Aus nach fast 30 Jahren
Weil die Gäste wegblieben – Berner Wirtin muss ihr GaultMillau-Lokal schliessen

Das Stadtberner Restaurant Zum Blauen Engel schliesst diesen Sommer für immer. Weil der Betrieb nicht mehr rentiert, muss Wirtin Charlotte von Gunten das Handtuch werfen. Insbesondere ein Einbruch beim Weinkonsum setzte der Beiz zu.
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Der Blaue Engel liegt etwas versteckt am Seidenweg im Berner Länggasse-Quartier.
Foto: Screenshot

Darum gehts

  • Per 5. Juli 2026 bleibt der Blaue Engel in der Berner Länggasse geschlossen
  • Wegen rückläufigem Weinkonsum und verändertem Ausgehverhalten geriet der Betrieb in finanzielle Schieflage
  • Der Weinkonsum ging seit Corona um 40 Prozent zurück
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Charlotte von Gunten (75) kennt die Berner Gastro-Branche wie ihre eigene Jackentasche. Seit 1997 verköstigt sie in ihrem Lokal Zum Blauen Engel im Stadtberner Länggasse-Quartier hungrige Gäste. Aber schon bald bleibt die Küche in der gemütlichen Beiz am Seidenweg kalt, wie die «Berner Zeitung» berichtet. 

Per 5. Juli schliesst von Gunten den Betrieb. Der Grund: Geldnöte. Das Restaurant habe nicht mehr genug abgeworfen, erzählt sie der Zeitung – sie habe zum Schluss sogar noch Geld drauflegen müssen. «Es ist schwierig, einen kleinen Restaurant-Betrieb mit einem relativ hohen Niveau rentabel zu führen» schreibt sie in einer Mitteilung, die Blick vorliegt.

Weniger Gäste, weniger Wein

Der Entscheid sei ihr alles andere als leicht gefallen, erklärt von Gunten auf Blick-Anfrage. Und führt aus: «Seit Corona hat sich das Ausgehverhalten der Gäste einfach enorm verändert.» So blieben die insgesamt 35 Plätze wochentags zunehmend leer, manchmal seien lediglich zwei Tische besetzt gewesen. «Ausgehen, das tut man jetzt vor allem nur noch am Wochenende», so die Wirtin. Freitags und samstags sei die Beiz gut besucht gewesen. Doch das hat nicht gereicht. 

Auch den gesellschaftlichen Trend des rückläufigen Alkoholkonsums habe von Gunten zu spüren bekommen. Vor allem, dass die Gäste stets weniger Wein bestellt haben, hätte ihr ein Loch in die Kasse gerissen: «Der Weinkonsum ist um rund 40 Prozent eingebrochen.» 

Kürzlich gabs noch einen Punkt

Vergangenen Herbst durften von Gunten und ihr langjähriger Küchenchef Martin Krebs einen Erfolg feiern: Von GaultMillau gabs noch einen weiteren Punkt, damit hat der Blaue Engel jetzt 14 von 20 möglichen Punkten. «Die durchs Band gelungene Leistung honorieren wir gern mit einem zusätzlichen Punkt», schrieb das Branchenmagazin. «Das war eine schöne Anerkennung für unseren Küchenchef», erinnert sich von Gunten. Grossen Einfluss auf das Kundenverhalten hätte die Auszeichnung aber nicht gehabt. 

Gemäss der «Berner Zeitung» ist die Zukunft der Lokalität bislang ungewiss. Von Gunten ist gleichzeitig auch Eigentümerin der Liegenschaft, in dem ihr Restaurant untergebracht ist. Sie wolle nach der Schliessung erst einmal Pause machen – und dann schauen, wie es weitergeht.

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