Darum gehts
- Snowboard-Pionier Ueli Kestenholz stirbt mit 50 nach Lawinenunglück im Wallis
- Gefahrenstufe vier wurde als «sehr kritisch» eingestuft, selten prognostiziert
- Lawinengefahr Stufe vier tritt im Schnitt pro Region an drei Wintertagen auf
Der Tod von Snowboard-Pionier Ueli Kestenholz (†50) in Folge eines Lawinenunglücks erschüttert die Sport-Schweiz. Dem enorm erfahrenen Winterathleten und Olympia-Bronzegewinner von 1998 wurde die Liebe zu den Bergen zum Verhängnis. Die Natur war nicht auf seiner Seite.
Kestenholz geriet im Walliser Lötschental an der Ostflanke des Hockuchriz in eine Lawine. Zwar konnte er noch geborgen werden, später jedoch erlag er im Spital Sitten seinen Verletzungen. Ob Kestenholz die Lawine selbst auslöste, ist nicht bekannt.
Wie aber war die offiziell deklarierte Ausgangslage an jenem 11. Januar? Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) gibt ein bis zweimal täglich das Lawinenbulletin heraus. Dieses gilt als Orientierung über die Schnee- und Lawinensituation in den Schweizer Alpen, in Liechtenstein und im Jura. Es hat den Charakter einer Warnbotschaft.
Prognose dieser Stufe ist selten
Für den verhängnisvollen Sonntagmittag herrschte laut SLF im Unglücksgebiet eine Lawinengefahr der Stufe vier von fünf. Diese wird im vom Bund in Auftrag gegebenen Bulletin als «sehr kritisch» bezeichnet – und selten prognostiziert. Und zwar im Schnitt nur für «wenige Tage des Winters». In Zahlen gesprochen tritt diese Lawinengefahr in den Schweizer Alpen pro Region durchschnittlich bloss an drei Tagen im Winter auf.
Weiter ist bei den Eigenschaften der Stufe vier auf der Skala festgehalten: «Spontane und oft auch sehr grosse Lawinen sind wahrscheinlich. An vielen Steilhängen können Lawinen leicht ausgelöst werden. Fernauslösungen sind typisch. Wummgeräusche und Risse sind häufig.» Unerfahrenen wird von offizieller Seite empfohlen, auf den geöffneten Abfahrten und Routen zu bleiben.
Kestenholz wurde von Schneebrettlawine erfasst
Zur Einordnung: Die meisten Todesopfer fordern allerdings nicht etwa die Stufen vier (rund zehn Prozent) oder fünf (etwa ein Prozent), sondern die Stufe drei. Dies, weil die Stufe drei ungleich häufiger prognostiziert wird. Rund die Hälfte der Unglücke mit Todesausgang passieren während der «erheblichen Lawinengefahr».
Bei der Lawine, die Kestenholz mitriss, handelte es sich um eine sogenannte Schneebrettlawine, wie Kurt Winkler vom SLF gegenüber Blick bestätigt. Es ist die gefährlichste Art einer Lawine, weil sie schnell eine hohe Geschwindigkeit erreicht. Sie ist für über 90 Prozent der Lawinenopfer verantwortlich. «Wer ein Schneebrett auslöst, steht oft mittendrin und wird häufig mitgerissen», heisst es beim SLF.
Laut den Daten des Instituts war Kestenholz am Sonntag nicht der Einzige, der in eine Lawine geriet. Am selben Tag wurden im Wallis gleich mehrere Personen an unterschiedlichen Orten als «verschüttet» gemeldet, zwei davon ebenfalls in einem Gebiet mit Gefahrenstufe vier. Beide hatten aber mehr Glück als Kestenholz und überlebten.