Darum gehts
- Johannes Hösflot Kläbo dominiert Langlauf-Welt, holt vier WM-Goldmedaillen 2026
- Sein Opa Kare förderte ihn seit Kindheit, auch trotz Krankheit
- Mit neun Olympia-Goldmedaillen ist Kläbo Winterspiele-Rekordhalter
Es gibt diesen einen viralen Clip auf Social Media, der die Dominanz von Johannes Hösflot Kläbo (29) in der Langlauf-Welt in nur wenigen Sekunden treffend veranschaulicht. Der Norweger sprintet in ungeheurem Tempo einen Hügel hoch und lässt der Konkurrenz nicht den Hauch einer Chance. Die einen vergleichen ihn mit Fussball-Superstar und Landsmann Erling Haaland (25), die anderen mit Leichtathletik-Ikone Usain Bolt (39).
Nun, Kläbo ist im Weltsport tatsächlich auf einer Stufe mit den Allergrössten. Spätestens seit seinem vierten Gold-Streich vom Sonntag, als er mit der norwegischen Staffel zum Sieg lief. Mit seinen vier Goldmedaillen ist er zum König vom Val di Fiemme geworden – und mit total neun Olympia-Triumphen zum alleinigen Rekordhalter bei Winterspielen. Verrückt: Am Mittwoch im Teamsprint und am Samstag über 50 km könnte er seine Bestmarke gar noch erhöhen.
Seine absolute Überlegenheit folgt nur ein Jahr nach einer ebenso irrwitzigen Machtdemonstration an der Nordisch-WM, an der er mit sechsmal (!) Gold alles in Grund und Boden lief, was sonst noch am Start war. Wie macht der Posterboy aus Trondheim das bloss?
Mit Opa angelte er Fische – und jetzt Medaillen
In Norwegen wird Kläbo verehrt wie ein Langlauf-Gott. Die Skandinavier mussten sich aber daran gewöhnen, dass ihr neuer Volkssport-Held anders tickt als manch ein anderer Ausnahmekönner ihres Landes. Im Vergleich zu Petter Northug (40), dem einstigen Cologna-Rivalen, ist Kläbo vor allem eines: langweilig. In lokalen Medien wurde er sogar schon als «einsamer König» betitelt. Das hat damit zu tun, dass Kläbo dem Erfolg wirklich alles unterordnet und einen asketischen Lebensstil pflegt. Er hat fixe Ruhezeiten, gönnt sich kaum was Süsses und schottet sich, wenn möglich, total ab. Jedes Jahr ist er rund ein Drittel der Tage nur mit seinem Vater Haakon unterwegs. Seine Verlobte Pernille Dösvik muss ebenfalls stark zurückstecken, wenn er wieder mal in seine Blase abtaucht. Während Corona-Zeiten musste sie sich zwischenzeitlich entscheiden: Entweder Isolation mit ihrem Freund – oder vor einem Treffen in Quarantäne gehen.
Ebenfalls zum engen Zirkel Kläbos gehört sein Opa Kare. Der mittlerweile 82-Jährige hat seinem Enkel einst zwei Langlauf-Latten in die Hand gedrückt, als dieser erst zwei Jahre alt war. Bis heute ist er sein grösster sportlicher Förderer. Auf gemeinsamen Angelausflügen konzipierten die beiden den Aufstieg von Johannes an die Weltspitze. «Wir haben uns gefragt: Wie kann ich auf dem schnellsten Weg Weltmeister werden?», erklärt Kläbo in einem Videobeitrag für den Olympic Channel. Im selben Filmchen nennt er Opa Kare sein Erfolgsgeheimnis. Die beiden würde ein spezieller, zwischenmenschlicher Draht verbinden, bestätigt auch Kläbos Mutter Elisabeth.
Kare Hösflot stellte sich selbst sogar hinten an, als er gegen Prostatakrebs kämpfte. 2020 verschob er eine notwendige Chemotherapie, um seinem Enkel während der Saison beizustehen. Letzterer hat ihm dies nie vergessen. In einer Doku mit dem Titel «Kläbo», die im letzten Jahr in seiner Heimat im Kino lief, erklärt Johannes dann auch, dass nicht er der eigentliche Star sei, sondern: «Meine Familie.»
«Lauf, Kläbo, lauf!»
Kläbo mag ein stiller, meist isolierter Schaffer sein. Doch das will nicht heissen, dass er kein geselliger Typ oder für keinen Spass zu haben wäre. Nach der letztjährigen WM entschied er, die Schranken etwas zu öffnen und sich im Training mit Emil Iversen zusammenzutun. Ausserdem wollte er mehr Zeit mit seiner Partnerin verbringen. Und in puncto Humor gäbe es da das schon ältere Video «Lauf, Kläbo, lauf!» des norwegischen TV-Senders NRK. Darin stand er als «Forrest Gump»-Imitation vor der Kamera, die scherzhaft die Wahrheit hinter seines Aufstiegs belichten sollte.
Kläbo sitzt im Filmchen auf einem Bänkchen und sagt: «Und von diesem Tag an konnte ich schneller rennen, als der Wind bläst.» Dieser Satz wiederum passt auch ganz gut zum Sprint-Clip, der dieser Tage rauf- und runtergespielt wird.
