Happy-End dank Mixed Doubles im Curling
Ehepaar Schwaller schreibt emotionale Olympia-Geschichte

Gut drei Jahre nach ihrem Rauswurf aus dem Frauen-Vierer startet Briar Schwaller-Hürlimann gemeinsam mit Yannick Schwaller ins Olympia-Abenteuer. Die beiden leben ihren Traum – als Ehepaar, Eltern und Nachkommen von echten Curling-Familien.
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Briar und Yannick Schwaller starten gemeinsam ins Olympia-Abenteuer.
Foto: Joseph Khakshouri

Darum gehts

  • Briar Schwaller-Hürlimanns Olympiatraum schien 2023 geplatzt
  • Mit Ehemann Yannick startet sie nun im Mixed Doubles bei Olympia
  • Yannick Schwaller könnte zwei Medaillen holen
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Marco PescioReporter Sport

Im Frühling 2023 hing der Olympia-Traum von Briar Schwaller-Hürlimann (32) plötzlich an einem seidenen Faden. Sie war kurz nach dem WM-Titel aus dem Vorzeige-Frauen-Vierer um Skip Silvana Tirinzoni geworfen worden und sah damit ihre Vierer-Karriere quasi beerdigt. Warum? Eine «in vielen Bereichen» andere Denkweise soll ein Problem dargestellt haben, sagte die eine Seite.

Schwaller-Hürlimann wiederum erklärte, für sie habe es keine Vorzeichen für den Knall gegeben, die Team-Harmonie sei nie zur Diskussion gestanden. Weil Schwaller-Hürlimann aber – bis heute – ein Pensum als Primarlehrerin hat, war der langfristige Aufbau eines anderen Vierer-Teams mit Blick auf Olympia 2030 schon da sehr unrealistisch.

Ihr einziger Hoffnungsschimmer für Winterspiele stellte der Mixed-Doubles-Bewerb dar. Und genau in diesem wird sie nun mit ihrem Ehemann und Männer-Vierer-Skip Yannick Schwaller (30) ab Mittwoch an den Start gehen können. «Ich habe immer daran geglaubt. Dass es nun klappt, ist sicher sehr emotional für mich, vor allem auch, weil ich mit Yannick dabei sein darf», sagt Briar Schwaller-Hürlimann.

Das ist aber nicht der einzige Umstand, der für das Ehepaar im Hinblick auf die Winterspiele in Mailand-Cortina von Besonderheit ist. Die beiden sind 2024 Eltern ihres Sohnes River geworden, der während Olympia ebenfalls dabei sein wird, untergebracht bei den mitreisenden Grosseltern. Für das Curling-Duo stellt dies die optimale Lösung dar, allerdings können das aufgrund der schwierigen Unterkunftssuche nicht alle Olympiastarter mit Kind so einfach überbrücken. Bob-Anschieberin Nadja Pasternack etwa wird ohne Tochter vor Ort sein, weil sie kein Glück beim Umschauen nach einer bezahlbaren Bleibe hatte.

Das andere Schweizer Olympia-Ehepaar

Ladina (32) und Dario Caviezel (30) sind beide feste Grössen im Snowboard alpin, Vize-Weltmeister, Weltcupsieger und mehrfach olympisch – und sie gehen in diesem Jahr erstmals als Ehepaar bei den Winterspielen an den Start. Das grosse Ziel, das die beiden 2024 Vermählten verfolgen: Jeweils eine Medaille in Mailand-Cortina.

Instagram/dariocaviezel

Ladina (32) und Dario Caviezel (30) sind beide feste Grössen im Snowboard alpin, Vize-Weltmeister, Weltcupsieger und mehrfach olympisch – und sie gehen in diesem Jahr erstmals als Ehepaar bei den Winterspielen an den Start. Das grosse Ziel, das die beiden 2024 Vermählten verfolgen: Jeweils eine Medaille in Mailand-Cortina.

«Es schliesst sich für uns ein Kreis»

Dass das Umfeld der Schwallers Olympialuft in Norditalien schnuppern möchte, überrascht nicht, zumal sowohl Briar als auch Yannick aus echten Curling-Familien stammen. Und zwar mit grosser, erfolgreicher Vergangenheit. Briar ist die Tochter von Patrick Hürlimann (62), dem Curling-Olympiasieger 1998 in Nagano (Jap), und der gebürtigen Kanadierin Janet Hürlimann-Omand (58), die an der Curling-WM 1992 in Garmisch-Partenkirchen Dritte wurde. Yannicks Vater Christof (59) und sein Onkel Andreas Schwaller (55) holten 2002 in Salt Lake City (USA) Olympia-Bronze. «Es schliesst sich für uns ein Kreis in der Familie», sagt Yannick Schwaller – und seine Frau ergänzt: «Es macht uns beide sehr stolz, dass wir in die Fussstapfen unserer Eltern treten dürfen.»

Yannick kann sich noch gut erinnern, wie er als kleiner Junge die Olympia-Heimkehr seines Vaters erlebte: «Wir sind ihn nach Salt Lake City am Flughafen abholen gegangen. Ich habe noch ein paar Bilder im Kopf, aus denen ich viel Inspiration ziehen kann.»

Schreibt Yannick Schwaller Geschichte?

Dass mit Söhnchen River mittlerweile eine weitere Generation auf der Welt ist, habe für beide die Perspektive auf den Sport verändert: «Seit ich Mami bin, sehe ich Curling anders. Positiver. Mehr mit den Augen eines Kindes, mit mehr Freude und weniger verkrampft», sagt Briar Schwaller-Hürlimann. Und ihr Ehemann meint: «Mir gibt es noch viel mehr Motivation als vorher. Wenn ich jetzt verreise, dann will ich es umso mehr richtig und erfolgreich gestalten. Die Zeit wurde wertvoller. Ich versuche, noch mehr Fokus zu haben, wenn ich weg bin.»

In seinem Fall wäre dies der Fokus auf zwei Medaillenchancen. Im Mixed Doubles mit seiner Frau ist die Ausgangslage komplett offen. Edelmetall ist durchaus möglich, wenn alles zusammenpasst. Das gilt allerdings auch für sechs, sieben andere Teams im engen Starterfeld. Derweil im starken Männer-Vierer – als aktuelle Vize-Weltmeister – die Medaillenaussichten glänzend sind.

Schwaller könnte der erste Schweizer werden, der in beiden Bewerben aufs Treppchen steigt. Nicht auszudenken, was dann in der Curling-verrückten Familie los wäre.

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