Darum gehts
- Marco Odermatt und weitere Sportstars lehnen die Halbierungsinitiative ab
- Reduzierte SRG-Mittel gefährden kleinere Sportarten – Abstimmung im März
- SRG überträgt jährlich 9000 Stunden Sport, viele davon Randsportarten
Normalerweise hält sich Marco Odermatt (28) politisch zurück. Doch zu einem Thema bezieht der vierfache Gesamtweltcup-Sieger nun klar Stellung. Gemeinsam mit bereits über 100 aktiven und ehemaligen Spitzensportlerinnen und Spitzensportler sagt er Nein zur Halbierungsinitiative, über die die Schweiz am 8. März abstimmt.
Diese will die Haushaltsabgabe für Radio und Fernsehen von heute 335 Franken auf 200 Franken senken und Unternehmen vollständig von der Abgabe befreien. Dieses Vorhaben bedroht vor allem die finanzielle Grundlage der SRG.
Was für viele nach Gebühren-Optimierung klingt, bedeutet für den Sport weit mehr: weniger Übertragungen, weniger Sichtbarkeit, weniger Nachwuchs. Die Kampagne «SRG halbiert – Sport verliert» von Swiss Olympic, Swiss Top Sport (der Vereinigung von 21 der grössten Sportveranstaltungen in der Schweiz) und zahlreichen Fachverbänden wie Swiss Athletics oder Swiss-Ski will genau darauf aufmerksam machen.
TV-Übertragungen als Inspiration
Als Kind war Odermatt wie viele andere ein riesiger Skifan. «Die Fernsehübertragungen brachten mir meine Idole näher und inspirierten mich. Fällt diese Bühne weg, könnte vieles kaputt gehen, gerade im Nationalsport Skifahren wäre das fatal.»
Er ergänzt: «Wenn die SRG ihr Budget halbieren muss, verschwinden viele kleinere Sportarten von der Bildfläche. Wer dieses Angebot schätzt, muss dagegen sein.» Dass sich der Superstar so deutlich äussert, zeigt, wie ernst er die Lage sieht.
Orientierungslauf-Ikone meldet sich zu Wort
Die SRG sendet heute jährlich rund 9000 Stunden Live-Sport – von Weltklasse Zürich bis zur Tour de Romandie, von der Eishockey-WM bis zu regionalen Events. Mehr als die Hälfte betrifft Sportarten ausserhalb des grossen Rampenlichts. Genau dort drohen laut Sportverbänden die grössten Schäden.
Auch andere Athletinnen und Athleten erheben die Stimme. Orientierungslauf-Ikone, Marathonläufer und Vertreter der Swiss Olympic-Athletenkommission Matthias Kyburz (35) sagt: «Es gehört zu unserer Rolle, Emotionen auszulösen und den Nachwuchs zu inspirieren. Das geht nur, wenn der Sport sichtbar ist. Eine Annahme der Halbierungsinitiative würde den ganzen Schweizer Sport zu einem grossen Verlierer machen. Deshalb erheben wir unsere Stimme.»
Schweizer Erfolgsmodell bedroht
Mountainbike-Olympiasieger Nino Schurter (39) erklärt in einem Video: «Das Schweizer Radio und Fernsehen hat mich durch meine Karriere begleitet. Diese Bilder haben dazu beigetragen, dass der Mountainbikesport dort ist, wo er heute ist. Deshalb sage ich klar Nein.»
Und Fussball-Nationalspielerin Lia Wälti (32) hält fest: «Diese Sichtbarkeit ist für unseren Sport zentral.» Swiss Olympic warnt, dass ohne SRG die Bühne fehlt, Sponsoren das Publikum verlieren und Sportarten ihre Wahrnehmung.
In anderen Ländern seien grosse Events bereits ins Pay-TV abgewandert, kleinere Sportarten verschwunden. Das Schweizer Erfolgsmodell – Sport für alle, gratis und über alle Sprachregionen hinweg – wäre bedroht, glauben die Sport-Stars. Und bewegen sich darum für einmal auf einem Feld, das für sie eigentlich ungewohnt ist.