Zweimal Olympia-Tränen, Herzprobleme, Team-Unruhe
Die grosse Medaillen-Erlösung für Fähndrich

Es gibt doch noch ein Happy-End für Nadine Fähndrich an Olympischen Winterspielen. Die beste Schweizer Langläuferin aller Zeiten krönt ihre Karriere mit Teamsprint-Silber – an der Seite des starken Shootingstars Nadja Kälin.
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Ein Schrei der puren Erleichterung: Nadine Fähndrich überquert die Ziellinie als Zweite.
Foto: AP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Nadine Fähndrich und Nadja Kälin gewinnen Olympia-Silber im Langlauf-Teamsprint
  • Erste Schweizer Frauen-Olympiamedaille im Langlauf seit 2002, historischer Erfolg
  • Fähndrich stand 26 Mal auf Weltcup-Podest, Kälin bestätigt ihre Top-Entwicklung
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Marco PescioReporter Sport

Es ist ein Schweizer Jubeltag in der Loipe! Nadine Fähndrich (30) und Nadja Kälin (24) geben im Teamsprint ein Turbo-Duo und krallen sich Olympia-Silber. Auf Frauenseite ist es das erste olympische Edelmetall seit der Bronzemedaille 2002, die Andrea Huber (50), Laurence Rochat (46), Brigitte Albrecht-Loretan (55) und Natascia Leonardi Cortesi (54) in der 4x5-km-Staffel holten.

Besonders für Fähndrich ist der Erfolg emotional. Ihr Weg dorthin war gerade auf olympischer Ebene pickelhart. 2022 war sie in Peking auf den fünften Platz gelaufen, vergoss daraufhin im TV-Interview bei SRF aber bittere Tränen. Dann wiederholte sich dieselbe Szene erst vor wenigen Tagen, als sie im Einzelsprint im Val di Fiemme sensationell schon im Viertelfinal ausschied. Wieder Tränen. Wieder im selben Satz, als sie jenen danken wollte, die sie stets unterstützten. In ihrer Enttäuschung gab sie auch bekannt, dass dies ihre letzten Winterspiele sein würden.

An der Nordisch-WM 2025 hat Fähndrich zwei Bronzemedaillen eingeheimst, im Weltcup stand sie total 26 Mal auf dem Podest – sie ist längst die erfolgreichste Schweizer Langläuferin aller Zeiten. Doch Fähndrich und Olympia? Das schien einfach nicht zusammenzupassen. Bis jetzt. Bis zum erlösenden Silber, das für Fähndrich «eine Riesenerleichterung» darstellt, wie sie im SRF-Interview sagt. Auch, weil ihre letzten Jahre noch andere Hürden bereitstellten.

Da wären etwa die gutartigen Herzrhythmusstörungen gewesen, die für die Eigenthalerin zunächst ein Schock waren, schliesslich aber mit einem Eingriff rasch behoben werden konnten. Und dann kam auch noch der teaminterne Umbruch dazu. Nachdem Coach Ivan Hudac (54) im Frühjahr 2024 bei Swiss-Ski gehen musste, wollte sie ihn mit Blick auf ihr grosses Olympia-Ziel 2026 nicht loslassen und stellte prompt ein eigenes Team auf die Beine. Zusammen mit ihrem Bruder Cyril Fähndrich (26) und eben Hudac. Das gefiel nicht allen in der Langlauf-Szene. Swiss-Ski musste sich damit arrangieren. Doch Fähndrich, die es sonst immer allen recht machen möchte, liess sich nicht beirren. Mit Erfolg, wie sich jetzt herausstellt.

Unruhe im Team vor Silberlauf

Auch die unmittelbar letzten Tage waren nicht einfach für die sensible, aber sehr ehrgeizige Athletin. Es hat einiges an Aufmunterungsgeschick gebraucht, um sie nach der heftigen Ohrfeige im Einzel-Sprint wieder aufzupäppeln. Und dann kam auch noch der Wechsel im Hinblick auf den Teamsprint dazu: Das Trainerteam wollte die aktuell formstarke Nadja Kälin nominieren – und damit nicht Anja Weber (24), mit der Fähndrich vor einem Jahr aufs WM-Podest lief. Weber war stinksauer und schwer enttäuscht. Sportlich gesehen war dieser Tausch umstritten, aber auch nachvollziehbar. Im Nachhinein stellt er sich als Volltreffer heraus. Kälin hat an diesen Winterspielen einmal mehr abgeliefert. Im Teamsprint hat sie absolut mit der Spitze mitgehalten und übergab Fähndrich in aussichtsreicher Position.

Zum Auftakt der Spiele lief sie im Skiathlon bereits auf den starken vierten Rang, dann liess sie einen 14 Platz über 10 km folgen. Die auf die Distanzbewerbe spezialisierte Engadinerin ist die grosse Gewinnerin im Schweizer Langlauf-Team an diesen Spielen. Ihre frechen, mutigen Auftritte im Val di Fiemme sind ein Versprechen für die Zukunft. Einst wollte sie Skifahrerin werden, doch zum Glück für den Schweizer Langlauf hat sie als junges Mädchen einen anderen Weg eingeschlagen.

Kälin hat steilen Aufstieg hinter sich

Dass die in Davos wohnhafte St. Moritzerin schon jetzt derart verlässlich Resultate liefert, ist bemerkenswert und bestätigt ihre hervorragende Entwicklung. Auch an der letzten WM hatte die Zeitmilitär-Spitzensportlerin, die speziellerweise gerne «mit einem Luftbefeuchter fürs Zimmer» reist, schon aufhorchen lassen. Vor der Saison sagte die ältere Schwester von Marina Kälin (22), die ebenfalls an diesen Winterspielen im Einsatz steht, noch eher zurückhaltend: «Ein olympisches Diplom wäre schon das Ziel.» Jetzt hat sie ihr Vorhaben sogar locker übertroffen. «Das ist ein unbeschreibliches Gefühl», meint sie nach ihrem Silber-Coup. Nur die schwedischen Topfavoritinnen Jonna Sundling (31) und Maja Dahlqvist (31) sind an diesem Tag schneller.

Auch Fähndrich ist überglücklich. «Dass es so aufgeht, ist wunderschön, jetzt geniesse ich es einfach», sagt sie und ergänzt dann: «Sehr, sehr viele Leute mussten mich in den schwierigen letzten Tagen aufbauen. Ich bin ihnen so dankbar!» Wieder hat sie feuchte Augen. Diesmal sind es aber Freudentränen. Endlich.

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