Zehn Monate nach WM-Sensationsbronze im indonesischen Jakarta verpasst Kunstturner Noe Seifert trotz starker Leistung an der EM im Mehrkampf knapp die Medaillenränge. Mit Platz vier gelingt ihm dennoch ein Ausrufezeichen als Allrounder, denn gut klassiert war seit 1957 kein Schweizer mehr an europäischen Meisterschaften. 0,701 Punkte fehlen letztlich zum drittklassierten Russen Daniel Marinov. Ultraeng ist es ganz vorne in Bezug auf Mehrkampf-Gold. Dort hat der für das Gastgeberland Kroatien startende gebürtige Ukrainer Illia Kovtun gegenüber dem Russen Arsenii Dukhno um einen Tausendstelpunkt die Nase vorne.
Einfach wird es den Athleten am Mittwochabend in Zagreb nicht gemacht. Nicht selten gehen dem Übungsstart lange Wartezeiten voraus. «Heute ging es zum Teil schon sehr lange. Am Barren ist dies aber jeweils cool, dann kannst du die Griffe präparieren. Jedoch beispielsweise am Reck, da ziehst du dir das Reckleder an und hast dann das Gefühl, dass jetzt dann die Hand abstirbt. So musst du die wieder lösen», erklärt Seifert im Interview mit SRF. Die Warterei sei schon mühsam, aber es gehöre halt auch dazu, schliesst der 27-Jährige das Thema ab.
Erfreulich: Seifert ist am Mittwoch Teil der helvetischen Equipe, die sich sicher für den Teamwettkampffinal vom Sonntag qualifiziert. Vor etwas mehr als einem Jahr mussten sich die Schweizer an der EM in Leipzig einzig den Briten geschlagen geben. Seifert, Florian Langenegger (wird Mehrkampf-Zehnter), Matteo Giubellini, Mattia Piffaretti und Dominic Tamsel lassen mit Qualifikationsrang zwei darauf hoffen, dass ein ähnlicher Medaillencoup wie in Deutschland gelingen könnte – und das WM-Ticket für 2026 im holländischen Rotterdam ist zudem auch schon gesichert.
Mit Seifert am Reck und Luca Murabito, der als Einzelathlet in Zagreb dabei ist, am Boden ist die Schweiz in zwei von total sechs Gerätefinals (Reck am Samstag, Boden am Freitag) vertreten. Murabito profitiert dabei davon, dass er als Neunter quasi in die Top 8 nachrutscht, weil nur zwei Kunstturner derselben Nation bei der Medaillenentscheidung starten dürfen. Der Russe Marinov, eigentlich Siebter am Boden, darf deswegen nicht mitwirken. Als Qualifikations-Achter sichert sich Seifert seinen Platz im Reck-Final.