Bleibt noch Zeit zum Feiern vor Olympia?
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Von Allmen nach Sieg in Crans:Bleibt noch Zeit zum Feiern vor Olympia?

Von Allmen, Rösti und Hiltbrand
Drei Nachbarn mischen den Abfahrtsweltcup auf

Franjo von Allmen, Lars Rösti und Livio Hiltbrand haben die Weltcup-Abfahrt in Crans-Montana geprägt. Dieses Trio ist im Bernbiet im Umkreis von 25 Kilometern gross geworden.
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Franjo von Allmen gerät auf der «Piste Nationale» in Crans-Montana nie in Turbulenzen.
Foto: Getty Images

Darum gehts

  • Simmentaler Skifahrer erzielen in Crans-Montana ihr bestes Weltcup-Team-Ergebnis
  • Franjo von Allmen gewinnt fünften Weltcup, Rösti und Hiltbrand überzeugen
  • Von Allmen sechs Zehntel schneller als Dominik Paris auf «Piste Nationale»
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Das im Berner Oberland gelegene Simmental war bis vor ein paar Jahren in erster Linie wegen seiner Fleckviehzucht bekannt. Deshalb wird die Gegend zwischen Wimmis und Lenk im Volksmund auch als «Munichrine» bezeichnet. Mittlerweile sind es die tierisch starken Abfahrer, welche diese Region noch berühmter machen.

In Crans-Montana verbuchen die Simmentaler dank Franjo von Allmen, Lars Rösti und Livio Hiltbrand ihr bestes Team-Ergebnis der Weltcup-Geschichte.

«Unglaublich geil!»

Der amtierende Abfahrts-Weltmeister von Allmen hat sich im Dezember nach seinem ersten Saisonsieg auf der Grödner Saslong kritische Worte von Olympiasieger Beat Feuz anhören müssen. «Franjo hat genau wie im letzten Winter bei diversen Sprüngen nur mit Glück einen Sturz verhindern können. Wenn er diesbezüglich nicht über die Bücher geht, wird das keinen weiteren Winter gut gehen.»

Im zweiten Sektor deklassiert von Allmen alle!
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Die ganze Fahrt im Video:Im zweiten Sektor deklassiert von Allmen alle!

Die «Piste Nationale» in Crans-Montana beinhaltet neun Sprünge. Zu viel für von Allmen? Im Gegenteil! Der gelernte Zimmermann gerät in der sechsten Abfahrt der laufenden Weltcup-Saison nie in Turbulenzen. Der 24-Jährige verbucht mit einer blitzsauberen Fahrt den fünften Weltcupsieg, während sich Superstar Marco Odermatt mit dem vierten Rang begnügen muss.

Bereits im Vorjahr hat der 100-Kilo-Brocken auf der Piste triumphiert, in der im kommenden Winter zum zweiten Mal nach 1987 die WM ausgetragen wird. Diesmal ist FvA sechs Zehntel schneller als Italiens Dominik Paris. Von Allmen: «Nachdem ich in den letzten Abfahrten fast immer mindestens einen groben Fehler gemacht habe, ist mir nun eine nahezu fehlerfreie Fahrt gelungen. Und das alles vor den tollen Schweizer Fans. Das ist unglaublich geil!»

Röstis Auferstehung

Von Allmen glaubt, dass sich seine Fans auch nach Crans-Montana bei den Sprüngen weniger grosse Sorgen machen müssen. «Ich habe aus meinen Fehlern gelernt und habe beim Springen einen Fortschritt erzielt.»

Einen grossen Schritt in die richtige Richtung macht im Unterwallis auch Lars Rösti, welcher in St. Stephan BE – knapp 16 Kilometer von Franjos Wohnort Boltigen BE – aufgewachsen ist. Mit dem sechsten Rang verbucht der gelernte Schreiner sein bestes Karriereergebnis.

Dabei war der 28-Jährige noch vor einer Woche in Kitzbühel komplett verunsichert. «Nachdem die Top-15-Ergebnisse in den ersten Rennen dieses Winters ausgeblieben sind, habe ich viel zu viel studiert und habe meinen Flow vom Vorjahr komplett verloren.» Bei der Hauptprobe für die nächste Weltmeisterschaft greift der Stöckli-Pilot aber von Beginn weg selbstbewusst an. «Ich habe gewusst, dass mir diese Piste liegt, weil wir in der Neujahrswoche hier trainiert haben. Da konnte ich mit den schnellsten Teamkollegen gut mithalten.»

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Rösti teilt sich im Ski-Zirkus regelmässig mit von Allmen ein Zimmer. «Es gibt ja andere Teamkollegen, die behaupten, dass Franjo derart laut schnarchen würde. Aber ich finde das nicht so schlimm, obwohl auch ich manchmal die Oropax in die Ohren stecken muss, wenn Franjo im Tiefschlaf so richtig in Fahrt kommt», verrät Rösti schmunzelnd.

Starkes Lebenszeichen von Hiltbrand

Livio Hiltbrand, der dritte Simmentaler im Schweizer Männer-Team, wohnt auf der Alpin-Tour meistens mit dem Zürcher Oberländer Alessio Miggiano zusammen. Der 23-jährige Miggiano, der trotz des fünften Rangs in Gröden nicht für die Olympischen Spiele in Mailand und Cortina nominiert wurde, glänzt in Crans-Montana mit dem achten Rang, während sich der 22-jährige Hiltbrand als 13. über seine erste Top-15-Klassierung im Weltcup freut.

Der gelernte Maurer aus Därstetten BE wird schon seit ein paar Jahren als grosses Talent gehandelt. Zweimal gewann er Gold bei der Junioren-WM. In der ersten Saisonhälfte ist Hiltbrand aber unter den Erwartungen geblieben. «Ich hatte eine Blockade im Kopf, und auch im Materialbereich hat nicht alles optimal zusammengepasst.» Doch jetzt blickt Hiltbrand genau wie seine beiden Simmentaler Kumpels optimistisch in die Zukunft.

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