Darum gehts
- Donald Trump beeinflusst insbesondere den S&P 500 durch gezielte politische Signale
- Als der Aktienindex unter die 200-Tage-Linie zu rutschen drohte, setzte er einen Post auf Truth Social ab, der die Aktienmärkte euphorisch stimmte
- Im Index sind die 500 grössten börsenkotierten US-Firmen vertreten
Donald Trump (79) zählt zu den einflussreichsten Politikern der Welt. Bevor er Präsident der Vereinigten Staaten wurde, war der Republikaner jedoch kein klassischer Politiker, sondern vor allem eines: Unternehmer. Sein Business-Imperium startete er in der Börsenmetropole New York. Bis heute ist Trump mit der dortigen Wall Street eng verbandelt. Und diese Verbindung beeinflusst auch sein jetziges Amt als Präsident. Demnach hat der Amerikaner besonders einen Liebling an der Börse, wie die «Bild» zuerst berichtete.
Es geht um den S&P 500. Für Anleger ist er einer der wichtigsten Gradmesser der weltweiten Börsenstimmung. Und offenbar ist er auch dem Präsidenten wichtiger als seinen Vorgängern.
So beobachtet der Börsenmakler Andreas Lipkow (53), dass seit dem zweiten Amtsantritt Trumps verdächtig oft positive Signale aus dem Weissen Haus gesendet werden, wenn die Wall Street stark unter Druck gerät, wie er gegenüber der Zeitung sagt. In den letzten Wochen sei ihm dies besonders aufgefallen.
200-Tage-Linie als wichtiger Indikator
Dabei hat die Trump-Regierung laut Lipkow insbesondere den S&P 500 im Blick. Kein Wunder, ist er doch ein besonders relevanter Börsenwert. Im Index sind die 500 grössten börsenkotierten US-Unternehmen zusammengefasst. Besonders wertvolle Schwergewichte: Die «Maginificent 7» – Apple, Microsoft, Nvidia, Amazon, Meta, Alphabet und Tesla. Die zehn grössten Konzerne allein machen fast 40 Prozent des gesamten Index aus.
Für die Beobachtung des S&P 500 ist laut Börsenexperte insbesondere die sogenannte 200-Tage-Linie wichtig. Sie dient als Indikator, um die Entwicklung einzelner Aktien oder ganzer Indizes einzuschätzen. Dabei wird der Durchschnitt der Schlusskurse der letzten 200 Handelstage – also etwa 10 Monate – berechnet. Jeden Tag verschiebt sich dieser Durchschnitt: Der älteste Kurs fällt heraus, der aktuelle Kurs wird hinzugefügt. Auf diese Weise zeigt die Linie kontinuierlich an, wie sich der Kurs langfristig bewegt – und hilft Analysten zu erkennen, ob der Markt eher steigt, fällt oder seitwärts tendiert.
«Auffälliges Muster» entdeckt
Wenn der aktuelle Kurs über der 200-Tage-Linie liegt und diese nach oben zeigt, deutet das auf einen langfristigen Aufwärtstrend hin. Liegt der Kurs darunter, signalisiert dies eher einen Abwärtstrend – genau das, was die Trump-Regierung verhindern möchte.
Der Finanzexperte spricht in diesem Zusammenhang von «einem auffälligen Muster»: Immer wenn der S&P 500 kurz davor war, die 200-Tage-Linie zu unterschreiten, kam ein positives Signal seitens Trump – meist über Social Media. Als Folge zeigen sich die Märkte euphorisch, der Index schnellt nach oben. «Für viele Händler ist das längst mehr als Zufall», so sein Urteil.
Ein Beispiel ist Trumps Post auf seiner eigenen Plattform Truth Social vom 24. März: Der Präsident nahm darin seine Drohung zurück, bei den Kampfhandlungen mit dem Iran kritische Infrastruktur angreifen zu wollen. Die US-Aktienmärkte legten als Reaktion kräftig zu. Auffällig: An besagtem Tag lag der S&P 500 unterhalb der 200‑Tage‑Linie – zum ersten Mal seit über 200 Handelstagen! Auch als er auf Truth Social von «guten Gesprächen» zwischen dem Iran und den USA berichtete, reagierten die Märkte innerhalb weniger Minuten mit teils deutlichen Kursausschlägen.