Darum gehts
Sie war in den letzten Jahren so gut wie noch nie – doch das pickelharte, immergleiche Vorbereitungsprogramm hinterlässt auch bei Lena Häcki-Gross (30) tiefe Spuren. Die Leaderin des Schweizer Frauen-Biathlonteams, die zweifache Weltcupsiegerin und absolute Frohnatur, die plötzlich mit ihrer eigenen Leidenschaft hadert?
Es scheint unvorstellbar, doch in der Saisonpause kamen einige Dinge zusammen, die sie nachdenklich stimmten. Unverblümt sagt sie: «Ich hatte immer extrem viel Spass am Sport, aber da hatte ich zwischenzeitlich Motivationsschwierigkeiten.» Das könne es zwar manchmal geben, doch «in dieser Form» habe sie es noch nie erlebt.
Bei der Schwyzerin und Swiss-Ski läuten direkt die Alarmglocken, zumal schliesslich die Olympischen Winterspiele anstehen und damit womöglich die Krönung ihrer Karriere. Häcki-Gross reagiert zusammen mit den Coaches um Cheftrainerin Sandra Flunger (43) rasch: «Dank guter Reaktionen aus meinem Umfeld haben wir die Probleme letztlich in den Griff bekommen.»
Heisst? «Ich habe im Training in erster Linie Sachen gemacht, von denen wir wussten, sie machen mir Spass.» Das Programm für die routinierte Athletin, die im Februar an der Heim-WM mit den Plätzen vier, fünf und sechs eine Medaille knapp verpasste, wird kurzerhand umgestellt. Häcki-Gross trainiert vor allem in Gruppen, holt sich Inputs und andere Sichtweisen ab.
Wie viele Profis tut sich Häcki-Gross vor allem schwer mit den sich wiederholenden Mustern in den langen Vorbereitungen: «Ich merkte: Ich mache ja immer genau das Gleiche. Darum habe ich es nicht mehr geschafft, mich zu motivieren. Wir nennen das generell: Die Herbstkrise.»
Dahlmeier-Tod hat sie «emotional mitgenommen»
Hinzugekommen sind bei ihr noch gesundheitliche Probleme. Da war einerseits eine Zerrung im Oberschenkel und andererseits eine Zyste zwischen Blase und Eierstöcken, die «sehr schmerzhaft war». Und vor einigen Wochen gesellte sich auch noch eine Schnittwunde an der Hand dazu, weshalb sie ihren Plan erneut anpassen musste.
Einen Schock stellte zudem auch der tragische Tod der deutschen Biathlon-Legende Laura Dahlmeier (†31) dar, die Ende Juli in Pakistan beim Bergsteigen ums Leben kam. Häcki-Gross, die mit dem deutschen Ex-Biathleten Marco Gross (30) verheiratet ist, kannte die zweifache Olympiasiegerin «nicht mega gut, aber ich kannte sie»: «Sie war eine tolle Frau, die ich immer bewundert habe. Ihr Schicksal hat mich emotional mitgenommen.»
Mittlerweile hat Häcki-Gross all die Ereignisse des letzten Halbjahres sacken lassen – und sich mental neu für die neue Saison eingestimmt, die am Samstag in Östersund (Sd) mit den Staffeln der Frauen und Männern beginnt. Trainerin Flunger ist zuversichtlich, dass Häcki-Gross in der Olympiasaison wieder abliefert: «Wir nehmen mit ihr Schritt für Schritt. Ihre beste Zeit war im letzten Winter ab Februar.» Ein gutes Omen? Dann beginnen 2026 die Wettkämpfe bei den Winterspielen in Antholz (It).