Ist von Allmen wirklich auf einer Stufe mit den Ikonen Killy und Sailer?
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Zweifel trotz Dreifach-Gold:Ist von Allmen nun auf einer Stufe mit Killy und Sailer?

Übrigens – die SonntagsBlick-Kolumne
Skiduell elektriesiert die Schweiz – wie einst Collombin und Russi

Das Duell von Franjo von Allmen und Marco Odermatt elektrisiert die Schweiz. Es gibt Parallelen zu früher. Die Kolumne von Felix Bingesser.
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Franjo von Allmen (l.) und Marco Odermatt liefern sich an den Olympischen Spielen mehrere packende Duelle.
Foto: Sven Thomann
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Felix BingesserReporter Sport

Die Medaillenrazzia der Schweizer Skirennfahrer in Italien sorgt für olympische Sternstunden. Die Skination Schweiz platzt vor Stolz.

Das Duell von Goldjunge Franjo von Allmen und Marco Odermatt elektrisiert. Es hat gewisse Parallelen zum einstigen Duell von Roland Collombin und Bernhard Russi. 

Hier von Allmen, der Collombin der Neuzeit. Man kann sich auch vorstellen, dass er mit seinen Kumpels auf der Stehrampe mit dem Bier in der Hand als Fan mitfeiert.

100 Kilo Berner Gemütlichkeit. Sein Hotelzimmer ähnelt wohl einer Wühlkammer. Ein Teddybär zum Anlehnen, ein vielleicht etwas schlampiges Genie. Auf der Piste aber ein verwegenes Raubtier ohne Furcht und Zweifel. Er sieht in jeder Passage die Chance, nicht das Risiko. Der alpine Haudegen und Gratwanderer.

Daneben liegt bei ihm in der Ruhe die Kraft. Von seiner Ausstrahlung und dem trockenen Humor her erinnert er an seinen Berner Landsmann Christian Stucki. Der hat nach dem verlorenen Schlussgang beim Eidgenössischen 2013 den Sieger Matthias Sempach auf die Stirn geküsst. Von Allmen hat nach der Zieldurchfahrt von Odermatt im Super-G entschuldigend mit den Schultern gezuckt.

Auf der anderen Seite dieser Perfektionist Odermatt. Fokussiert, nichts dem Zufall überlassend. Der beste Skirennfahrer der Neuzeit. Er paart sein Talent mit Akribie, mit Trainingsfleiss, mit Interesse für Materialfragen. Auch er exemplarisch fair, aber stets diszipliniert. Der perfekte Schwiegersohn, den man sich in einigen Jahren aufgrund seiner Persönlichkeit auch als Präsident von Swiss-Ski vorstellen kann.

Auch die US-Amerikaner überzeugen

Was sonst noch auffällt: Wie immer sind die US-Amerikaner bei Grossanlässen bereit. Breezy Johnson gewinnt die Abfahrt. Wie einst ihr Namensvetter Bill Johnson. «Billy the Kid» gewinnt in Sarajevo Olympiagold. Ein Richter hat ihn nach einem Autodiebstahl einst vor die Wahl gestellt, für sechs Monate ins Gefängnis zu gehen oder ein Ski-Internat zu besuchen. Der Rest ist Geschichte. Johnson gewinnt am Lauberhorn als erster US-Amerikaner eine Weltcupabfahrt. Und wird wenige Wochen später Olympiasieger. 

Mit 40 Jahren wagt er ein Comeback. Er stürzt schwer, wird vier Stunden notoperiert. 2011 erleidet er einen Schlaganfall, 2016 ist er verstorben. Jenseits der 40 auf der Abfahrtspiste birgt Risiken. Das weiss auch Lindsey Vonn. 

Im Super-G in Bormio gewinnt auch Ryan Cochran-Siegle eine Medaille. Er hat in dieser Saison ansonsten das Podest nur aus der Ferne gesehen. 

Die Frage, warum die US-Amerikaner bei Grossanlässen immer bereit sind, die hat schon viele Soziologen beschäftigt. Der «Winning Spirit» ist in den USA erfunden worden.

Im späten 19. Jahrhundert gab es aufgrund bitterer Armut in Europa eine Massenauswanderung nach Amerika. In diese ungewisse Zukunft sind nicht die Verzagten und die Ängstlichen aufgebrochen. Gegangen sind neben den Verzweifelten auch die Mutigen und die Tapferen, die das Risiko nicht gescheut haben und ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen haben.

Ein Geist, der wohl über Generationen weitergetragen worden ist.

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