Darum gehts
- Marco Odermatt gewinnt in Courchevel die fünfte grosse Kristallkugel
- Odermatt hat damit 2026 bereits neun Weltcupsiege und zwei Kristallkugeln geholt
Girardelli lobt Odermatt als konstant und vergleicht ihn mit Stenmark
Auf einer Stufe mit König Ingemar Stenmark (69) – so klassiert der grosse Marc Girardelli den Nidwaldner Marco Odermatt nach der Abfahrt in Courchevel! Mit dem dritten Rang hinter Vincent Kriechmayr (34), der Österreich den ersten Abfahrtssieg seit drei Jahren beschert, und dem Italiener Giovanni Franzoni sichert sich der 28-Jährige zum dritten Mal in Serie die kleine Abfahrtskugel. Noch wichtiger: Odermatt gewinnt zum fünften Mal in Folge den grossen Kristall für den Triumph im Gesamtweltcup. Einzig der Holland-Österreicher Marcel Hirscher hat diese Wertung noch öfter gewonnen (8). Ebenfalls fünfmal hat auch der in Vorarlberg aufgewachsene Luxemburger Girardelli die grosse Kugel gewonnen.
«Das ist sensationell!»
Der mittlerweile 62-Jährige denkt beim Thema Odermatt ganz anders als sein italienischer Kumpel Alberto Tomba (59, 50 Weltcupsiege). Zur Erinnerung: «La Bomba» hat im Dezember einen Vorbehalt gegen die Erfolge des vierfachen Schweizer Sportler des Jahres geäussert. «Mit Cyprien Sarrazin und Aleksander Aamodt Kilde haben sich die stärksten Rivalen von Odermatt durch schwere Stürze selbst eliminiert!»
Girardelli schüttelt den Kopf, wenn er mit Tombas Aussage konfrontiert wird. «Grundsätzlich mag ich ja Alberto sehr, aber er hat dieselbe Schwäche wie der Zürcher Abfahrtskönig Peter Müller. Beide spielen die Leistungen der anderen immer herunter, während sie ihre eigenen Leistungen zu sehr hochspielen. Fakt ist: Odermatt hat auch in den Jahren sehr viel gewonnen, in denen Kilde und Sarrazin in Topform waren.»
Girardelli nimmt nun richtig Fahrt auf: «Tomba hat in seiner Karriere ein einziges Mal in einem Winter mehr als 10 Siege eingefahren, während Odermatt schon zweimal 13 Saisonsiege geschafft hat. In der laufenden Saison hat er auch schon wieder 9 Triumphe gefeiert. Diese Konstanz ist sensationell!»
«Ich sehe keinen, der ihm gefährlich werden könnte»
Girardelli ist aber nicht nur ein grosser Fan des Rennfahrers Odermatt, er ist auch begeistert vom Menschen Marco: «Er ist der Einzige in seiner Liga, der ein normaler Kerl ist. Tomba war ein Exzentriker, Stenmark ein Autist. Und wenn ich Hermann Maier oder Marcel Hirscher nach einem Rennen ansprechen wollte, war das nicht möglich. Bei Marco ist das aber kein Problem. Er ist von seiner Mama Priska und von Papa Walti hervorragend erzogen worden.»
Zurück zum Sport: Kann Odermatt den Gesamtweltcuprekord von Hirscher eines Tages brechen? Girardelli nickt: «Ich sehe weit und breit keinen, der Marco in den nächsten Jahren im Kampf um die grosse Kugel gefährlich werden kann. Klar: Die Kräfte werden auch bei ihm mit jedem Jahr ein bisschen weniger werden. Aber mit seiner Klasse wird er den Gesamtweltcup im kommenden Winter auch dann gewinnen, wenn er das eine oder andere Rennen auslassen wird.»
«Ich war selten so müde»
Selbstverständlich ist es Marco Odermatt höchst persönlich, der nach diesem geschichtsträchtigen Wettkampf das letzte Wort hat: «Diese Abfahrt in Courchevel war eines der schwierigsten Rennen des ganzen Winters. Aufgrund der unterschiedlichen Verhältnisse auf dieser Piste war es eine besonders grosse Challenge, das richtige Set-up zu finden – oben war der Schnee sehr kalt, unten war es reiner Frühlingsschnee. Ich war im Ziel selten so müde wie nach dieser Abfahrt. Umso schöner, dass diese enorme Anstrengung mit zwei Kugeln belohnt wird.»