Das Podest
1. Franjo von Allmen (Sz) 1:55,00
2. Dominik Paris (It) +0,65
3. Ryan Cochran-Siegle (USA) +0,70
Das Rennen
Als sich Marco Odermatt aus dem Starthäuschen katapultiert, liegt Dominik Paris in Führung. Mit ihm liefert sich der Nidwaldner ein Kopf-an-Kopf-Rennen – mit dem besseren Ende für den Italiener. Odermatt muss sich knapp geschlagen geben. Und kurz darauf um seinen Podestplatz zittern. Denn der Amerikaner Ryan Cochran-Siegle schiebt sich zwischen das Duo. Ob es für Odermatt trotzdem für die Top 3 reicht? Nein. Denn was folgt, ist eine Demonstration. Franjo von Allmen, der schon im letzten Winter die Abfahrt von Crans-Montana gewonnen hat, zeigt einen Fabellauf. Von oben bis unten liegt er klar vorne und setzt sich überlegen an die Spitze.
Schneller ist danach keiner mehr. Nach dem Sieg von Malorie Blanc am Samstag ist auch das Rennen der Männer fest in den Händen der Gastgeber. Nicht nur die Piste hat von Allmen im Griff – sondern auch den legendären Cuche-Flip, den er im Ziel zeigt. In der sechsten Abfahrt des Winters gibt es zum fünften Mal einen Schweizer Sieg. Für von Allmen ist es die Nummer 2. Der Weltmeister sorgt damit auch dafür, dass die Schweizer Serie ihre Fortsetzung findet. In nun saisonübergreifend 20 Abfahrten hintereinander stand immer mindestens ein Swiss-Ski-Athlet auf dem Podest.
Während sich von Allmen und das Schweizer Team von den Fans feiern lassen, kommts auf der Piste zu einem unschönen Zwischenfall. Henrik von Appen mit Startnummer 47 stürzt und muss mit dem Helikopter abtransportiert werden. Im Fernsehen ist nicht zu sehen, was genau passiert ist, nach einem Kameraschnitt liegt der Chilene im Schnee. Das Ganze sorgt für einen rund halbstündigen Unterbruch.
Die Schweizer
4. Marco Odermatt +0,79
6. Lars Rösti +0,90
8. Alessio Miggiano +0,93
10. Alexis Monney +1,06
13. Livio Hiltbrand +1,44
16. Niels Hintermann +1,54
16. Justin Murisier +1,54
25. Stefan Rogentin +1,90
36. Gaël Zulauf +2,51
Stand nach 47 Fahrern
Justin Murisier hat die Ehre, das Heimrennen zu eröffnen. Er zeigt eine solide Fahrt, ist im Ziel aber offenbar nicht zufrieden. Schon der nächste Fahrer ist schneller als er.
Oben handelt sich Alexis Monney einen grossen Rückstand ein. Doch je länger er unterwegs ist, desto schneller wird er. Am Ende sorgt er für die Schweizer Führung. Die hält allerdings nur kurz – schon vom nächsten Fahrer, dem Italiener Florian Schieder, wird er von der Spitze verdrängt.
Niels Hintermann legt einen starken Start hin, ist oben deutlich schneller als der zu dem Zeitpunkt in Führung liegende Dominik Paris. Aber durchziehen kann der Zürcher das nicht, er fällt unten raus noch etwas zurück.
Stefan Rogentin kommt nicht recht auf Touren. Im Vergleich mit Landsmann von Allmen büsst er beinahe zwei Sekunden ein.
Für die Olympischen Spiele hat Alessio Miggiano kein Ticket bekommen. Seine Reaktion auf die Enttäuschung? Stark. Unter der Woche gewinnt er die Europacup-Abfahrt in Verbier, nun fährt er im Weltcup zum zweiten Mal in die Top 10.
Die Saison von Lars Rösti ist schwierig. Sein Bestresultat: Rang 26. Nun zeigt er, dass ers doch kann. Er zeigt wie Miggiano mit hoher Nummer eine tolle Fahrt und prescht in die Top 10. Mit Platz 6 realisiert er gar sein Karrierebestresultat. Das war bisher ein 8. Platz.
Auch Livio Hiltbrand zeigt mit hoher Startnummer eine starke Fahrt. Er geht als 33. ins Rennen und prescht auf Platz 13 vor. Das ist sein bestes Resultat – bisher war das ein 17. Platz.
Oben legt Gaël Zulauf gut los, scheint auf dem Weg in Richtung Weltcuppunkte zu sein. Doch er kanns nicht durchziehen, büsst je länger je mehr Zeit ein. Und klassiert sich so ausserhalb der Top 30.
Die Stimmen gegenüber SRF
Marco Odermatt: «Es war eine solide, sichere und gute Fahrt. Da und dort konnte ich nicht die Linie halten – weil ich eben fein fahren wollte und nicht hart. Dort sind vielleicht die paar Hundertstel liegen geblieben. Ich bin sicher zufrieden. Der Grundspeed ist hier die grösste Challenge – den haben etwa von Allmen und Paris mit ihrem Gewicht. Wenns die technischen Abschnitte nicht gibt, ist es für mich ein bisschen schwieriger zu kompensieren. Die beiden sind schwer zu schlagen.»
Franjo von Allmen: «Die Erinnerungen an letztes Jahr sind schon ein bisschen mitgefahren. Am Start hatte ich einen grossen Flashback. Die Gefühle waren sehr stark. Ich hab schon während dem Fahren gemerkt, dass die Ski laufen, das funktioniert.»
Niels Hintermann: «Oben hatte ich den Speed definitiv, danach hab ich mich nicht mehr ganz so wohl gefühlt. Und unten raus konnte ich nicht mehr richtig ziehen. Alles hat sich ein bisschen tot angefühlt und ich weiss gerade nicht wieso. Ich muss sicher noch etwas über die Bücher.»
Alessio Miggiano: «Vor so einem Publikum ein gutes Resultat zu erzielen – das ist für mich bisher ein einmaliges Gefühl. Ich bin mega happy, habe ich mir selber eine Chance gegeben, ein gutes Resultat herauszufahren. Fürs ganze Schweizer Team ists ein unglaubliches Ergebnis.»
Das gab zu reden
1, 1, 2, 1, 2 – mit diesen Abfahrtsresultaten in diesem Winter ist Marco Odermatt nach Crans-Montana gereist. Nun muss er wieder einmal mit einem Platz neben dem Podest vorliebnehmen. Damit reisst auch eine eindrückliche Serie, die letzten Februar im Wallis begonnen hat. Saisonübergreifend ist Odermatt in der Königsdisziplin achtmal in Folge aufs Podest gefahren. Die Jagd auf den Rekord ist damit vorerst zu Ende. Diesen hält der Österreicher Franz Klammer (72), der einst zehnmal in Folge in die Top 3 gerast ist.
Das gab zu reden II
In Kitzbühel (Ö) setzte es für Österreichs Abfahrer eine historische Klatsche ab. Als bester klassierte sich Vincent Kriechmayr auf Platz 13 – so schlecht war das Ergebnis der Gastgeber auf der Streif noch nie. Der Teamleader hat daraus Konsequenzen gezogen. Und verzichtet auf das Rennen in Crans-Montana. Ebenfalls nicht am Start steht Adrian Smiseth Sejersted. Der Norweger hat sich bei einem Trainingssturz an der Schulter verletzt.
Die Bedingungen
Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und Temperaturen knapp unter null Grad – die Bedingungen für die Olympia-Hauptprobe könnten nicht besser sein.
So gehts weiter
In der nächsten Abfahrt gehts um Olympia-Gold. Die Medaillenjagd in Bormio (It) findet kommenden Samstag (11.30 Uhr) statt. Im Weltcup steigt die nächste Abfahrt erst am 28. Februar in Garmisch-Partenkirchen (De, 11.45 Uhr).