Fehlende Aufklärung
US-Senatoren erheben schwere Vorwürfe gegen die Credit Suisse

Credit Suisse soll bei NS-Konten-Untersuchungen Informationen zurückgehalten haben, sagen US-Senatoren. Am 3. Februar wurden in Washington fast 100 Nazi-Konten enthüllt. Die UBS zeigt sich offen für weitere Aufklärung.
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Bei einer Anhörung in Washington haben US-Senatoren schwere Vorwürfe gegen Schweizer Banken erhoben.
Foto: IMAGO/ABACAPRESS

Darum gehts

  • US-Senatoren werfen Schweizer Banken Vertuschung von NS-Konten bei Anhörung vor
  • Fast 100 NS-Konten seit den 1990er Jahren entdeckt
  • Schweizer Banken zahlten 1,25 Milliarden Dollar an Holocaust-Überlebende
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Bei einer Anhörung in Washington haben US-Senatoren schwere Vorwürfe gegen Schweizer Banken erhoben. Es geht dabei um Konten von Vertretern des NS-Regimes in Deutschland bei diesen Banken. Die Credit Suisse, die 2023 von der UBS übernommen wurde, habe bei Untersuchungen seit den 90er Jahren nicht alle Informationen auf den Tisch gelegt, sagte Senator Chuck Grassley.

Es seien seitdem unter anderem fast 100 Konten aus dem Nazi-Umfeld entdeckt worden. Die Anhörung stand unter dem Titel: «Die Wahrheit enthüllt: Verborgene Fakten über Nazis und Schweizer Banken.» «Wir begrüssen die Gelegenheit zu einem konstruktiven Austausch mit dem Senatsausschuss über die historischen Altlasten von Credit Suisse», teilte die UBS in Zürich mit.

Robert Karofsky, Präsident von UBS Americas, sagte bei der Anhörung, die UBS führe Untersuchungen über die Rolle der Credit Suisse während der Nazi-Zeit weiter und sei selbst an der Aufklärung interessiert. Er betonte aber, dass finanzielle Forderungen mit einem 1999 getroffenen Abkommen abgegolten worden seien. Damals wurde aufgedeckt, dass Schweizer Banken viele Konten von Holocaust-Opfern, die verstorben waren, als «nachrichtenlos» in ihren Büchern geführt und Angehörige oft vergeblich Zugang gesucht hatten.

Die Banken verpflichteten sich, 1,25 Milliarden Dollar zu zahlen, um Ansprüche von Holocaust-Überlebenden und Angehörigen von Opfern abzugelten. Das Geld wurde in den folgenden Jahren von einer unabhängigen Organisation an Überlebende des Holocausts und Angehörige von Opfern ausgezahlt. Die Summe habe sich auf die «nachrichtenlosen Vermögen» bezogen, aber auch auf Konten aus dem NS-Umfeld, sagte Karofsky. Alle Seiten hätten damals bestätigt, dass mit dem Abkommen sämtliche Ansprüche abgegolten seien.

Nicht die erste Anhörung von Schweizer Banken

Mit Anhörungen vor dem US-Senat haben die Schweizer Grossbanken einschlägige Erfahrungen. Im Vorfeld des Grossbankenvergleichs zu den Nachrichtenlosen Vermögen aus der Zeit des Holocaust von 1999 ging der republikanische Senator Alfonse D’Amato (88) hart mit den Schweizer Banken ins Gericht, warf ihnen unter anderem Verschleierung und Verzögerung vor. Er bestellte unter anderem Thomas Borer (68), damals Leiter der Task Force «Schweiz - Zweiter Weltkrieg» ein.

Zudem befragte D’Amato den ehemaligen SBG-Wachmann Christoph Meili (57), der Akten aus des NS-Zeit vor der Vernichtung im Schredder gerettet hatte, als Zeugen, um den Vorwurf der Verschleierung zu untermauern. Vor dem Bankenausschuss des Repräsentantenhauses musste Georg Krayer (82) als Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung zu den Vorwürfen Stellung nehmen.

Auch im Steuerstreit mit den USA kam es zwischen 2008 und 2014 zu Hearings vor dem US-Kongress. Der UBS-Topmanager Martin Liechti verweigerte 2008 die Aussage, wohl auch, weil er als damaliger Leiter des US-Vermögensverwaltungsgeschäfts selbst unter Anklage stand. 2014 wurden CS-Spitzenmanager von US-Abgeordneten in die Mangel genommen. Unter anderem der damalige CEO Brady Dougan (66). Er gestand Verfehlungen einzelner Mitarbeiter ein, wies aber die Vorwürfe eines systemischen Versagens der Bankführung zurück.


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