Emotionaler Karriere-Abschied in Basel
Bei einer Frage muss Wawrinka erst einmal leer schlucken

23 Jahre auf der Tour und das 19. Mal in Basel: Stan Wawrinka sagt an den Swiss Indoors dem Tenniszirkus Adieu – und taucht noch einmal ein in das Gefühlsbad, das für ihn seine Leidenschaft darstellt.
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Gut gelaunt und parat für die grossen Emotionen: Stan Wawrinka beim Pressetermin in Basel.
Foto: keystone-sda.ch
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Marco PescioReporter Sport

Mindestens zwei grosse Auftritte auf dem Center Court der Basler St. Jakobshalle bleiben Stan Wawrinka (41) noch: Den ersten gibts am Montagabend um 18.00 Uhr, wenn die Swiss Indoors den abtretenden Romand mit einer Abschiedszeremonie würdigen. Am Dienstag dann folgt seine Erstrundenpartie gegen die tschechische Weltnummer 20, Jiri Lehecka (24). Davor aber blickt er noch einmal auf seine bewegte Karriere zurück – und auf die emotionalen Basel-Tage voraus. Wawrinka über …

… seine Begleiter in Basel:

Wenn Wawrinka diese Woche ein letztes Mal seine Turnierroutine durchzieht, dann ist auch einer seiner prominentesten Weggefährten nicht weit: Wawrinka und Novak Djokovic (39) duellierten sich insgesamt 27-mal, sechsmal gewann der Westschweizer – darunter je ein Final an den French Open und an den US Open. In Basel kommt es am Sonntagabend zu einem letzten gemeinsamen Training. Bei der Zeremonie und am Matchtag werden dann «viele Freunde und Familienmitglieder» dabei sein. Wer genau, verrät Wawrinka nicht: «Aber es sind viele, ich habe nicht gezählt.»

… die grossen Emotionen:

Als Wawrinka beim Termin mit den grössten Schweizer Medien nach der Sache gefragt wird, die ihn am meisten stolz macht, wird es zunächst einmal still im kleinen Interviewraum. Wawrinka muss leer schlucken, fängt sich nach ein paar Sekunden aber wieder – und sagt: «Wenn du in einem Stadion diese enorme Unterstützung des Publikums spürst, wenn du merkst, dass sie alle für dich herkamen und dich so sehr anfeuern, dann berührt dich das zutiefst. Ich habe es genossen, diese Momente mit den Fans zu teilen.»

… eine mögliche Leere nach der Karriere:

Was passiert mit dem Mann, der das Publikum auf der ganzen Welt mitreissen konnte, wenn er die besagten Emotionen nicht mehr hat? Wawrinka weiss um diesen Verlust, probiert aber, sich darauf vorzubereiten: «Angst habe ich nicht. Aber es macht mich ein wenig traurig, wenn ich daran denke. Gleichzeitig freut es mich, dass ich auf meine Art und Weise aufhören darf. Nach einem Jahr, das ich selber gestalten durfte. Und dann noch in der Schweiz. Das ist für mich einfach genial.»

… seine verblüffende Form mit 41 Jahren:

Als ältester aktiver ATP-Tour-Spieler auf höchstem Level noch mithalten zu können, bedarf hinter den Kulissen eines riesigen Aufwands. Wawrinka muss lachen, als er darauf angesprochen wird: «Ja, das braucht viel Training. Und mittlerweile auch ein anderes, viel härteres Programm. Es war schwierig, in diesem Jahr die Balance aus Fitness und gutem Tennisspiel zu halten. Deshalb habe ich insgesamt auch ein bisschen weniger gespielt als früher.»

… sein ikonisches, prägendes Tattoo:

Jeder Wawrinka-Fan kennt ihn, den Schriftzug auf seinem linken Unterarm, auf dem steht: «Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.» Zu Deutsch: «Immer versucht. Immer gescheitert. Egal. Versuch es wieder. Scheitere wieder. Scheitere besser.» In Basel verrät er, wie es dazu kam: «Ich habe es mir 2013 in Lausanne stechen lassen – das war an meinem Geburtstag am 28. März. Der Gedanke dahinter war: Man verliert so oft auf der Tennis-Tour, dass man jede Woche etwas Positives suchen muss, an dem man sich festhalten kann. Dieser Spruch verkörpert das für mich.» Und dann fügt er lachend an: «Er gab mir die Superpower.»

… über den jungen Stan, der mit 14 nach Barcelona ging:

Auf die Anfänge seiner Karriere angesprochen, wird Wawrinka nachdenklich. Was würde er seinem jungen Ich raten, der damals den Feinschliff in Barcelona suchte und später Juniorenchampion an den French Open wurde? «Ich würde alles genau gleich machen. Ich würde rückblickend nichts an meinem Weg ändern. Ich würde dem jungen Stan sagen: Wirf dich mit einem Lächeln in dieses Abenteuer, verfolge deine Ziele und schaue, wohin es dich führt. Pushe dich bis ans Limit und darüber hinaus.»

… seine Pläne nach der Karriere:

Es gäbe da sein Engagement als Filmproduzent, sein Interesse fürs Finanz- und Kryptowesen oder schlicht ein Verbleib in der Tennisszene in irgendeiner Funktion: Wawrinka aber will sich noch nicht auf die Äste hinauswagen, was die Zeit nach seiner Profikarriere anbelangt: «Ich wollte immer zuerst mein Abschiedsjahr voll auskosten und mir dann Zeit lassen, um herauszuspüren, wo es mich hinzieht. Vielleicht dauert dieser Prozess ein paar Wochen, vielleicht auch Monate oder ein halbes Jahr. Aber es fehlt mir sicher nicht an Optionen.»

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