Darum gehts
- Der Campingplatz Zermatt muss wegen drohender Naturgefahren schliessen
- Betreiber Elmar Lehner verliert wichtige Einnahmequelle, 200 Buchungsanfragen für diese Saison sind betroffen
- Walliser Behörden schlossen bereits im März 13 Campingplätze
Ferien in Zermatt VS muss man sich leisten können. Eine Hotelübernachtung ist alles andere als günstig, ganz zu schweigen von den vielen Luxus-Chalets, von denen im mondänen Bergdorf immer mehr entstehen. Doch auch für kleine Budgets gibt es gleich am Eingang der Tourismusdestination seit 1983 ein Angebot: den Campingplatz der Lehners. Rund 50 Zeltplätze bietet der Camping Zermatt, der besonders bei kostenbewussten Wanderern und Bergsteigern beliebt ist. Jetzt muss dieser schliessen, weil ihm der Kanton die Bewilligung entzogen hat, wie der «Walliser Bote» berichtet.
Hintergrund ist eine kantonale Richtlinie von 2025. Dabei sollen Walliser Campingplätze erneut auf mögliche Naturgefahren überprüft werden, da sich die Gefährdungssituation im Laufe der Jahre verändert hat. Ein erstes Resultat der neuen Richtlinie zeigte sich bereits Mitte März: Die Walliser Behörden schlossen 13 Campingplätze, teils per sofort. Sie seien nicht sicher genug, argumentierte der Kanton.
«Für mich bricht eine wichtige Einnahmequelle weg»
Der zuständige Walliser Staatsrat Franz Ruppen (55, SVP) erklärte damals, dass weitere Campingplätze folgen könnten. Das ist nun in Zermatt der Fall. Auch der Platz von Betreiber Elmar Lehner (55) liegt in einer Gefahrenzone. Für die kommende Saison seien keine Schutzmassnahmen umsetzbar, heisst es in einer Mitteilung der Gemeinde zur Schliessung. «Damit sind die gesetzlichen Voraussetzungen für einen sicheren Betrieb nicht erfüllt.»
Für Lehner und seine Mitarbeiterin ist das ein harter Schlag: «Für mich bricht damit eine wichtige Einnahmequelle weg, meine Angestellte muss sich jetzt etwas Neues suchen», sagt der Walliser zu Blick. «Und dass alles so kurzfristig passiert ist, macht die Situation noch schwieriger.»
Ende Mai wollte Lehner in die Saison starten, hatte bereits Vorbereitungen getroffen. Einige Reservationen hat er bereits bestätigt. «Aktuell habe ich noch 200 offene Mailanfragen. Seit dem Entscheid bin ich daran, diese abzuarbeiten», sagt er frustriert. Ausserdem vermutet er, dass diesen Sommer trotzdem noch Gäste auftauchen werden, die noch nichts von der Schliessung wissen: «Ich habe keine Reservationspflicht, viele kommen ganz spontan vorbei.»
Behörden haben Campingplatz nicht selbst überprüft
Lehner hat den Camping Zermatt 2017 von seinem Vater übernommen. «Ich war schon als Jugendlicher auf dem Platz und habe geholfen. Dass jetzt Schluss ist, tut natürlich weh», sagt er. «Das Angebot wurde auch geschätzt. Ich hörte immer wieder von Gästen, wie schön es sei, dass es so etwas noch gibt.» Aufgeben wolle er jetzt aber nicht. «Wenn möglich, würde ich den Betrieb gerne an einem anderen Standort in Zermatt weiterführen», so der Inhaber zu Blick.
Pikant: Die Walliser Behörden haben die Überprüfung von Lehners Zeltplatz offenbar verschlafen. «Ich habe diese selbst eingeleitet», sagt er. «Vom Kanton habe ich, seit die Richtlinie in Kraft ist, nichts gehört.» Von der Schliessung der 13 anderen Walliser Campingplätze habe er aus den Medien erfahren. In der Mitteilung heisst es dazu lediglich: «Der Betreiber ist im Rahmen eigener Abklärungen auf die Richtlinie aufmerksam geworden».