Darum gehts
- Schweizer Firmen kämpfen mit Donald Trumps Zöllen, Produktion wird ins Ausland verlagert
- Corden Pharma stoppt 500-Millionen-Euro-Projekt, aus 300 neuen Jobs wird nichts
- 300-Millionen-Franken-Investition von Ypsomed in den USA wird vorgezogen
Donald Trumps (79) Handelspolitik setzt dem Produktionsstandort Schweiz zu. Auch Monate nachdem der US-Präsident seine neuen Zölle bekanntgegeben hat, prägt er die Agenda von heimischen Firmen. Einige wandern ins Ausland ab. Wie etwa der Schweizer Kaffeemaschinenhersteller Eversys, der ein Drittel des Umsatzes in Amerika macht. Und wegen der hohen Zölle die Produktion von Siders VS nach Italien verlegt hat.
Andere stoppen längst geplante Investitionen. Wie jetzt Pharmazulieferer Corden Pharma mit Sitz in Basel. Er verzichtet auf einen 500 Millionen Euro teuren Neubau einer Fabrik, wie CH Media berichtet. Corden Pharma stellt Peptid-Wirkstoffe für Medikamente her, auch für die boomenden Abnehmmedikamente. Und will eigentlich wachsen. Trotzdem stehen die Basler jetzt auf die Investitionsbremse. Das ist bitter: Aus den bereits angekündigten 300 neuen Jobs wird nichts.
Projekt plötzlich «zurückgestellt»
Corden Pharma hat das Neubauprojekt auf dem Industrieareal Schweizerhalle still und leise gestoppt. Noch im März 2025 hatte Corden gross angekündigt, über 500 Millionen Euro in eine neue Anlage für Wirkstoffe zu investieren. Jetzt ist alles vom Tisch. Offiziell spricht der Konzern nur von einer «strategischen Überprüfung» und davon, dass das Projekt «zurückgestellt» werde.
In der Region sorgt der Entscheid für Unverständnis. Selbst die Behörden wurden kaum informiert. Die Muttenzer Gemeindepräsidentin Franziska Stadelmann zeigt sich überrascht. Man bedaure den Rückzug, kenne aber die genauen Gründe nicht, sagt sie zu CH Media. Klar ist: Neue Zölle auf Medikamente und Wirkstoffe sowie die konstante Unsicherheit rund um Trumps aggressive Handelspolitik machen die Produktion in der Schweiz deutlich weniger attraktiv.
Immerhin: Ganz auf die Schweiz verzichten will Corden nicht. Bestehende Standorte in Liestal BL und Ettingen BL bleiben, neue Investitionen seien weiterhin möglich.
US-Investitionen vorziehen
Wieder andere Unternehmen lagern Teile der Produktion in ausländische Werke aus, die ihnen gehören. So treibt etwa die Medizintechnikfirma Ypsomed Pläne voran, die Hälfte der für die USA bestimmten Güter künftig in Deutschland zu produzieren. Konkret will das Unternehmen von FDP-Nationalrat Simon Michel (49) Teile der Produktion nach Schwerin (D) verlagern, wo es seit 2019 ein Werk betreibt.
Gleichzeitig soll eine 300-Millionen-Franken-Investition an der US-Ostküste bereits 2026 umgesetzt werden – statt wie eigentlich geplant erst 2027.