Darum gehts
- Zverev verliert Halbfinal der Australian Open gegen Alcaraz
- Ein medizinisches Timeout des Spaniers regt Zverev gewaltig auf
- Er tut seinen Ärger lautstark kund und versteht die Welt nicht mehr
«Wird der irgendwann auch mal müde?», fragt Alexander Zverev (28, ATP 3) im Halbfinal der Australian Open Mitte des dritten Satzes seine Box. Bis zu diesem Zeitpunkt ist er chancenlos gegen Carlos Alcaraz (22, ATP 1), liegt mit 0:2 Sätzen hinten. Kurz darauf wendet sich das Blatt. Alcaraz wird zwar nicht müde, hat aber plötzlich mit körperlichen Problemen zu kämpfen.
Beim Stand von 5:4 zieht der Spanier deswegen ein medizinisches Timeout, lässt sich am Oberschenkel behandeln. Und Zverev? Der tobt. «Das ist Schwachsinn, er hat Krämpfe», wettert er gegenüber dem Schweizer Supervisor Andreas Egli. «Was ist das denn für ein absoluter Scheiss? Der kann doch kein Medical nehmen, er hat Krämpfe», kriegt sich der Deutsche fast nicht mehr ein. «Was soll es denn sonst sein?»
Wieso Zverev damit nicht einverstanden ist, liegt am Regelbuch. Denn dieses besagt, dass man nur bei Verletzungen ein medizinisches Timeout nehmen darf, nicht aber bei Krämpfen. Nur: Ob bei Alcaraz mehr dahinter steckt oder ob er doch nur Krämpfe hat, lässt sich schwer sagen. Bei Zverev sorgt die Situation dennoch für Unverständnis. «Das ist doch absoluter Bullshit, das ist doch unfassbar», macht er seinem Ärger Luft. «Ihr beschützt ihn. Das kann nicht euer Ernst sein!»
Rückendeckung von Becker
Von seinem Landsmann Boris Becker (58) gibts Rückendeckung für das Geschimpfe. «Da hat er sich zu Recht aufgeregt», meint der Eurosport-Experte. «Hätte Alcaraz da weiterspielen müssen, hätte er es vielleicht nicht geschafft, und der Sieger hätte Alexander Zverev geheissen.»
Nach dem Timeout wird die Partie fortgesetzt. Und Alcaraz verliert die Durchgänge drei und vier im Tiebreak, im fünften Satz führt Zverev mit Break 5:4. Und gibt den Sieg nach knapp fünfeinhalb Stunden gegen Alcaraz, der seine Probleme überwunden hat, noch aus der Hand.
An der Pressekonferenz gibt sich Zverev selbstkritisch. «Er hat sich anderthalb Stunden lang fast gar nicht bewegt. Vielleicht hätte ich diese Zeit besser nutzen sollen.» Als sein Geschimpfe angesprochen wird, meint er, dass es nicht seine Entscheidung sei und er nichts machen könne. «Aber es hat mir nicht gefallen.» Letztlich sei es «das körperlich härteste Match meiner Karriere» gewesen.