Darum gehts
- KI revolutioniert Wirtschaft und bedroht Millionen Jobs weltweit bis 2030
- Meta ersetzte 8000 Angestellte durch KI, Arbeitslosenquote könnte 20% erreichen
- Experten diskutieren Robotersteuer und Deflationsrisiken durch Technologieentwicklung
Die KI greift in immer mehr Lebensbereiche ein. Und sie macht das gut. Ob Krebsdiagnosen, das Verfassen von juristischen Schriftstücken oder gar den Betrieb ganzer Fabriken – die künstliche Intelligenz ist dem Menschen schon jetzt in vielerlei Hinsicht überlegen. Tendenz steigend. Überall auf der Welt werden Milliarden in neue Rechenzentren investiert, KI ist im Westen aktuell der Treiber für Wirtschaftswachstum.
Tesla-Gründer und reichster Mann der Welt, Elon Musk (55), prophezeite deshalb am WEF in Davos GR Anfang des Jahres das «Ende der Armut». Die «NZZ» berichtete, dass gemäss Musk die Kosten für die Produktion von Gütern und Dienstleistungen drastisch sinken würden. Engpässe bei Produktionsfaktoren wie menschlicher Arbeit würden verschwinden. Denn die KI schlafe nicht, brauche kein Licht zum Arbeiten, werde nicht krank.
Millionen Jobs in Gefahr?
Das ist die optimistische Sichtweise, wie KI die Welt verändern wird. Computer und Roboter als Helden der Menschheit. Für andere ist die KI dabei, das Leben der Menschen massiv zu verschlechtern, der Teufel aus der Maschine sozusagen.
Denn bislang tut die KI vor allem eins: Sie kostet Jobs. Am 20. Mai entliess der Tech-Gigant Meta 8000 Angestellte. Sie wurden durch KI ersetzt. Es ist ein Beispiel von vielen. Einer der gefeuerten Angestellten, der Ex-Meta-Manager Daniel McKinnon (40), sagte gegenüber dem «Spiegel»: «Die Super-Software wird schon bald nicht nur Jobs wie meinen übernehmen, sondern die Karrieren von Millionen Menschen beenden. Wir machen uns keine Vorstellung von dem, was da kommt – und wie schnell.»
Dario Amodei, Mitbegründer des US-amerikanischen KI-Unternehmens Anthropic, prophezeit bis 2030 eine Arbeitslosenquote von bis zu 20 Prozent. Andere Branchenexperten glauben, dass ab 2030 rund 80 Prozent aller Arbeitsplätze von einer KI übernommen werden könnten. In der Folge könnte der Konsum massiv einbrechen, die Preise würden zerfallen, eine Deflation drohe.
Katastrophale Auswirkungen
Auch andere Folgen wären katastrophal, die gesellschaftlichen Folgen kaum abzusehen. Sicher aber würden die Sozialsysteme wie AHV, Krankenkassen und Arbeitslosenversicherung massiv unter Druck geraten. Wer nicht arbeitet, zahlt keine Beiträge, gleichzeitig kostete die grosse Anzahl der Pensionierten viel Geld.
Vermutlich würde auch der Wohnungsmarkt implodieren, da sich die Menschen keine teuren Wohnungen mehr leisten können. Viele Anleger würden massiv Geld verlieren.
Nicht zuletzt käme eine solch hohe Zahl von Arbeitslosen einem politischen Erdbeben gleich. Demokratische Regierungen würden nicht in der Lage sein, sich zu halten. Als die Nazis 1933 in Deutschland an die Macht kamen, betrug die Arbeitslosenquote 25 Prozent. David Autor, Ökonom an der US-Hochschule Massachusetts Institute of Technology (MIT), sagte in diesem Zusammenhang sinngemäss gegenüber dem Onlineportal «Whatjobs»: «Zuerst trifft es die Jobs, dann die Demokratie.»
Steuern auf KI?
Doch es gibt Gedanken dazu, wie man trotz KI-Boom die Stabilität garantieren könnte. In der «Financial Times» erklärte Tom Blomfield, Gründer der Digitalbank Monzo: «Ich glaube nicht, dass wir in Zukunft menschliche Arbeitskraft besteuern werden, sondern Rechenleistung.»
Auch der demokratische US-Senator Bernie Sanders forderte letztes Jahr eine «Robotersteuer» für jeden durch Automatisierung ersetzten Arbeitsplatz. Die Forderung ist klar: Der KI-Boom mache ein komplett neues Steuersystem nötig.
Andere Experten sehen die Gefahr einer Deflation durch KI nicht. Die «NZZ» schreibt: «Gegen ein sinkendes Preisniveau haben die Zentralbanken Instrumente. Sie erhöhen die Geldmenge oder senken die Zinsen und sorgen damit für eine stabile Nachfrage, auch wenn Preise für gewisse Produkte wegen technologischen Fortschritts fallen.»
Egal ob sich die KI als Heldin oder Teufel entpuppt: Klar ist, dass die Politik gefordert ist, um die Entwicklung dieser extrem potenten Technologie zu begleiten.