Darum gehts
- Ehepaar in STV-Führung löst Diskussion über Interessenkonflikte aus
- STV verweist auf klare Regeln: Offenlegung, Ausstand, Stellvertretung
- Swiss Sport Integrity bietet anonyme Meldestelle für Ethikverstösse
Liebe am Arbeitsplatz? Passiert. Ist meistens kein Problem. Aber was, wenn daraus eine Ehe wird – und beide Partner im selben Verband zentrale Führungspositionen haben?
Beim Schweizerischen Turnverband (STV) stellt sich die «Weltwoche» genau diese Frage. Im Zentrum steht die Ehe zwischen David Huser, Leiter Olympische Mission beim STV, und Bettina Aebi, Leiterin der Stabsstelle Ethik und Recht.
Der Knackpunkt liegt in der Struktur: Er verantwortet den Spitzensport, sie ist zuständig für Ethik- und Rechtsfragen – also genau für jene Bereiche, in denen es auch um mögliche Fehlentscheide, Machtfragen oder interne Konflikte gehen kann.
Genau hier wird es heikel: Kann eine Ethikstelle wirklich völlig unabhängig urteilen, wenn die oberste sportliche Führung privat direkt betroffen ist? Und umgekehrt: Wie frei sind Entscheide im System noch, wenn die berufliche und private Ebene so eng miteinander verbunden sind?
Reicht es, wenn Regeln und Ausstandsbestimmungen auf dem Papier bestehen – oder zählt am Ende auch der Eindruck nach aussen? Blick fragt beim STV nach.
«Sachverhalt längst bekannt»
David Huser zeigt sich über die öffentliche Diskussion wenig überrascht. «Meine erste Reaktion war, dass hier ein Sachverhalt aufgegriffen wird, der längst bekannt ist», sagt er gegenüber Blick. Die persönliche Situation sei damals gegenüber allen relevanten Gremien transparent offengelegt und korrekt behandelt worden.
Dass die Konstellation von Aussenstehenden hinterfragt werden könne, versteht Huser allerdings. «Das kann ich nachvollziehen. Gerade in sensiblen Bereichen entsteht Vertrauen durch Transparenz und klare Prozesse. Deshalb müssen mögliche Interessenkonflikte offengelegt und nach verbindlichen Regeln behandelt werden.»
Verband verweist auf klare Regeln
Auch der STV selber betont, dass für die Situation klare Vorgaben gelten würden. «Für diese Konstellation gelten klare Regeln: Offenlegung, Ausstand, Stellvertretung und klar definierte Zuständigkeiten», teilt der Verband mit. Dadurch würden mögliche Interessenkonflikte transparent und professionell gehandhabt und unabhängige Entscheide gewährleistet.
Nach Angaben des Verbands wurde die Beziehung zudem nicht erst jetzt thematisiert. Zentralpräsident Fabio Corti erklärt, die Situation sei bereits damals gegenüber der direkten Vorgesetzten, der Geschäftsleitung und dem Zentralvorstand offengelegt worden.
Ethikverstösse laufen über unabhängige Stellen
Einen weiteren Punkt der Kritik weist der Verband ebenfalls zurück. Die Stabsstelle Ethik und Recht sei nicht für die Bearbeitung möglicher Ethikverstösse zuständig.
«Der Bereich Ethik & Recht ist und war nie für Verfahren oder die Bearbeitung möglicher Ethikverstösse zuständig, sondern für Beratungs- und Präventionsarbeit», schreibt der STV.
Für Meldungen über mögliche Verstösse gebe es unabhängige Anlaufstellen. Betroffene könnten sich etwa an Swiss Sport Integrity wenden – auf Wunsch auch anonym.
Damit hält der Verband fest: Die Beziehung zwischen Huser und Aebi sei seit Jahren bekannt, intern geprüft und mit klaren Regeln abgesichert worden. Einen Interessenkonflikt sieht der STV deshalb nicht.