Darum gehts
Wenn Gregor Deschwanden (34) oben auf dem Balken sitzt, schnellen Dutzende rot-weisse Fahnen in die Luft. Doch auf den wenigsten prangt ein Schweizerkreuz. Stattdessen dominiert das gestreifte polnische Weiss-Rot in der Arena. Und der Luzerner wird gefeiert, als wäre er einer von ihnen.
So auch bei seinem Bronze-Coup auf der kleinen Schanze in Predazzo. Während des Interview-Marathons schreien die Fans immer wieder: «Gregor, Gregor, Gregor!» Skispringen ist in Polen der Nationalsport. Doch wie kam es, dass sie ausgerechnet Deschwanden «adoptiert» haben?
Polen-Absturz als grosse Chance
Die Antwort darauf liefert sein Liebesleben. Deschwandens Partnerin ist gebürtige Polin. Kennengelernt haben sich die beiden an der Weltmeisterschaft 2015 in Falun. Sein Hintergrundbild auf dem Handy zeigt das Liebespaar vor dem Dom in Mailand. «Das passt zu den Olympischen Spielen. Zudem gibt es mir immer ein gutes Gefühl, wenn ich es anschaue», erklärte Deschwanden vor dem Grossanlass.
Durch seine Partnerin hat der Schweizer längst eine Verbindung in den Osten aufgebaut. Mittlerweile beherrscht der Olympia-Held auch die Sprache. Was dazu führt, dass die polnischen Journalisten ihn fast nach jedem Springen zum Interview bitten. «Er ist auch ein wenig einer von uns», meint einer mit einem Augenzwinkern.
Nebst seinem Liebesleben führten auch die schwachen Leistungen der polnischen Springer zu einem Deschwanden-Hype. Zeitweise hatten sie Mühe, sich für den zweiten Durchgang zu qualifizieren. Während Deschwanden gerade in der letzten Saison mehrfach aufs Podest segelte.
Nun haben die Polen endlich wieder einen Hoffnungsträger. Kacper Tomasiak (19) sicherte sich auf der kleinen Schanze vor dem Schweizer die Silbermedaille. An der riesigen Unterstützung für Deschwanden wird das aber nichts ändern.