Darum gehts
- Sebastian Gorzny wehrte bei seinem Sieg fünf Matchbälle ab.
- Als ATP-Ranglistennummer 731 trifft er nun auf Grand-Slam-Sieger Daniil Medwedew.
- 2019 lag der US-Amerikaner mit einer Überlebenschance von 5% im Koma.
Vom Nobody ins Rampenlicht: Ein bislang nur Insidern bekannter Spieler schreibt an den US Open derzeit ein echtes Tennis-Märchen: Der US-Amerikaner Sebastian Gorzny (22), im ATP-Ranking lediglich die Nummer 731, hat in der ersten Runde für die Überraschung des bisherigen Turniers gesorgt.
Nach fast vier Stunden Kampf bezwingt der Underdog den Belgier Raphaël Collignon (24, ATP 38) mit 3:6, 6:3, 3:6, 6:3, 7:6. Wegen Regens erstreckte sich die Partie über zwei Tage. Gorzny wehrte insgesamt fünf Matchbälle ab und sicherte sich damit bei seinem allerersten Grand-Slam-Auftritt gleich den Überraschungscoup.
Die Magie des Sports
Dabei nimmt der Kalifornier aus Fountain Valley nur dank einer Wildcard in New York teil. Speziell: Vor seinem Auftritt in Flushing Meadows hatte Gorzny noch nie ein offizielles Match auf ATP-Ebene bestritten. In der zweiten Runde wartet nun sogar ein Grand-Slam-Sieger auf ihn: der Russe Daniil Medwedew, US-Open-Sieger von 2021.
Man könnte meinen, für einen Spieler seiner Ranglistenposition sei das Erreichen der zweiten Runde bereits genug, nicht so für Gorzny. Auf Instagram zeigt er sich erfreut, stellt aber klar: «Not done yet.»
«Wir konnten nichts tun»
Beim Blick auf die Vergangenheit des 22-Jährigen wird klar, wie viel Glück im Spiel war, dass er diese Momente derzeit erleben darf. 2019 nahm Gorzny als damals 15-Jähriger an einem renommierten Nachwuchsturnier im US-Bundesstaat Michigan teil.
Nachdem er die erste Runde überstanden hatte, fühlte er sich in der zweiten Runde zunehmend unwohl und musste aufgeben. «Um 2 Uhr morgens bekam ich schliesslich Krampfanfälle. Mein Vater wachte auf, rief die Sanität und wir fuhren ins Spital. Ich fiel ins Koma. Ich hatte eine Entzündung des Hirngewebes – eine Enzephalitis, vermutlich verursacht durch einen Mückenstich», erzählte Gorzny im Interview mit dem Tennis Channel.
Geringe Überlebenschance
Die Ärzte gaben ihm damals lediglich eine Überlebenschance von fünf Prozent: «Sie entfernten die Schläuche und sagten meinen Eltern, entweder würde ich wieder anfangen zu atmen … oder gar nicht mehr.» Zum Glück setzte die Atmung wieder ein und Gorzny erholte sich vollständig. Dank intensivster Physiotherapie verlief die Genesung ohne Langzeitfolgen.
«Besonders für meine Familie war es eine sehr traumatische Erfahrung. Ich bin eingeschlafen und habe im Koma kaum etwas gespürt», so der 22-Jährige weiter. «Ich bin dankbar für jeden Tag, den ich hier bin, für jeden Moment. Ich versuche, jeden Augenblick auszukosten. Diese Erfahrung hat mir eine völlig neue Perspektive auf das Leben gegeben.» Und sie lässt ihn nach dem Wunder seiner Genesung nun ein sportliches Märchen schreiben.