«Irgendwann wird es mühsam»
Schon wieder Vierte – das reicht Rast nicht mehr

Im Riesenslalom-Weltcup macht Camille Rast (4.) viel Boden auf die Österreicherin Julia Scheib (Ausfall) gut. Aber verpasst sie in Spindermühle (Tsch) nicht auch eine Chance?
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Gut, aber nicht gut genug fürs Podest: Camille Rast. Sie wird Vierte. Aufs Podest fehlt nur ganz wenig.
Foto: Getty Images

Darum gehts

  • Camille Rast wird im Spindermühle-Riesenslalom Vierte
  • Trotz Erkältung und neuem Ski bleibt sie im Kugelrennen ambitioniert
  • Nur 33 Hundertstel fehlen ihr auf Siegerin Sara Hector (33, Schweden)
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Mathias GermannReporter Sport

Kaum sind Camille Rasts Hüftprobleme im Griff, erwischt sie eine Erkältung. «Im unteren Teil waren die Beine schwer», sagt sie nach dem ersten Lauf beim SRF. Die Walliserin schleppt die Symptome seit fast zwei Wochen mit sich herum – und fährt dennoch stark. In Spindlermühle (Tsch) wird sie Vierte.

Zufrieden ist sie nicht. Vierte? Das war sie in diesem Winter jetzt schon viermal. «Irgendwann wird es mühsam.» Immerhin: Weil Riesenslalom-Dominatorin Julia Scheib (27, Ö) ausscheidet, rückt Rast im Kampf um die Kristallkugel bis auf 89 Punkte heran. Doch auch das genügt ihr nicht. «Vierte ist nicht gut genug.» Ihre Ansprüche sind hoch. Rast weiss: Es bleiben nur noch zwei Riesenslaloms – beide nach Olympia. Der Gedanke an einen vergebenen Elfmeter drängt sich auf.

Rückblick: Nach Rang zwei im ersten Lauf liebäugelt Rast mit dem Sieg. Zwei Hundertstel fehlen. Am Ende reicht es nicht, auf Siegerin Sara Hector (33, Swe) fehlen 33 Hundertstel. «Ich habe zu viele Fehler gemacht, war zu sehr am Limit, der Innenski stand nicht immer richtig», sagt Rast. Einmal rutscht sie weg – ein Moment des Schreckens. Doch sie bleibt ruhig und im Rennen.

SRF-Experte Didier Plaschy lobt ihre Haltung: «Camilles Reaktion zeigt, wie ambitioniert sie ist. Andere würden einen vierten Platz nehmen – sie nicht. Der Kampf um die Kugel ist offen. Camille ist näher dran. Wir dürfen uns auf einen Showdown freuen.»

«Der Setup-Poker ging nicht auf»

Der Riesenslalom von Spindlermühle bleibt unspektakulär. Viele Fans sind da, auch Slowaken, die auf die Rückkehr von Olympiasiegerin Petra Vlhova (30, Svk) hoffen. Die Piste fällt kerzengerade ab, rechts und links Wald. Den Kurssetzern bleibt kein Spielraum: rechts, links, zurück. Im ersten Lauf etwas extremer, im zweiten zahmer. Übergänge? Doppeltore? Fehlanzeige.

Hector stört das nicht. Nach drei Anläufen bringt sie erstmals eine Halbzeitführung ins Ziel. «Endlich habe ich es geschafft», sagt sie – und beweist, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehört.

Zurück zu Rast. Erkältung und Fehler erklären nicht alles. «Ich habe einen neuen Ski getestet, hatte aber nicht ganz das gewünschte Gefühl», so die Head-Fahrerin. «Der Setup-Poker ging nicht auf.» Möglich, dass der Test bereits auf Olympia zielte. Dort wird Rast wohl nicht nur im Slalom, sondern auch im Riesenslalom um eine Medaille fahren. Mehr noch: um Gold. Vor dem Winter hätte das kaum jemand erwartet.

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