Darum gehts
- Ein Eiskunstläufer ist wegen Missbrauchs drei Jahre gesperrt
- Betroffen war seine minderjährige Eistanz-Partnerin
- Sarah van Berkel fordert mehr Härte und Opferschutz
Eigentlich herrscht in der Schweizer Eiskunstlauf-Szene wegen der Heim-EM in Lausanne riesige Vorfreude. Doch jetzt werden die ersten Wettkämpfe der Saison vom Missbrauchs-Fall überschattet, den das Schweizer Sportgericht am Mittwoch publik machte. Ein Eiskunstläufer wird wegen mehrfacher Verletzungen der sexuellen und psychischen Integrität seiner minderjährigen Eistanz-Partnerin zu einer dreijährigen Sperre verurteilt.
Die Sperre beinhaltet das Verbot für Eistanz und Paarlauf – ein Start als Einzelathlet stünde offen. Doch diesbezüglich meldet sich nun der Verband. Swiss Ice Skating brauchte zwar zwei Tage, um sich zum Fall zu äussern. Doch jetzt heisst es: «Der Athlet verfügt derzeit über keine aktive Lizenz bei Swiss Ice Skating.» Sprich: Auftritte sind gar nicht mehr möglich, sofern es keine Shows sind, wo keine Lizenz benötigt wird. Der Verband erwähnt auch getroffene Massnahmen, auf die aber trotz Nachfrage nicht näher eingegangen wird.
In der Dopingbekämpfung gibt es lebenslange Sperren
Doch was ist, wenn die Sperre in drei Jahren ausläuft? Sarah van Berkel (42), ledig Meier und 2011 Europameisterin, hat hier eine klare Meinung. «Drei Jahre sind nicht genug», schreibt die Zürcherin auf Instagram.
Blick fragt bei van Berkel nach. «Ich verstehe, dass es in der Rechtsprechung so ist, dass man eine zweite Chance bekommt. Aber mir fällt die Vorstellung schwer, ihn eines Tages wieder in unserem schönen Sport zu sehen. Die Strafe ist zu mild.»
Die SRF-Expertin plädiert für eine längere oder sogar lebenslange Sperre, wie sie das Sportgericht bei groben oder wiederholten Dopingvergehen aussprechen kann. Dopingsünder werden zuweilen auch mit Klarnamen publik gemacht. Diese Option wäre im vorliegenden Fall komplex, weil das Opfer dann unfreiwillig praktisch mitgeoutet würde.
Van Berkel: «Das Opfer muss geschützt werden. Es war schon enorm mutig von der Familie, sich zu melden.» Bei «20 Minuten» redet auch die ehemalige Schweizer Olympionikin Alexia Paganini (22) über den Fall. Auch sie ist geschockt und sagt: «Ich finde es sehr mutig von der Betroffenen. Über Misshandlung zu sprechen, ist nie einfach. Gerade in einer kleinen Gemeinschaft, in der sich alle kennen.»
Übergriffe mit einer minderjährigen Athletin als Opfer – der Fall weckt unheilvolle Erinnerungen an den Fall in den USA 2019 mit John Coughlin (†33). Dem früheren Paar-Landesmeister wurde sexuelles Fehlverhalten gegenüber minderjährigen Athletinnen vorgeworfen, worauf der Trainer Suizid beging.
Verband setzt Präventionsbemühungen fort
Van Berkel hat selber als Koordinatorin der «Art on Ice Young Talents» viel mit minderjährigen Läuferinnen und Läufern zu tun. Ein heikles Alter, in dem die Prävention auch via Eltern enorm wichtig ist. Gerade im Eistanz und Paarlauf, wo Berührungen Alltag sind, ist der Graubereich beträchtlich. Wo sind die Grenzen? Wo beginnt Missbrauch?
Auch deshalb betont der Verband in seinem Statement: «Der Schutz der körperlichen und psychischen Integrität hat für Swiss Ice Skating höchste Priorität. Der Verband wird seine Präventionsbemühungen in allen Bereichen fortsetzen, die die Integrität der Athletinnen und Athleten sowie deren langfristige und harmonische Entwicklung betreffen.»