Darum gehts
- Marco Odermatt führt vor dem Riesenslalom in Hafjell mit 48 Punkten
- Wettkampf auf Frühlingsschnee könnte Braathen einen Vorteil verschaffen
- Loïc Meillard hat theoretische Chancen: 89 Punkte Rückstand auf Odermatt
Die Ausgangslage
Odermatt liegt vor dem finalen Riesenslalom in Hafjell (Norwegen) 48 Punkte vor Braathen. Das heisst im Klartext: Wenn der in Norwegen gross gewordene Brasilianer in seiner alten Heimat triumphieren sollte, muss der Nidwaldner für den Gewinn der kleinen Riesenslalom-Kugel mindestens Dritter werden.
Die Piste
Ein richtiges Steilstück beinhaltet die Olympiastrecke von 1994 nicht. Aber es gibt einige tückische Kuppen. Als Braathen noch ein Mitglied von Norwegens Ski-Team war, hat er hier regelmässig trainiert. Aber als im Vorjahr in Hafjell erstmals seit 22 Jahren ein Weltcup-Riesenslalom ausgetragen wurde, war Odermatt als Zweitplatzierter vier Zehntel schneller als Braathen (vierter Schlussrang).
Die Bedingungen
Odermatts Erfolgstrainer Helmut Krug hatte vor der Abreise nach Norwegen einen Wunsch: «Ich hoffe, dass wir dort oben keinen Frühlingsschnee vorfinden werden. Mit seinem Sieg beim letzten Riesenslalom in Kranjska Gora hat Braathen gezeigt, dass er auf Frühlingsschnee einen Vorteil hat.» Beim Super-G in Kvitfjell, wo Odermatt als 19. ausserhalb der Punkteränge gelandet ist, war die Piste aber sehr weich. Und weil Hafjell lediglich eine halbe Autostunde von Kvitfjell entfernt liegt, dürfte der Krimi um die Riesenslalom-Kugel entgegen den Wünschen von Coach Krug auf Frühlingsschnee ausgetragen werden.
Die Odermatt-Braathen-Beziehung
Odermatt wurde in Kranjska Gora auf das Verhältnis mit Braathen abseits der Piste angesprochen. Die Antwort: «Sehr respektvoll. Aber wir würden nie zusammen in die Ferien fahren.»
Die lustigste Episode
Nachdem Braathen im Februar den Olympia-Riesenslalom vor Odermatt gewonnen hatte, haben sich die beiden vor der Siegerehrung zusammen mit Bronze-Gewinner Loïc Meillard in einem Raum aufgehalten. Hier spielte sich eine witzige Szene ab. Odermatt liefert die Pointe: «Ich habe vor dem Gang zum Podest zu Braathen gesagt, dass er sich noch etwas Make-up ins Gesicht schmieren sollte. Selbstverständlich habe ich das als Witz gemeint. Er hat meine Aussage aber ernst genommen, auf jeden Fall hat Lucas tatsächlich zur Make-up-Dose gegriffen.»
Der Odermatt-Freund im Braathen-Clan
Der ehemalige Speer-und Diskuswerfer Kurt Kothbauer hat zwischen 2016 und 2024 aus dem einst eher hageren Odermatt einen Modellathleten geformt. Doch dann hat der gebürtige Oberösterreicher seinen Job als Athletiktrainer bei Swiss-Ski gekündigt. Begründung: «Ich habe aus meiner Sicht das Optimum aus Marco herausgeholt. Ich wüsste nicht, wie ich ihn noch besser machen soll. Und deshalb braucht Marco neue Inputs von einem anderen Trainer. Und ich werde einen Athleten suchen, den ich auch wirklich besser machen kann.» Pikant: Seit zwei Jahren ist Kothbauer der Kondi-Trainer von Braathen. Odermatt verbindet mit Kothbauer aber nach wie vor ein freundschaftliches Verhältnis.
Der krasse Aussenseiter
Neben Odermatt und Braathen gibt es noch einen dritten Olympiasieger, welcher zumindest theoretische Chancen auf den Gewinn der Riesenslalomkugel hat. Die Rede ist von Loïc Meillard. Der Walliser liegt 89 Punkte hinter seinem Landsmann und 41 Zähler hinter Braathen. Wenn sich Odermatt nicht in den Top 15 klassieren sollte und Braathen neben dem Podest landen würde, könnte Meillard mit einem Sieg die Kugel holen. Und dass er sich in Hafjell besonders wohlfühlt, hat Meillard im letzten Weltcup-Winter bewiesen, als er auf dieser Piste innerhalb von 24 Stunden im Riesenslalom und im Slalom triumphierte.