Angriffe auf Wanderer – Experte erklärt, worauf du achten musst
Was Herdenschutzhunde wirklich provoziert

Angriffe von Herdenschutzhunden auf Wanderer und Biker sorgen für Verunsicherung. Experte Felix Hahn (52) erklärt, wie die Tiere ticken. Und worauf man achten muss, wenn man in den Bergen auf einen Herdenschutzhund trifft.
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Herdenhunde schützen Schafe und Ziegen vor dem Wolf.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Herdenschutzhunde greifen zwei deutsche Wanderer im Val Sumvitg GR an
  • Experten betonen: Hunde reagieren auf Geschwindigkeit, Sonnenbrillen und Wanderstöcke
  • Seit 2025 werden auch Kangals und andere neue Rassen in der Schweiz eingesetzt
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Patrik BergerRedaktor Wirtschaft

Mit der Rückkehr des Wolfs stehen in den Schweizer Alpen immer mehr Herdenschutzhunde im Einsatz. Sie sollen Schaf- und Ziegenherden vor Wölfen schützen. Dabei kommt es immer wieder auch zu Zwischenfällen mit Wanderern oder Mountainbikern. Zuletzt wurden am Montag im Val Sumvitg GR zwei Wanderer aus Deutschland angegriffen. Sie mussten mit der Rega ins Spital geflogen werden.

Linus Fry (71) aus Disentis GR wurde beim Wandern von Herdenschutzhunden angegriffen. Die Tiere bissen seine Labradorhündin Mia (4). Mit Steinen, Tritten und Schlägen wehrte er sich gegen die Attacke. Und konnte so Schlimmeres verhindern. Für ihn ist klar: «Sie sind unberechenbar. Nicht der Wolf ist eine Bedrohung – sondern die Herdenschutzhunde!» Blick fragt bei der nationalen Fachstelle Herdenschutz bei Agridea nach. 

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«Herdenschutzhunde werden nicht wie Lawinen- oder Blindenhunde klassisch trainiert», erklärt der Leiter Felix Hahn (52). Entscheidend ist ihre Sozialisierung. Schon als Welpen wachsen sie bei den Nutztieren auf und entwickeln eine enge Bindung zur Herde. Gleichzeitig müssen sie den Umgang mit Menschen und anderen Hunden lernen. «Erst nach einer nationalen Prüfung gelten sie als anerkannte Herdenschutzhunde und dürfen selbstständig eingesetzt werden», so Hahn.

«Hunde und Sonnenbrillen reizen zusätzlich»

Ihre Hauptaufgabe ist klar: Sie sollen Schafe und Ziegen möglichst eigenständig vor Wölfen und anderen Eindringlingen schützen – vor allem auf Alpen, wo Zäune oft keine praktikable Lösung sind. Gerade diese Selbstständigkeit führt aber immer wieder zu Konflikten mit Touristen. «Denn für den Hund gehört alles, was sich seiner Herde nähert, zunächst einmal nicht dazu», erklärt Hahn.

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Der Herdenschutzhund versucht deshalb, fremde Menschen und Tiere erst mal auf Distanz zu halten. Dabei geht es aber um Kontrolle und – je nachdem, wie diese ausfällt – um Abwehr und nicht um Angriff. «Herdenschutzhunde sind nicht auf Aggressivität gezüchtet, sondern sie müssen eine starke soziale Bindung an ihre Herde entwickeln können», betont der Experte.

Besonders heikel sind Begegnungen mit Mountainbikern oder Trailrunnern. Geschwindigkeit, Helme oder reflektierende Sonnenbrillen können die Hunde zusätzlich reizen. Auch Wanderstöcke oder mitgeführte Hunde erhöhen das Konfliktpotenzial. Überraschende Begegnungen – etwa hinter einer Kuppe oder bei Nebel – gelten laut Experte Hahn ebenfalls als besonders kritisch.

Ruhe bewahren, nicht rennen, nicht schreien

Die wichtigste Regel lautet deshalb: Ruhe bewahren. Nicht rennen, nicht schreien und keine hektischen Bewegungen machen. Wer auf einen Herdenschutzhund trifft, sollte ihm Zeit geben, die Situation einzuschätzen. «Zeigt der Hund deutlich an, dass er den Weg zur Herde blockiert, empfiehlt sich ein Rückzug oder ein Umgehen der Herde», sagt Hahn. Und: Wer mit einem eigenen Hund unterwegs ist, sollte Weiden mit Herdenschutzhunden möglichst meiden.

In der Schweiz kommen vor allem zwei Rassen zum Einsatz: der italienische Pastore Abruzzese und der französische Montagne des Pyrénées. Seit Anfang 2025 werden vereinzelt auch Kangals, Transmontanos oder Pastore della Sila eingesetzt. Wie viele Zwischenfälle mit Herdenhunden es schweizweit gibt, ist allerdings unklar. «Es ist aber sicherlich so, dass mit steigender Anzahl eingesetzter Herdenschutzhunde auch das Konfliktpotenzial wächst», so Hahn weiter.

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