Darum gehts
- Norwegen gewinnt olympische Männer-Staffel, Kläbo holt viertes Gold in Peking
- Norweger testeten Ski auf gesperrter Strecke, Strafe kaum spürbar
- Schweden mit letzter Platzierung, über 45 Sekunden hinter der Schweiz
Am Sonntag gewinnt Norwegen, angeführt von Johannes Hösflot Kläbo, die olympische Staffel über 4×7,5 km der Männer vor Frankreich und Italien. Für Superstar Kläbo ist es die vierte Goldmedaille an diesen Spielen und die neunte überhaupt – Olympia-Rekord.
Alles gut also? Nicht ganz, denn der historische Triumph hat einen faden Beigeschmack. Schon kurz nach dem Rennen werden erste Stimmen laut, dass die Norweger sich einen unfairen Vorteil erschlichen haben sollen.
Passiert ist es kurz vor Rennstart: Ein norwegischer Servicemitarbeiter hat offenbar auf der bereits gesperrten Strecke getestet, das berichtet die finnische Zeitung «Iltalehti». Das stösst dem finnischen Langläufer Iivo Niskanen sauer auf: «Es ist schon interessant, wenn die Loipen um Viertel nach elf gesperrt sind und ich neben dem Zaun stehe, während die Norweger die Ski testen. Vielleicht halten sich die von der FIS ja nicht mehr so an die Regeln …»
Milde Strafe dürfte Norweger kaum wehtun
Ganz ohne Konsequenzen bleibt das Vorgehen der Norweger nicht. So darf das Team beim nächsten Rennen einen Servicetechniker weniger mit an die Loipe nehmen. Eine Strafe allerdings, die die Norweger wohl nur begrenzt schmerzen wird.
In einer ganz anderen Situation sind Norwegens Langlauf-Rivalen aus Schweden. Dort braucht man den noch anstehenden Team-Sprint vom kommenden Mittwoch als Wiedergutmachung. Die Männer-Staffel erlebte beim norwegischen Triumph ein veritables Fiasko: Mit über 45 Sekunden Rückstand auf das neuntplatzierte Schweizer Team läuft das schwedische Quartett als Letztes ein. Eine Riesenschmach für die stolze Langlauf-Nation (zweitmeiste Langlauf-Goldmedaillen nach Norwegen).
Das hinterlässt auch bei den Athleten kein gutes Gefühl. «Das ist peinlich. Man schämt sich da draussen. Gleichzeitig muss man versuchen, alles zu geben. Ich gebe mein Bestes, aber es passiert nichts», sagte Calle Halfvarsson nach dem Staffel-Rennen dem TV-Sender SVT Sport. Bei den Schweden geht man auf Ursachen-Suche und wird beim Material fündig. «Wenn man nicht genauso gutes Material wie die Besten hat, ist es vorbei.» Beim Personal haben die Schweden im Vorfeld Pech, der eigentliche Wachsmeister Anders Svanebo, der die Ski optimal auf die Strecke vorbereitet, fehlt bei der Staffel krankheitsbedingt. Der Ersatzmann nahm bei einer einberufenen Krisensitzung die Verantwortung bereits auf sich.
«Hat jemand die schwedische Staffel gesehen?»
In den heimischen Medien fällt das Urteil hart aus. Die Zeitung «Aftonbladet» redet von einem «riesigen Fiasko». Das Boulevard-Blatt veröffentlicht eine Vermisstmeldung und schreibt zu einem Bild der schwedischen Langläufer mit giftigem Unterton: «Hat irgendjemand die schwedische Staffel gesehen?»
Das Rennen wird in der Zeitung als «Tiefpunkt für den schwedischen Skisport der Männer» bezeichnet. «Wir sind heute mit Abstand die Schlechtesten der Welt.» Und weiter: «Jetzt müssen Köpfe rollen.»
