Darum gehts
- David Hablützel feiert Snowboard-Comeback mit Podestplatz in Calgary
- Hinter ihm liegt eine lange Leidenszeit mit mehreren Knieoperationen
- Olympia-Chancen steigen, entscheidender Wettkampf am Wochenende in Laax
Zehn Jahre warten. Zehn Jahre leiden. Und dann dieser eine Lauf, für den sich alles gelohnt hat. Als Halfpipe-Spezialist David Hablützel (29) am vorletzten Wochenende in Calgary auf Rang 2 flog, war das mehr als ein Weltcup-Podest. Es war die Rückkehr eines Snowboarders, den viele längst abgeschrieben hatten.
Rückblick: Im Jahr 2016 brillierte ein damals 19-jähriger Zürcher an den Laax Open mit Rang 3. Experten sagten ihm eine grosse Zukunft voraus. Was folgte? Sechs Knieoperationen. Vier Kreuzbandrisse. Zwei Gehirnerschütterungen. Ein Meniskusschaden. Eine Hirnblutung. Dazu Kaderabstufungen und unzählige Zweifel.
Familienmitglieder rieten ihm zum Rücktritt
Immer wieder stellte sich Hablützel die gleiche Frage: Lohnt sich das überhaupt noch? Zweimal stand er kurz davor, seine Profikarriere zu beenden. Besonders dunkel wurde es im Frühling 2021. Nach einem Trainingssturz diagnostizierten Ärzte eine schwere Gehirnerschütterung inklusive Hirnblutung.
Ein «Karriere-Killer», hiess es. Hablützel wurde in eine Klinik für Kopfverletzungen in Zürich eingeliefert. «Ich verlor jegliche Freude am Leben, durchlebte schlaflose Nächte», erinnert er sich. «Für zwei bis drei Monate konnte ich keine Leute treffen, wurde vergesslich. Musik hören? Unmöglich. Ein Besuch im Restaurant? Ausgeschlossen. Für mein Hirn war das alles zu viel.»
Selbst im engsten Umfeld glaubte kaum jemand an ein Comeback. «Familienmitglieder meinten, ich solle mir einen normalen Job suchen. Die fehlende Unterstützung schmerzte.»
Nächster Rückschlag im letzten Winter
Dann passierte etwas, das seine Karriere womöglich rettete. Er sah erste kleine Fortschritte. «Was früher normal war, löste bei mir auf einmal riesige Glücksgefühle aus.» Hablützel kämpfte sich langsam zurück. Auch ein selbst gedrehter Dokumentarfilm half ihm, wieder die Freude am Leben zu finden.
Doch kaum zurück auf dem Snowboard folgte der nächste Rückschlag. Im Dezember 2024 riss er sich erneut das Kreuzband, dazu kam ein Meniskusschaden. Den ganzen Winter stand Hablützel kein einziges Mal auf dem Snowboard. Wieder Reha. Wieder Zweifel. «Diese Zeit war brutal hart.»
Getragen hat ihn in dieser schwierigen Phase sein grosses Ziel: die Olympischen Spiele in Italien. «Ich will unbedingt dorthin. Dafür habe ich alles gegeben.» Seine Comebacksaison krönte er vorerst mit dem Podestplatz Anfang Januar.
Grosse Brisanz vor Laax
Dadurch sind auch seine Chancen auf eine Olympiateilnahme stark angestiegen. Noch ist die offizielle Selektion nicht draussen. Aber wenn sich Hablützel nicht mehr verletzt, dann wird er in Italien am Start stehen.
Vorerst will er aber beim Heim-Auftritt in Laax am kommenden Wochenende zeigen, dass sein zweiter Platz kein Ausrutscher nach oben war. In den anderen drei Halfpipe-Events dieser Saison klassierte sich der Zürcher jeweils ausserhalb der Top 15.