Darum gehts
- Firma IHI Bernex AG in Olten plant massive Stellenstreichungen
- 35 von 42 Jobs werden nach Holland ausgelagert
- Kleines Team von Forschung und Entwicklung bleibt
Die Hiobsbotschaften hören in der Schweizer Industriebranche nicht auf. Zuerst gehen wegen Donald Trumps (79) Zollhammer vom August 2025 zahlreiche Exporte der hiesigen Maschinenindustrie flöten. Dann sorgt ein neues Finanzgesetz in Italien Ende Januar dafür, «dass Schweizer Maschinen und Anlagen massiv benachteiligt» würden, warnt der Branchenverband Swissmem. Die Folge: einbrechende Aufträge, weniger Umsätze, Abbau beim Personal.
So geschehen jetzt auch in Solothurn. Bei der Industriefirma IHI Bernex AG kommt es am Hauptsitz in Olten SO zu Massenentlassungen. 35 Jobs stehen auf der Kippe. Damit würden praktisch alle der insgesamt 42 Stellen wegfallen. Nur ein kleines Team aus Forschung und Entwicklung soll bleiben, die anderen Jobs will Bernex an den holländischen Standort des japanischen Mutterhauses auslagern.
Auf Anfrage von Blick bestätigt Olivier Coddet, CEO von IHI Bernex, dass sich die Firma derzeit in einem Konsultationsverfahren befindet. Der Grund: Das Unternehmen stellt die Produktion im Solothurnischen ein. «Die massiv eingebrochene Nachfrage» hätte sie dazu gezwungen, erklärt Coddet gegenüber Blick. «Für die betroffenen Mitarbeitenden ist dies ein harter Schlag», räumt er ein. Man wolle sie bestmöglich unterstützen. Laut dem Bernex-Chef kommt es auch beim Standort in Holland zu einem Abbau.
«Massnahmen werfen grundlegende Fragen auf»
Die Gewerkschaft Angestellte Schweiz kritisiert die Entlassungen in einer Mitteilung. Man nehme sie «mit grosser Sorge zur Kenntnis», heisst es darin. «Die angekündigten Massnahmen werfen grundlegende Fragen auf, insbesondere im Hinblick auf die kommunizierten Unternehmenswerte», so die Gewerkschaft. Das Unternehmen erkläre in den Leitlinien, sich um seine Angestellten zu kümmern. «Der nun geplante Stellenabbau steht dazu in einem offensichtlichen Spannungsverhältnis», kritisiert Angestellte Schweiz.
Das international tätige Industrieunternehmen ist spezialisiert auf Beschichtungen von Wendeschneidplatten für die Werkzeugindustrie. Die Solothurner Firma leidet vor allem unter der Krise in der Automobilindustrie. «Die Geschäfte unserer Kunden sind sind in den letzten drei Jahren durch den Übergang zur E-Mobilität massiv eingebrochen – und damit auch die Nachfrage nach unseren Produkten», sagt Coddet. Ausserdem geriet das Unternehmen wegen der «starken chinesischen Konkurrenz» und der «allgemeinen geopolitischen Lage mit Zöllen und Exportbeschränkungen» in Schieflage.
Ursprünglich 1902 als Fahrzeughersteller unter dem Namen Berna AG gegründet, gehört die Firma seit 2012 dem japanischen Mischkonzern IHI. Neben dem Hauptsitz in Olten hat der Hightech-Betrieb auch ein Office in Shanghai.