Grosser Biathlon-Umbruch nach Krisen-Winter
«Wir werden jeden Stein umdrehen»

Zu viele Baustellen, zu wenig Konstanz: Bei Swiss-Ski ist man nach einem enttäuschenden Biathlon-Winter alarmiert. Rückschritte sollen postwendend korrigiert werden – die Cheftrainerin ist schon weg. Es gibt aber auch Lichtblicke in dieser Saison.
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Ladehemmungen: Lena Häcki-Gross und Co. kamen in dieser Saison nicht wie gewünscht auf Touren.
Foto: AP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweizer Biathlon steht vor Umbruch nach schwieriger Saison
  • Cheftrainerin verlässt Swiss-Ski, weitere Wechsel sind wahrscheinlich
  • Verband plant komplette Neuausrichtung – mit Fokus Olympia 2030
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Marco PescioReporter Sport

Nach Jahren der Aufbruchstimmung und des Fortschritts erlebt der Schweizer Biathlon ausgerechnet im Olympia-Winter einen Dämpfer. Das hat vielfältige Gründe.

Drei der grossen Hoffnungsträger der vergangenen Saisons kamen einfach nicht auf Touren. Niklas Hartweg (26) und Lena Häcki-Gross (30) schrammten beide an der letztjährigen Heim-WM in Lenzerheide mehrfach an einer historischen Podestplatzierung vorbei – ihre starken Leistungen machten Hoffnung für die Winterspiele in Antholz ein Jahr später. Doch dann ist bei beiden Leaderfiguren nach gesundheitlich schwierigen Vorbereitungen der Wurm drin. Sie können genauso nicht an frühere Spitzenleistungen anknüpfen, wie auch Sebastian Stalder (28), der läuferisch ebenfalls wieder mehr Probleme bekundet hat.

Für Lichtblicke sind in dieser am kommenden Wochenende zu Ende gehenden Saison die zwei jüngsten Frauen im Weltcupteam besorgt: Die Schwyzerin Amy Baserga (25) mit starken Einzelresultaten im Weltcup, darunter drei Top-5-Ergebnisse, und Lea Meier (25), die zur grossen Entdeckung avancierte. Im Vorjahr noch Ersatzläuferin, drehte die Prättigauerin in der zweiten Hälfte der Saison auf. Mit den sensationellen Plätzen sieben (Einzel) und 13 (Sprint) rettete sie den Schweizer Biathlon bei den Olympischen Spielen regelrecht. Bei den Männern ist derweil Joscha Burkhalter (29) der Aufsteiger der Saison, er sprang mit guten Weltcup-Resultaten als Zugpferd in die Bresche.

Doch bis auf den erlösenden zweiten Rang in der Mixed-Staffel in Otepää (Est) just vor ein paar Tagen blieben Podest-Exploits aus. Gepaart mit den vergleichsweise schwächeren Leistungen in der Loipe und am Schiessstand von einigen Athletinnen und Athleten, ist dies ein Rückschritt zu den Vorjahren.

«Können nicht so weitermachen wie bis anhin»

Das bedarf nun einiger Anpassungen, wie Jürg Capol (60) bestätigt. Der Nordisch-Direktor von Swiss-Ski sagt: «Es ist nun ganz wichtig, dass wir eine fundierte Analyse machen und uns neu fokussieren – mit einem neuen, grossen Ziel vor Augen. Und das sind die Winterspiele 2030 in den französischen Alpen.» Hierfür müsse man sich auch unangenehme Fragen stellen: «Wer hilft uns hierfür am meisten? Wo sind unsere Defizite? Wir werden jeden Stein umdrehen. Denn wir können nicht so weitermachen wie bis anhin.»

Bald soll frischer Wind durch die Biathlon-Arena in Lenzerheide, die Basis der Schweizer Elite, wehen. Nach vielen Jahren mit gleichem Trainer-Staff scheinen auch diese Rädchen nicht mehr einwandfrei ineinanderzugreifen.

Die Trennung von Cheftrainerin Sandra Flunger (43, Komplextraining) ist bereits erfolgt. Die Österreicherin, unter der die Schweizer Equipe in den letzten acht Jahren einige Meilensteine erreichte, verlässt Swiss-Ski nach dem Saisonabschluss am Holmenkollen. Es dürfte nicht der einzige Personalwechsel in den Biathlon-Strukturen des Verbands bleiben. Capol wird beim Saisonfinish ebenfalls vor Ort sein. «Nicht nur, um ‹Hopp› zu rufen», wie er sagt. Die Aufgleisung des Biathlon-Umbruchs ist schon in vollem Gange.

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