Ehemalige CS-Tochter
Kreditkarten-Anbieter Swisscard baut Dutzende Stellen ab

Swisscard plant einen Kahlschlag. Die Geschäftsleitung wird verkleinert, weitere Kündigungen folgen.
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Ein Bild aus besseren Zeiten: Der Hauptsitz von Swisscard in Horgen ZH. Zig Mitarbeitenden wird gekündigt.
Foto: MALLAUN PHOTOGRAPHY

Darum gehts

  • Swisscard baut Arbeitsplätze ab nach Credit-Suisse-Übernahme durch UBS in Horgen
  • Kündigungen im Management und weitere Entlassungen bis März 2026 geplant
  • Derzeitiger Personalbestand: 650 Mitarbeitende, genaue Abbauzahlen noch unklar
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Raphael RauchBundeshausredaktor

Swisscard kannte man früher über die Coop Supercard. Doch seit 2018 gehen der Detailhandelsriese Coop und der Kreditkartenherausgeber Swisscard bei den «Supercard Plus»-Kreditkarten getrennte Wege. Vielflieger wiederum kennen Swisscard über die «Miles & More»-Kreditkarte der Airline Swiss. Doch die Zeit der Höhenflüge ist vorbei. Die ehemalige Credit-Suisse-Tochter steckt in Schwierigkeiten – bei Swisscard stehen Dutzende Stellen auf der Kippe.

«Im Zuge der Übernahme der Credit Suisse durch die UBS hatten unsere Anteilseigner beschlossen, die unter der Marke Credit Suisse vertriebenen Kreditkartenportfolios an die UBS zu überführen», bestätigt Swisscard gegenüber SonntagsBlick. Heisst im Klartext: Swisscard hat einen zentralen Teil ihres Geschäfts verloren – und muss umbauen. «Im Rahmen dieser Veränderungen und um sich auf das Kerngeschäft zu fokussieren, passt Swisscard ihre Organisationsstruktur den neuen Rahmenbedingungen an», bestätigt Swisscard Informationen von SonntagsBlick.

Von der Credit Suisse zu American Express

Konkret bedeutet das: eine verkleinerte Führungsstruktur, weniger Jobs und unruhige Zeiten am Firmensitz in Horgen am Zürichsee. Kündigungen im Management sind bereits erfolgt – wie viele, will Swisscard nicht verraten. Weitere Kündigungen würden noch dieses Quartal folgen. «Es ist noch offen, wie viele Personen davon betroffen sein werden», teilt Swisscard mit. Die Kündigungen würden «so sozialverträglich wie möglich» ausfallen. Für alle Betroffenen greife ein Sozialplan, der Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung biete. Bereits jetzt steht fest: Die Geschäftsleitung wird von bisher acht auf nun fünf Mitglieder verkleinert.

Swisscard erlebt schwierige Zeiten. Nach Informationen von SonntagsBlick sind vom geplanten Kahlschlag alle Abteilungen und alle Altersgruppen betroffen. Früher stellte das Unternehmen auch Kreditkarten für CS-Mitarbeitende aus; mittlerweile sind diese allerdings zur UBS migriert. Auch im Privatkundendienst sind CS-Karten weggefallen. Erwartet wird, dass nun Teams zusammengelegt werden und Mitarbeitern und Teamleitern gekündigt wird.

Hinzu kommt: Die Konkurrenz bietet attraktivere Produkte als Swisscard an. Bei «Miles & More» sitzt der Konkurrent Cornercard Swisscard im Nacken. Aufgrund des Marktdrucks führte Swisscard im letzten Jahr eine Visacard ohne Fremdwährungsgebühr ein – damit wollte Swisscard der Abwanderung zu neuen Banken wie Revolut Einhalt gebieten. Swisscard steht wegen teurer Fremdwährungskurse schon länger in der Kritik. 

Massenentlassung nach Obligationenrecht?

Swisscard beschäftigt derzeit rund 650 Mitarbeitende. Noch sei offen, ob der Abbau so gross ausfällt, dass eine Massenentlassung nach Obligationenrecht fällig wird. Das Unternehmen betont: Sollte das der Fall sein, würden alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten. Nachdem sich die CS-Nachfolgerin UBS von Swisscard getrennt hatte, ist American Express die alleinige Anteilseignerin von Swisscard.

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