Darum gehts
- Marc Rochat (33) beendet Karriere nach langem Hin und Her in St. Moritz
- Sechs Knieoperationen und jahrelange Schmerzen ertrug Rochat während der Karriere
- Karriere-Highlight: Bronze 2025 bei der WM in Saalbach in der Team-Kombination
Der Gedanke ans Aufhören sei schon länger in ihm gewesen, sagt Marc Rochat (33) zwei Monate nach seinem Rücktritt an den Schweizer Meisterschaften. Und trotzdem sei der Entscheid bis zuletzt offengeblieben. «Ich habe schon seit mehreren Jahren gespürt, dass es körperlich und mental immer schwieriger wird. Es war ein Hin und Her.»
Genau das habe den Moment an der SM in St. Moritz so speziell gemacht. «Ich habe es bis zur letzten Sekunde nicht gewusst. Ich habe einfach auf mein Bauchgefühl gewartet», sagt der Slalom-Routinier.
Nur eine Person habe er eingeweiht: seine Frau Caroline (34). «Ich habe davor zu ihr gesagt: Vielleicht trete ich dort zurück – vielleicht auch nicht.» Als er dann tatsächlich den Rücktritt erklärte, sei es kein geplanter Schnitt gewesen, sondern ein Entscheid aus dem Moment heraus. «Mein Bauchgefühl hat einfach gesagt: Jetzt ist es Zeit. Darauf höre ich immer.»
Crans-Montana als grosses Ziel
Der grosse Traum hätte eigentlich noch vor ihm gelegen: die Heim-WM 2027 in Crans-Montana. «Das war immer ein riesiges Ziel von mir. Aber ich habe gemerkt, dass die Energie, die ich für eine weitere Saison hätte investieren müssen, einfach zu gross ist.»
Denn auf Rochat wären harte Zeiten zugekommen, auch finanziell. Als Ü30-Athlet mit fehlenden Resultaten letzten Winter (Rang 24 in Adelboden als Bestergebnis, nur ein weiteres Mal in zehn Slaloms für 2. Lauf qualifiziert) hätte er bei Swiss-Ski den Kaderstatus verloren.
Doch auch sein Körper habe irgendwann klare Grenzen gesetzt. Rochat spricht offen über die Schattenseite seiner Karriere. Sechsmal musste er sein Knie operieren. «Ich hatte seit acht Jahren keinen einzigen Tag ohne Schmerzen. Weder im Alltag noch im Rennen.» Manchmal seien es banale Dinge gewesen. «Am Morgen konnte ich kaum die Socken anziehen – und ein paar Stunden später musst du am Start stehen und funktionieren.»
Sportlich blieb ihm der ganz grosse Sieg verwehrt. Rochat kam in seiner Karriere nie zu einem Weltcup-Podest, erreichte elf Top-10-Plätze und wurde zweimal Vierter.
WM-Bronze als Highlight
Der emotionale Höhepunkt kam 2025 an der Weltmeisterschaft in Saalbach. Gemeinsam mit Stefan Rogentin (32) holte er Bronze in der Team-Kombination – und war damit Teil des historischen Schweizer Dreifachsiegs.
«Das war sicher der schönste Moment meiner Karriere. Diese Woche in Saalbach war unglaublich. Das gibt deiner ganzen Laufbahn einen Sinn.»
Heute sagt Rochat: Er sei im Reinen mit allem. Auch damit, dass er nie ganz oben stand. «Ich habe alles erlebt, was ich erleben wollte. Ich würde nichts anders machen.» Und genau deshalb sei der Rücktritt jetzt der richtige Schritt gewesen. «Ich muss niemandem mehr etwas beweisen, nicht einmal mir selbst. Ich hatte eine wunderschöne Karriere, und darauf bin ich stolz.»