«Das war der Tiefpunkt meines Lebens»
Ski-Allrounder blickt auf Leidenszeit zurück

Atle Lie McGrath hat in seiner Karriere schon Höhen und Tiefen erlebt. Nun spricht er in einem Podcast über die Zeit nach seiner schweren Verletzung, die seinen Aufstieg ausbremste.
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Atle Lie McGrath jubelt kurz vor Weihnachten über den Sieg in Alta Badia.
Foto: AFP

Darum gehts

  • Lie McGrath, 25, überwindet schwere Verletzung und feiert Comeback-Erfolg
  • Nach Kreuzbandriss kämpfte er monatelang körperlich und mental mit Rückschlägen
  • Neun Monate später wird McGrath in Alta Badia Sechster im Weltcup
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Ramona BieriRedaktorin Sport

Atle Lie McGrath ist erst 25 Jahre alt. Der Ski-Allrounder hat in seiner Karriere aber schon einiges erlebt. Vor fünf Jahren fährt er im Riesenslalom von Alta Badia (It) als Zweiter erstmals aufs Podest. «Es war grossartig, denn eigentlich dachte ich, dass ich das nie schaffen würde», blickt McGrath im FIS-Podcast «Alpine Pulse» zurück. Und verrät, dass er sich beim nächsten Rennen in Adelboden BE so viel Druck machte, weil «ich dachte, ich habe jetzt einen Podestplatz, ich muss jetzt jedes Wochenende einen herausfahren, um zu beweisen, dass ich kein One-Hit-Wonder bin».

Inzwischen hat McGrath längst bewiesen, dass er alles andere als ein One-Hit-Wonder ist. Im Slalom von Alta Badia feiert er seinen vierten Weltcupsieg, im Februar krönte er sich in dieser Disziplin zum Vize-Weltmeister. Und das, nachdem er an der Weltmeisterschaft 2023 in Courchevel (Fr) einen Tiefpunkt seiner Karriere erlebte.

Der aufstrebende Norweger stürzte im Super-G nach einem Verschneider fürchterlich. Obwohl er sich schnell wieder aufrappelte und sogar seine Stöcke wieder einsammelte, folgte wenig später die brutale Diagnose Kreuzbandriss. «Weil alles so schnell ging, weiss ich gar nicht mehr, wie es passiert ist», meint McGrath. «Ich kann mich aber daran erinnern, wie ich mit etwa 100 km/h in dieses Netz gekracht bin.» Dann habe er daran gedacht, dass seine Mutter vor dem Fernseher zuschaue und habe deswegen versucht, schnellstmöglich wieder aufzustehen.

«Ja, ich bin am Ende»

Doch als er danach aus der Bindung steigt, rutscht sein Knie aus der Position. «Ich spürte sofort, dass etwas nicht stimmt», so McGrath. Schon davor wurde der Norweger von Verletzungen ausgebremst, dieses Mal stoppte sie seinen Aufstieg. Für ihn ist deswegen klar: «Das war einer der grössten Rückschläge meiner Karriere. Da zu sitzen und zu wissen: ‹Ja, ich bin am Ende.› Das war wahrscheinlich der Tiefpunkt meines Lebens.»

McGrath lässt tief blicken. Er verrät, dass er in dieser Zeit alleine war. Er habe nicht nur physisch gekämpft. Auch mental sei das alles sehr, sehr hart gewesen. Trotzdem schaut er sich die Skirennen im Fernsehen an, sieht, wie seine Teamkollegen Siege feiern. «Vielleicht hätte ich nicht selbst gewonnen», meint McGrath. «Aber ich konnte die Momente nicht mit ihnen teilen. Und genau dieses Gefühl hat an mir genagt. Ich habe viele Monate damit gekämpft.»

Neun Monate nach dem Kreuzbandriss gibt McGrath sein Comeback. Im vierten Rennen fährt er erstmals wieder in die Top 10. Wieder in Alta Badia, da wird er Sechster. Italien scheint ihm zu liegen. Ob das auch bei Olympia so sein wird, wird sich zeigen.

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