Darum gehts
Sie ist eine der fittesten und kräftigsten im Ski-Weltcup: Wendy Holdener (32). Wohl nur dank ihrer überragenden Athletik überstand die Schwyzerin den heftigen Sturz beim Slalom in Courchevel (Fr) beinahe unbeschadet.
Gleichzeitig wartet Holdener noch auf den ersten Podestplatz des Winters. In fünf Slaloms klassierte sie sich immer zwischen den Rängen 4 und 8. «Klar, ich will aufs Podest. Leider hat es noch nicht geklappt, aber ich kämpfe weiter.»
Vielleicht gelingt es am Sonntag in Kranjska Gora (Sln). Der Hang im Nationalpark Triglav liegt ihr, in den letzten drei Slaloms wurde sie Zweite. Holdener würde sich eine knackig-eisige Piste wünschen. So könnte sie ihre Kraft besonders gut ausspielen.
Das Problem: Der Weltskiverband FIS hat schon vor der Saison die Weisungen an die Organisatoren herausgegeben, die Pisten weniger zu wässern. Das soll die Rennen sicherer machen. «Ich habe bewiesen, dass ich auf allen Pisten zurechtkomme. Aber es stimmt, dass ich eisige und wenig aggressive Pisten mag.»
Serviceleute am Anschlag
Tatsächlich fanden Holdener und Co. in diesem Winter noch keinen Slalom auf eisig-harter Unterlage vor. Auch dann nicht, wenn die Temperaturen sehr tief waren. In Gurgl (Ö) verzichtete man nach dem Männer-Slalom darauf, die Frauen auf der gleichen, harten Spur herunterzulassen. Einige beklagten dies.
Und zuletzt am Semmering (Ö) gab es ein Chaos-Rennen, weil sich innert Kürze enorme Spuren, Löcher und Rillen bildeten. Das kurzfristige Einspritzen von Wasser im obersten Teil führte zum Chaos. Fast die Hälfte der 79 Starterinnen erreichten das Ziel nicht. «Die Serviceleute am Start wussten überhaupt nicht, wie sie das Material abstimmen sollten. Kein Wunder gab es danach so viele Einfädler», sagte Deutschlands Cheftrainer Andy Puelacher.
Holdener: «Alle sind dafür, mehr Wasser zu haben»
Holdener will nicht klagen. Sie sagt aber deutlich: «Alle sind dafür, mehr Wasser zu haben. Das macht die Piste einfach besser, sie ist gleichmässiger und hält länger.» Dieser Meinung ist auch Deutschlands Slalom-Legende Felix Neureuther.
Fakt ist: Die Top-Slalomfahrerinnen müssen sich wie Chamäleons anpassen. Denn: Haben sie im ersten Lauf oft sehr gute Verhältnisse, müssen sie im zweiten oft mit einer Rumpelpiste klarkommen. Blick-Ski-Experte Bernhard Russi: «Wendy braucht Eis. Da ist sie deutlich stärker.» Ob sie dieses in Kranjska Gora erhält? Deutliche Minusgrade werden erwartet. Das muss aber nichts bedeuten.