AHV steigt, Pensionskasse bricht ein – Experte warnt
«Menschen überschätzen, wie viel Rente sie später kriegen»

Die Renten in der Schweiz schrumpfen: Seit 2002 sind die Einkommen aus AHV und Pensionskassen im Schnitt um 16,4 Prozent gesunken. Einzige Ausnahme bilden tiefere Löhne, die tendenziell auch in der Pensionskasse von einer Umverteilung profitieren.
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Die Renten in der Schweiz sinken Jahr für Jahr, zeigt eine aktuelle Studie des VZ Vermögenszentrums.
Foto: Ute Grabowsky/photothek.net

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • AHV- und PK-Renten sanken seit 2002 um durchschnittlich 16,4 Prozent
  • PK-Renten wegen niedrigerem Umwandlungssatz um 40 Prozent eingebrochen
  • 65-Jährige mit 100'000 Franken Einkommen erhalten heute nur 51 Prozent davon als Rente
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Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

Neurentnerinnen und -rentner müssen den Gürtel immer enger schnallen: Seit 2002 sind die Renten aus AHV und Pensionskasse in der Schweiz um durchschnittlich 16,4 Prozent gesunken. Das zeigt das aktuelle Pensionierungsbarometer 2026 des VZ Vermögenszentrums, das Blick vorliegt. 

Während die AHV-Renten in diesem Zeitraum um 22 Prozent gestiegen sind, sind die Pensionskassen-Renten um 40 Prozent eingebrochen. «Das liegt vor allem an der höheren Lebenserwartung», sagt Studienautor Karl Flubacher (49). Weil die Versicherten immer länger leben, mussten die Pensionskassen stark am Umwandlungssatz schrauben. Dieser liegt heute im Mittel noch bei 5,2 Prozent. «Und er wird tendenziell weiter sinken», so Flubacher.

Einkommenslücke wird immer grösser

Neurentner bekommen diese Entwicklung deutlich zu spüren. Denn die sinkenden Renten vergrössern die Einkommenslücke. Eigentlich sollten AHV- und Pensionskassenrente zusammen 60 Prozent des letzten Salärs ersetzen. Abgesehen von sehr tiefen Einkommen tun sie das aber schon lange nicht mehr. 

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2002 kam ein 65-Jähriger, der zuvor 100'000 Franken verdiente, auf 62 Prozent des letzten Lohns. Heute sind es bei einem an die Lohnteuerung angepassten Salär nur noch 51 Prozent. Je höher der Lohn, umso grösser wird diese Einkommenslücke. Wer 2002 beispielsweise 150’000 Franken verdient hat, erhielt noch 58 Prozent des letzten Salärs. Heute sind es gerade mal knapp 42 Prozent. 

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Deutlich besser sieht es bei tiefen Einkommen im Bereich von 50’000 bis 60’000 Franken aus. In dieser Gruppe macht die steigende AHV einen viel grösseren Teil der Rente aus. Rentnerinnen und Rentner erhalten mit AHV und PK etwa 63 Prozent des letzten Lohns, und die Einkommenslücke ist seit 2002 nur leicht gestiegen.

Umverteilung auch bei den Pensionskassen

Bei Einkommen im Bereich des Schweizer Medianlohns von 7000 Franken oder darunter fallen zudem die Einbussen in der Pensionskasse deutlich geringer aus. Für den versicherten Lohn im Obligatorium von maximal 64’260 Franken gilt der gesetzliche Umwandlungssatz von 6,8 Prozent. Da dies für die Kassen kaum zu erwirtschaften ist, werden die Fehlbeträge über die Zinserträge der Pensionskassenvermögen der Besserverdiener gedeckt, deren überobligatorischer Teil entsprechend weniger Zinsen abwirft. Eine solche Umverteilung ist in der beruflichen Vorsorge zwar nicht vorgesehen, stabilisiert derzeit aber die Renten von tieferen Einkommen. 

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Eine repräsentative Umfrage des VZ Vermögenszentrums zeigt zudem: «Die Menschen überschätzen oft, wie viel Rente sie später kriegen», so Flubacher. Effektiv sind die Renten knapp 10 Prozent tiefer, als in der Vergangenheit im Alter von 55 Jahren zu erwarten wäre.

Die AHV wird in der Vorsorge immer wichtiger: Ende dieses Jahres wird auch erstmals die 13. AHV-Rente ausbezahlt. Der Zustupf führt dazu, selbst jemand mit einem überdurchschnittlichen, versicherten Lohn von 120’000 Franken pro Jahr mehr Rente aus der AHV als aus der Pensionskasse erhält: 32’760 Franken gegenüber 29’900 Franken. Ging eine Person mit dem gleichen Lohn 2002 in Rente, erhielt sie eine PK-Rente von 50’200 Franken pro Jahr. 

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Geringes Vertrauen in Sicherheit des Vorsorgesystems

Die ungelösten Fragen der künftigen Finanzierung der AHV-Renten schlagen sich in der Umfrage in einem sehr geringen Vertrauen in die erste Säule nieder: Fast drei von vier Befragten glauben nicht, dass die AHV-Renten in 20 Jahren gleich sicher sind wie heute. Das Vertrauen ist gegenüber der letztjährigen Umfrage nochmals merklich gesunken. Die grosse Mehrheit sieht auch die Zukunft der Pensionskassenrenten negativ. Hier ist das Vertrauen im Vorjahresvergleich aber gestiegen. «Das dürfte auch damit zu tun haben, dass die Pensionskassen dank der Senkung der Umwandlungssätze im überobligatorischen Bereich sehr stabil dastehen», sagt Flubacher. Doch: «Die Altersvorsorge steht im Sorgenbarometer der Bevölkerung jeweils weit oben.»

Immerhin: Die Gesamtleistung der Pensionskassen ist heute vergleichbar mit jener zur Zeit der Einführung der beruflichen Vorsorge im Jahr 1985. «Die Gesamtsumme der ausbezahlten PK-Renten liegt in etwa auf dem Niveau von damals», so Flubacher. «Das löst aber natürlich das Problem nicht. Die Menschen denken in Monatslöhnen, und da kriegen Rentner viel weniger als früher.»

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