Darum gehts
- Der Kampf um die drei Olympia-Startplätze sorgte für Ärger im Schweizer Skisprungteam
- Remo Imhof kämpfte mit Druck und verlor zeitweise die Freude am Sport
- Der Muotathaler lobt Routinier Simon Ammann für sein Verhalten
Gregor Deschwanden gewann in Italien sensationell Olympia-Bronze und schrieb damit Schweizer Skisprung-Geschichte. Während sich der Luzerner über diesen Erfolg freute, zog sein Teamkollege Remo Imhof (22) zu Hause in der Schweiz ein vernichtendes Fazit: «Der Olympia-Kampf hat mich kaputt gemacht.»
Imhof duellierte sich mit sechs anderen Springern um die drei Startplätze. Der interne Konkurrenzkampf – unter anderem gegen Routinier Simon Ammann (44) – setzte ihn so stark unter Druck, dass er sich teilweise selbst nicht mehr erkannte. «Ich verlor die Lust am Skispringen. Meine Laune war wochenlang richtig schlecht.»
Talent fühlte sich übergangen
Dabei hatte für den Muotathaler im Frühling noch vieles vielversprechend ausgesehen. Die Sprünge passten, die Fortschritte stimmten. Doch mit den ersten Wettkämpfen verschwand die Leichtigkeit. «Es fühlte sich an wie ein kleines Kind, das schon laufen konnte, aber plötzlich immer wieder hinfällt. Das war brutal frustrierend.»
Je verbissener er wurde, desto mehr entfernte er sich von seiner Bestform. Doch nicht nur Imhof haderte. «Die Stimmung im Team war allgemein sehr angespannt. Wir verstanden uns zwar noch gut, aber wirklich toll war es nicht.»
Zusätzlich sorgten auch Entscheide des Trainerstabs für Unverständnis. Imhof fühlte sich zeitweise übergangen. «Ich hatte das Gefühl, aufgrund meiner Leistungen für höhere Aufgaben bereit zu sein. Doch mehrfach wurde ich nicht berücksichtigt. Das enttäuschte mich.»
Lob für Routinier Ammann
Und als wäre der Druck nicht schon gross genug gewesen, kam auch noch Pech dazu. Kurz nach Weihnachten zog sich Imhof eine Lebensmittelvergiftung zu. «Es lief einfach alles schief», sagt er rückblickend.
Trotz des harten Konkurrenzkampfs findet Imhof für seinen langjährigen Teamkollegen Ammann nur lobende Worte. «Er war eine extreme Unterstützung im Team. Es hat wirklich Spass gemacht, mit ihm zusammen zu sein.»
Der vierfache Olympiasieger habe sich im intensiven Kampf um die Tickets jederzeit vorbildlich verhalten. «Ich hoffe, er macht weiter. Es ist unglaublich, wie lange er schon auf diesem Niveau springt und wie viel er dem Sport gibt. Er ist eine riesige Inspiration.»
Olympiamedaille macht Imhof Mut
In den letzten Wochen begann Imhof, seine bisher schwierigste Phase aufzuarbeiten. Er analysierte die Monate rund um den Olympia-Kampf noch einmal genau und sortierte seine Emotionen. Dabei kam er zu folgendem Schluss: «Ich habe vieles falsch interpretiert und will deshalb niemandem einen Vorwurf machen. Ich muss einfach mehr Geduld haben. Es ist ein Prozess.»
Ein Prozess, den Gregor Deschwanden (35) bereits erfolgreich durchlaufen hat. Jahrelang kämpfte auch er mit Rückschlägen und Zweifeln, ehe er in Italien zu Olympia-Bronze sprang. «Ich mag ihm das von Herzen gönnen», sagt Imhof. Der auch dank dessen Erfolg neuen Mut geschöpft hat.