Aus nach nur knapp 6 Jahren
Dieser Schweizer Freizeitpark in Schaffhausen ist in wenigen Tagen Geschichte

Am 26. April schliesst das Ticiland in Stein am Rhein SH endgültig. Hohe Betriebskosten und fehlende Investoren brachen dem Inhaber und Schausteller Peter Hablützel das Genick. Es ist nicht das einzige gescheiterte Freizeit-Park-Projekt der Schweiz.
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Die meisten Attraktionen des Ticilands befinden sich im Innern in der Halle im Hintergrund.
Foto: Ticiland

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ticiland in Stein am Rhein SH schliesst am 26. April endgültig
  • Hohe Betriebskosten kombiniert mit tiefen Einnahmen waren der Grund für die Schliessung
  • Am 20. Mai findet ein Gläubigertreffen statt
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Der Freizeitpark Ticiland in Stein am Rhein im Kanton Schaffhausen ist ein Schweizer Unikat: Es ist der einzige Indoor-Freizeitpark des Landes. Und soll damit wetterunabhängig und ganzjährig zahlreiche Gäste anziehen. Tönt eigentlich nach einem soliden Geschäftsmodell, machen unvorhergesehene Witterung und schlechtes Wetter doch vielen Freizeitbetrieben zu schaffen. Aber nur knapp sechs Jahren nach der Gründung steht das Ticiland jetzt vor dem Aus, wie die «Schaffhauser Nachrichten» berichten. Am 26. April schliesst das Geschäft für immer seine Tore.

Inhaber und Schausteller Peter Hablützel (72), der den Park im Oktober 2020 ins Leben rief, sagt gegenüber der Zeitung: «Ticiland in Stein am Rhein ist Geschichte. Die Schliessung ist definitiv.» Zum Verhängnis wurden ihm die explodierenden Betriebskosten, die die Einnahmen zum Schluss bei weitem überstiegen. Allein die Kosten für Kanalisation und Wasseranschluss würden sich auf sechsstellige jährliche Beträge belaufen, so der Unternehmer. Auch die hohen Stromrechnungen von bis zu 8000 Franken pro Monat haben «den Rahmen irgendwann gesprengt».

Hoffnungen auf neue Investoren erfüllten sich nicht

Bereits im Januar wurde klar, dass der Park nur durch das Einspringen neuer Investoren oder gemeinnütziger Stiftungen gerettet werden kann. Zwar gebe es ein «Grundstock von Kerninvestoren», so Hablützel, aber eben nicht genug. 95 Prozent des benötigten Kapitals hätten gesichert werden müssen. An diesem Punkt sei man aber leider nicht. 

Am 20. Mai treffen sich deshalb die Gläubiger, um bestenfalls einem sogenannten Nachlassvertrag mit Vermögensabtretung zuzustimmen. Das verbleibende Vermögen – in diesem Fall die Halle und die Anlagen – sollen verwertet und zur Begleichung der Schulden verwendet werden. Einen klassischen Konkurs will Hablützel damit möglichst vermeiden.

Das Ticiland ist nicht der einzige hiesige Freizeitpark, der in finanzielle Schieflage geraten ist. Selbst der grösste Player, das Conny-Land, überlebte dereinst nur dank einer Neuausrichtung. 

Mystery-Park (heute Jungfraupark), Interlaken BE

Ein Freizeitpark-Flop war der Mystery-Park in Interlaken BE. Die Eröffnung im Jahr 2003 wurde mit grosser Kelle angerührt, die Themenwelten unter dem Übernamen «Mysteries of the World» entwarf der Schweizer Bestseller-Autor und Ufo-Forscher Erich von Däniken (1935–2026). 2006 musste der Park wegen finanzieller Probleme Konkurs anmelden. Er ging 2010 in eine neue Eigentümerschaft über und wurde seither als Event-Location unter dem Namen Jungfraupark geführt. Im Dezember 2025 kauften wiederum zwei deutsche Immobilienunternehmer die Anlage. Diese haben ambitionierte Pläne: Der alte Park soll unter dem Namen «Etherlaken» zu einem Zukunftscampus werden, der Wissenschaftler und Unternehmer zusammenbringt.

Der ehemalige Mystery-Park kombinierte einen klassischen Freizeitpark mit den Themenwelten von Erich von Däniken.
Foto: zVg

Conny-Land, Lipperswil TG

Der grösste Freizeitpark der Schweiz geriet im Jahr 2013 finanziell stark unter Druck. Nach acht toten Delfinen innert drei Jahren mussten die Parkbetreiber auf Druck der Behörden das beliebte Delfinarium einstellen. Damit brach eine der grössten Einnahmequellen weg. Die Besucherzahlen sind laut der Betreiberfamilie um 53 Prozent zurückgegangen. Hinzu kam, dass einige Tiere umgesiedelt wurden, was für den Park mit hohen Kosten verbunden war. Schliesslich konnte das Conny-Land das Ruder durch einen stärkeren Fokus auf andere Attraktionen und Achterbahnen herumreissen.

Im Conny-Land wurden 2013 die Delfin-Shows eingestellt.
Foto: Keystone

Magic Park, Riedholz SO

Der Magic Park im solothurnischen Riedholz ist mittlerweile zu einem Geister-Park verkommen. Auch er startete 1998 mit grosser Euphorie als erster ganzjähriger Indoor-Freizeitpark der Schweiz. Seit über einem Jahrzehnt steht der Betrieb nun still. Die Fahrgeschäfte und Requisiten des einst beliebten Kinderparks rosten immer noch vor sich hin. Seit der Schliessung im Jahr 2011 gab es von der Gemeinde zahlreiche erfolglose Versuche, das Areal neu zu nutzen. 2020 präsentierte ein Investor konkrete Pläne für Wohnungen und Gewerbe, die jedoch scheiterten. 

Die Fahrgestelle und Attraktionen stehen bis heute auf dem Areal des ehemaligen Magic Parks in Riedholz SO.
Foto: zVg


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