruhe im Kinderparadies – ausgerechnet in den Sommerferien! Mehrere Bahnen sind ausser Betrieb, darunter auch das kultige Zügli, das quer durch den ganzen Park fährt. Das Restaurant ist nur noch an Wochenenden geöffnet, wie die «Appenzeller Zeitung» schreibt. Während der Ferien bleibt es unter der Woche sogar ganz geschlossen.
Hinter den Kulissen ist ein heftiger Streit entbrannt. Pächter Elvis Bischof gibt der Vermieterin Heidi Näf die Schuld an der Misere. «Sie ist der Meinung, diese seien nicht mehr sicher. Dabei haben wir eine Bestätigung von Experten», sagt Bischof im Bericht. Zudem mische sie sich ständig in den Betrieb ein. Jetzt hats Bischof den Hut gelupft – er hört auf. Und sucht per sofort einen Nachfolger für Beiz und Park.
Gefährliche Situationen mit der Bahn
Vermieterin Näf weist die Vorwürfe gegenüber der «Appenzeller Zeitung» zurück. Es fehlten Wartungs- und Serviceprotokolle für die Bahnen. Zudem habe es gefährliche Zwischenfälle gegeben. So sei die Sedel-Bahn mehrfach ungebremst in den Bahnhof gerollt. «Der Zug wiegt eine Tonne. Das ist fatal», sagt sie. Sicherheit habe oberste Priorität. Deshalb hat sie kurzen Prozess gemacht und dem Bähnli den Strom abgestellt.
Neben dem Streit kämpft der Betrieb auch mit Personalmangel. Laut Bischof verliessen Geschäftspartner das Projekt, ein erfahrener Koch machte sich selbständig, und neue Mitarbeitende seien kaum zu finden. «Mir wurde alles zu viel», sagt der Pächter. Er habe inzwischen gesundheitliche Probleme und wolle sich wieder auf sein Immobiliengeschäft konzentrieren. Erst 2023 hat er den Betrieb übernommen – mit ehrgeizigen Plänen. Neue Attraktionen, Events und ein moderner Gastronomiebetrieb sollten den Sedel wieder zum beliebten Ausflugsziel machen. Daraus wurde nichts.
Viele Freizeitparks haben Probleme
In der Schweiz gibts Dutzende kleinerer Freizeitparks. Viele haben derzeit zu beissen, müssen sich Investitionen ganz genau überlegen. Oder sind gar vom Aus bedroht. Ende April hat zuletzt das Ticiland in Stein am Rhein SH für immer geschlossen. Hohe Betriebskosten und fehlende Investoren haben Inhaber und Schausteller Peter Hablützel das Genick gebrochen.
Ein veritabler Freizeitpark-Flop war der Mystery-Park in Interlaken BE. Die Eröffnung im Jahr 2003 wurde mit grosser Kelle angerührt, die Themenwelten unter dem Übernamen «Mysteries of the World» entwarf Ufo-Forscher Erich von Däniken (1935–2026). 2006 musste der Park wegen finanzieller Probleme Konkurs anmelden. Im Dezember 2025 kauften wiederum zwei deutsche Immobilienunternehmer die Anlage. Der Park soll unter dem Namen «Etherlaken» zu einem Zukunftscampus werden, der Wissenschaftler und Unternehmer zusammenbringt.
Gar zum Geister-Park geworden ist der Magic Park in Riedholz SO. Auch er startete 1998 mit grosser Euphorie als erster ganzjähriger Indoor-Freizeitpark der Schweiz. Seit über einem Jahrzehnt steht der Betrieb nun still. Die Fahrgeschäfte und Requisiten des einst beliebten Kinderparks rosten immer noch vor sich hin. Seit der Schliessung im Jahr 2011 gab es von der Gemeinde zahlreiche erfolglose Versuche, das Areal neu zu nutzen. 2020 präsentierte ein Investor konkrete Pläne für Wohnungen und Gewerbe, die jedoch scheiterten.