Darum gehts
- Künstliche Intelligenz Thema bei «Soirée Médias» in Locarno am Teatro Paravento
- Diskussion über KI-Einfluss auf Medien, Texte, Stimmen und Schauspieler
- Verlegerverband Schweizer Medien lud zur fünften Soirée mit Experten ein
Schauspieler, Musiker und Journalistinnen – künstliche Intelligenz betrifft sie alle. Bei der fünften «Soirée Médias» des Verlegerverbands Schweizer Medien im Garten des Teatro Paravento im Rahmen des Locarno Film Festival geht es um die Frage, was passiert, wenn Maschinen plötzlich Texte schreiben, Stimmen imitieren und Schauspieler ersetzen können.
Menschliche Emotionen sind nicht ersetzbar
Verlegerpräsident Andrea Masüger (66) holt dafür Schauspieler Anatole Taubman (55), Gotthard-Bassist Marc Lynn (61) und die Politik-Journalistin des Jahres Larissa Rhyn (34, Tamedia) aufs Podium. Taubman fürchtet nicht um seinen Job vor der Kamera: «Ich bin unsterblich», sagt er augenzwinkernd – denn seine Filme und damit auch sein digitales Abbild werden bleiben. Entscheidend seien aber unsere menschlichen Emotionen: «Schauspiel ist nichts anderes als Energie senden und empfangen.» Dazu zitiert er Regie-Legende Billy Wilder (1906–2002): «Gute Unterhaltung besteht aus 50 Prozent Identifikation und 50 Prozent Faszination.» Das könne KI nicht.
Ähnlich sieht es Marc Lynn. «Livemusik auf der Bühne, das ist ein Erlebnis, das aus dem Moment entsteht, das kann man nicht ersetzen, genauso wenig Bauchgefühl und Ethik.» Kritisch werde es aber, wenn eine KI ungefragt seine Stimme kopiere und damit neue Songs produziere. Damit landet die Diskussion bei einer Frage, die auch die Verleger umtreibt: Wem gehört das Original – und wer darf damit Geld verdienen? «Als ChatGPT vor drei Jahren auf den Markt kam, hat man gelacht und gesagt: Es halluziniert, es macht komische Dinge. Und heute ist es schon fast perfekt», sagt Masüger.
Die Zeit drängt
Natürlich sei KI auch nützlich. Larissa Rhyn nutzt sie im journalistischen Alltag, etwa für Transkriptionen oder zum Überarbeiten von Texten. Bei der Recherche meldet sich jedoch ihr «journalistischer Stolz»: Wenn sie länger brauche, um die Ergebnisse der KI zu überprüfen, als selbst zu recherchieren, sei wenig gewonnen.
Doch bei allen Chancen drängt für Masüger die Zeit. Es brauche rasch Regeln, die journalistische und kreative Inhalte schützen und deren Nutzung durch KI fair abgelten. «Eine Lösung darf nicht zehn Jahre auf sich warten lassen. Bis dahin sind so viele Jobs in der Medienbranche weg.» Gut ausgebildete Leute würden abwandern – und wahrscheinlich nie mehr zurückkommen. Sein Appell: Politik und Medien müssen handeln, bevor die KI sie überholt.