Darum gehts
Die Olympia-Outfits sind an die Delegation verteilt, die Vorfreude auf Olympia in Mailand/Cortina steigt – doch hinter den Kulissen sorgt ein Thema weiter für Diskussionen: die Vergabe der Startplätze.
Am Material- und Abgabetag der Athleten trifft Blick bei Ochsner Sport in Dietikon ZH auf Riesenslalom-Spezialist Thomas Tumler (35). Und der spricht kritisch über ein System, das selbst Top-Nationen an ihre Grenzen bringt.
Für Tumler persönlich verlief der Selektionsprozess ruhig. «Für mich war es völlig okay», sagt der Bündner. Er hatte die nötigen Ergebnisse schon vor Weihnachten in Nordamerika eingefahren. Dass Swiss-Ski mit der Entscheidung bis nach dem Kitzbühel-Wochenende wartete, hält er für richtig: «Ich finde es fair. Abfahrts- und Technikrennen wurden verhältnismässig gleich behandelt.»
Luxusproblem Schweiz – Frust im Ausland
Die Schweiz konnte elf Männer-Startplätze besetzen, was aber angesichts der Nicht-Selektion zum Beispiel von Talent Alessio Miggiano nicht ausreichte. Die Realität bei anderen Nationen sieht allerdings noch deutlich härter aus. Frankreich darf nur sieben Männer entsenden – mit drastischen Folgen: Etablierte Weltcupgrössen wie Alexis Pinturault (34) oder Victor Muffat-Jeandet (36) bleiben trotz Weltklasse-Niveau zu Hause.
Tumler spricht von einem Schweizer Sonderfall: «Das ist eigentlich ein Glücksfall bei uns. Ein Luxusproblem.» Gleichzeitig räumt er ein: «Es ist schade, dass Athleten nicht dabei sein dürfen. Die Konkurrenz war extrem gross.»
Besonders kritisch sieht Tumler die internationale Verteilung der Quotenplätze. «Wir haben kürzlich darüber diskutiert, dass die Franzosen nur einen Riesenslalomfahrer schicken dürfen», sagt er. «Es gibt potenzielle Medaillenkandidaten, die nicht teilnehmen dürfen. Das ist sicher problematisch.»
«Das Verhältnis passt nicht ganz»
Tumler wünscht sich ein Umdenken, vor allem zugunsten der sportlichen Qualität. «Ich würde es eigentlich öffnen», sagt er klar. Sein Vorschlag: «Die Top 30 der Welt sollten die Chance haben, an Olympia teilzunehmen.» Nationale Quoten müssten gemäss dem Bündner weniger strikt sein.
Ein Beispiel bringt das Dilemma auf den Punkt: «Ich finde es schade, wenn Brasilien zum Beispiel drei Starter stellen darf und eine so starke Nation wie Frankreich nur sieben oder acht Athleten schicken kann», sagt Tumler. «Das Verhältnis passt dort nicht ganz. Man könnte sicher etwas anpassen.»
Die Diskussion ist lanciert, auch international gibts Kritik an den Nationen-Quoten. Und sie wird lauter, je näher Olympia rückt.