So anstrengend ist die längste Weltcup-Abfahrt
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Ski-Fans machen den Test:So anstrengend ist die längste Weltcup-Abfahrt

Von Allmen gibt vor Lauberhorn-Abfahrt zu
«Beat Feuz hat mit seiner Kritik an mir völlig recht»

Beat Feuz (38) ist neben Marco Odermatt (28) und Franz Klammer (72) Rekord-Abfahrtssieger am Lauberhorn (2012, 2018 und 2020). In diese Sphären will auch Abfahrts-Weltmeister Franjo von Allmen (24). Blick hat Feuz und von Allmen zum Klartext im Doppel-Interview gebeten.
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Blick hat Beat Feuz (l.) und Franjo von Allmen zum Doppel-Interview getroffen.
Foto: BENJAMIN SOLAND

Blick: Seid Ihr euch bewusst, dass Feuz und von Allmen im Berner Oberland seit Jahrzehnten als Witzfiguren gehandelt werden?
Beat Feuz: Ja, die Feuz- und Von-Allmen-Witze sind Kult!
Franjo von Allmen: Mir kommt einer dieser Witze in den Sinn: Fragt der eine den anderen: «Kennst du von Allmen?» «Nein!» «Kennst du vielleicht den Feuz?» «Nein, da kenne ich von Allmen besser!»

Franjo, weniger lustig war das, was Beat nach ihrem Abfahrtssieg in Val Gardena gesagt hat. Haben Sie das mitbekommen?
Von Allmen: Ja, er hat mich wegen meiner Springweise kritisiert.
Feuz: Es waren in den letzten Jahren einige Sprünge dabei, bei denen Franjo nur mit Glück einen schweren Sturz verhindern konnte. In Gröden hat es erneut einen sehr brenzligen Moment gegeben. Wenn er da nicht über die Bücher geht, wird das nicht noch einmal einen ganzen Winter lang gut gehen.
Von Allmen: (schmunzelt) Aus diesem Grund habe ich mir über Weihnachten zu Hause eine Schanze gebaut, wo ich ein paar Backflips gemacht habe. Im Ernst: Beat hat absolut recht, ich habe bei einigen Sprüngen zu viel riskiert. Das muss sich ändern.

Im letzten Jahr haben Sie in Wengen im Super-G ihren ersten Weltcupsieg gefeiert, drei Wochen später wurden Sie in Saalbach Abfahrts-Weltmeister. Welcher Triumph war emotionaler?
Von Allmen: Ich stufe meinen Lauberhorn-Sieg mindestens so hoch ein wie den WM-Titel. Wenn du so viele Bekannte auf der Tribüne kennst, ist das schon sehr speziell. Nach diesem Rennen hat es Leute aus meinem Wohnort in Boltigen gegeben, die extra nach Wengen gefahren sind, damit sie bei der Siegerehrung dabei sein konnten. Das ist schon sehr cool.
Feuz: Auch ich habe in meiner Aktivzeit bei keinem anderen Rennen so viele Leute gekannt wie in Wengen. Der Mann, der im Startbereich für die Einlasskontrolle zuständig ist, stammt aus meiner Heimatgemeinde Schangnau. Und der Mann, der hier seit vielen Jahren für die Übergabe der Startnummern zuständig ist, heisst Feuz. Zudem sind immer viele Kollegen von mir zu den Lauberhornrennen angereist. 

Beinhaltet ein solches Heimrennen nicht auch eine besonders grosse Ablenkungsgefahr?
Von Allmen: Ja, das stimmt. Vor der Einfahrpiste stehen zehn JO-Kinder mit ihrem Trainer, der in meiner Jugendzeit auch mir geholfen hat. Diese Kinder wünschen sich, dass ich mit ihnen ein Selfie mache, aber eigentlich müsste ich mich fürs Rennen ordentlich einfahren. Solche Situationen sind nicht einfach für mich. Aber zum Glück haben die meisten Leute Verständnis dafür, wenn man ihnen erst nach dem Rennen für Selfies und Autogramme zur Verfügung steht.
Feuz: Die Rennwoche in Wengen stellt schon eine besondere Herausforderung dar. Es beginnt damit, dass jeder Rennfahrer zusammen mit Fans und Touristen auf dem Weg zum Start in den Zug steigen muss. Wenn das bei jedem Rennen so wäre, wäre das ganz sicher mühsam. Aber einmal im Winter nimmt man das in dieser traumhaften Alpenwelt gerne in Kauf.

Beat Feuz, Sie haben in ihrer glorreichen Abfahrtslaufbahn dreimal am Lauberhorn und dreimal auf der Kitzbüheler Streif triumphiert. Welcher Hattrick bedeutet Ihnen mehr?
Feuz: Damit jeder dieser beiden grossartigen Abfahrts-Klassiker etwas davon hat, sage ich es so: Ein Sieg am Lauberhorn ist das Schönste, ein Triumph in Kitzbühel das Grösste!

Zwischen Beat Feuz und Franjo von Allmen verlaufen auch abseits vom Lauberhorn viele Parallelen. Sie beide stammen aus kleinen Bauerndörfern im Bernbiet, beide sind mit Head-Ski unterwegs, Franjo hat von Beat den Südtiroler Servicemann Sepp Kuppelwieser «geerbt». Und beide haben einen handwerklichen Beruf erlernt. War für sie der Besuch an einer Sportschule nie ein Thema?
Von Allmen: Es ist schon möglich, dass meine Eltern Briefe von einer Sportschule erhalten haben. Aber für mich war es gar nie im Interesse, eine solche Schule zu besuchen. Keine Frage, diese Sportschulen sind sicher eine super Sache, aber für mich war von Anfang an klar, dass ich etwas Handwerkliches machen möchte. Letztendlich habe ich Zimmermann gelernt.
Feuz: Für mich war die Maurerlehre eine super Lebenschule. Auf dem Bau habe ich mich abgehärtet für den Skirennsport.

Stimmt es, dass Sie sich in ihrer Ausbildung einmal eingemauert haben?
Feuz: Ja, das war so: Ich musste ein Badezimmer mauern und da kommt rundherum logischerweise eine Mauer. Das Wort «Rundherum» habe ich dann aber wörtlich genommen. Nach einem halben Meter habe ich festgestellt, dass man ja irgendwo auch noch reinkommen muss.

Welches Bauwerk ist Franjo von Allmen in besonderer Erinnerung geblieben?
Von Allmen: Als Zimmermann sind sicher die Projekte speziell, wo du von Anfang bis Ende dabei bist und am Schluss das Endprodukt siehst.

Im Saanenland, wo Sie während ihrer Ausbildung regelmässig im Einsatz waren, haben Sie wohl auch das eine oder andere «Bonzen-Chalet» gesehen oder?
Von Allmen: Ja, es war schon interessant, was man da manchmal für Sachen gesehen hat. Zum Teil gab es da Tiefgaragen, die bei uns als Wohnzimmer gedient hätten.

Sie sind beide in einem bäuerlichen Umfeld aufgewachsen. Haben sie gerne im Stall gearbeitet?
Feuz: Nein, der Stall hat mich nicht so interessiert. Eher noch Heuen und solche Sachen.
Von Allmen: Da kann ich mich Beat anschliessen. Bis zu meinem zwölften Lebensjahr hatten wir zu Hause Kühe. Ich war auch nicht derjenige, der unbedingt einen Bauernhof übernehmen wollte. Als Bub durfte ich halt auch noch nicht mit den Maschinen arbeiten. Es hat mich ziemlich «angeschissen», wenn ich von Hand mit dem Rechen arbeiten musste. Aber im Nachhinein darf ich festhalten, dass mir das ganz sicher nicht geschadet hat.

Sie leben auch als Lauberhornsieger und Abfahrts-Weltmeister zusammen mit ihrem Bruder in einer bescheidenen WG in Boltigen. Hängen Sie sehr an Ihrer Heimatgemeinde?
Von Allmen: Ja, ziemlich fest. Es ist meine Heimat und es ist für mich auch so ein bisschen ein Rückzugsort. Boltigen ist auch nicht so ab vom Schuss, wie viele glauben. Viele sagen zwar, es sei ein Loch, aber für mich passt es hier perfekt. Boltigen und der Jaunpass, wo ich das Skifahren gelernt habe, sind in Wahrheit wunderschön.

Beat Feuz, Sie leben mit ihrer Familie schon seit einigen Jahren in Oberperfuss, unweit von Innsbruck. Könnten Sie sich vorstellen, eines Tages wieder in Schangnau zu leben?
Feuz: Ich glaube, es ist gut so, wie es jetzt ist. Wir haben in Schangnau unser Feriendomizil und wenn wir kommen, sind immer noch die gleichen Leute dort. Es sieht auch immer jeder gleich aus. Also der, der in meiner Jugend schon alt war, wohnt immer noch am gleichen Ort und sieht immer noch alt aus.

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