Aus nach 123 Jahren
Noble Goldküsten-Bank wird zum Schnäppchenpreis verkauft

Die kleinste Bank am Zürichsee, die Regiobank Männedorf, wird in die Acrevis Bank integriert. Der überraschende Verkauf für 25,8 Millionen Franken verärgert Aktionäre. Hohe Gehälter und Kreditverluste haben das traditionsreiche Institut ins Wanken gebracht.
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Die Acrevis aus St. Gallen übernimmt die Regiobank Männedorf.
Foto: PD

Darum gehts

  • Regiobank Männedorf wird nach 120 Jahren von Acrevis Bank übernommen
  • Regiobank schrieb 2025 367’000 Franken Verlust, trotz Neubau für 11 Millionen
  • Verkaufspreis 25,8 Millionen Franken, Acrevis erwartet 10 Millionen Gewinn
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Patrik BergerRedaktor Wirtschaft

Die kleinste Bank am Zürichsee verliert ihre Selbstständigkeit. Nach über 120 Jahren wird die Regiobank Männedorf in die deutlich grössere Acrevis Bank mit Sitz in St. Gallen integriert. Das Aus kommt überraschend, hat die Regiobank doch erst im vergangenen Herbst ihren dreistöckigen Neubau an der Bahnhofstrasse in Männedorf ZH bezogen. Der prestigeträchtige Bau hat elf Millionen Franken gekostet. Bald schon wird er das neue Logo «Acrevis Bank Männedorf» tragen.

Der Grund: Der Druck auf kleine Banken wächst. «Die Bankenwelt ist komplexer geworden», sagte CEO André Häberling der «Zürichsee-Zeitung». Der «anhaltende regulatorische und technologische Wandel» sei gerade für kleinere Institute eine enorme Herausforderung. Vor allem Themen wie Cybersicherheit seien teuer und aufwendig. «Für eine kleine Bank ist es schwierig und teuer, da mitzuhalten.»

Hinter den Kulissen brodelt es

Die Regiobank zählt nur elf Mitarbeitende, die Acrevis deren 190 an acht Standorten. Der Entscheid sei strategisch, heisst es bei der Regiobank. Keine Panikreaktion. Zwar schrieb die Bank im ersten Halbjahr 2025 einen Betriebsverlust von 367’000 Franken. Unter dem Strich resultierte dank Sondereffekten aber eine schwarze Null. Für Kunden soll sich wenig ändern. Standort und Dienstleistungen würden bleiben. Auch alle Mitarbeitenden sollen weiterbeschäftigt werden.

Tönt alles vernünftig und nachvollziehbar. Doch hinter den Kulissen brodelt es, wie das Finanzportal tippinpoint.ch schreibt. Der Notverkauf verärgere Aktionäre und langjährige Kunden der Regionalbank gleichermassen. Von einem «Mänidorfer Bankenskandal» ist die Rede und gar von einer «Credit Suisse in klein». Wie bei der CS seien die Probleme nicht von heute auf morgen gekommen, heisst es im Artikel. Durch die vielen Zuzüger sei Männedorf zu einem Teil der Goldküste geworden. Die Regiobank habe die Entwicklung verschlafen. Zudem sei der Raiffeisen-Standort in der Gemeinde immer stärker geworden.

«Blöde Youtube-Videos»

Die Folge: Es kam zu Kreditverlusten. Und in der Folge zu einem Wechsel an der Spitze. Das Steuer herumreissen vermochten Präsident Thomas Stäheli und CEO André Häberling nicht. Das Finanzportal «Inisde Paradeplatz» betitelt Stäheli als «Versenker der Regiobank Männedorf». Auch in Männedorf sind die Meinungen gemacht. Mehr als «blöde Youtube-Videos» habe die Bankenführung nicht gemacht, erzählt man am Zürichsee hinter vorgehaltener Hand. Und: Statt auf die Kostenbremse zu stehen, stiegen die Gehälter an – zwischen 2019 und 2024 um 62 Prozent, wie «Tippinpoint» weiss. Der Bruttoerfolg aus dem Zinsgeschäft blieb dagegen unverändert. Zudem zogen viele Sparer ihre Gelder ab.

Die Aktionäre zahlen jetzt die Zeche. Ende 2024 hatte die Regiobank Männedorf ein Eigenkapital von 42,1 Millionen Franken. Jetzt wird sie für 25,8 Millionen Franken verkauft – zum Schnäppchenpreis! Ein guter Deal für die Acrevis. Denn die Käuferin aus St. Gallen hat damit einen fetten Gewinn von über 10 Millionen Franken in den Büchern verbuchen können, selbst wenn sie noch einen Abschreiber auf den Luxusneubau vornehmen muss. Am 26. März haben die Aktionäre an der letzten Generalversammlung in der 123-jährigen Geschichte das letzte Wort.

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