Darum gehts
- Marco Odermatt wird im Super-G von Kvitfjell nur 19.
- Experten vermuten Müdigkeit und schwierige Bedingungen als Hauptgründe für die Niederlage
- Odermatt liegt vor dem Riesenslalom-Finale mit 48 Punkten in Führung
Kvitfjell ist der einzige klassische Weltcup-Ort, wo Superstar Marco Odermatt (28) noch nie gewonnen hat. Und der Triumph muss weiter warten.
In Norwegens Alpin-Mekka liefert der Nidwaldner im finalen Super-G des Olympia-Winters das schlechteste Ergebnis in dieser Disziplin seit dem 6. März 2022 ab. Damals fuhr der Stöckli-Pilot ebenfalls in Kvitfjell auf den 28. Rang. Diesmal wurde es für den fünffachen Gesamtweltcupsieger der 19. Platz.
Einem ganz grossen Drama kommt dieses Ergebnis zwar nicht gleich, schliesslich hatte Odermatt die kleine Kristallkugel für den Sieg in der Super-G-Gesamtwertung bereits vor diesem Rennen auf sicher. Aber natürlich ist die Stimmung des Mannes mit 54 Einzelweltcupsiegen nach diesem Resultat auf der Olympiapiste von 1994 getrübt.
«Das ist kein cooler Abschluss», betont Marco Odermatt nach dem Rennen und beginnt umgehend mit der Ursachenforschung: «Das hatte ich so noch nie erlebt: Bei der Besichtigung haben mir die Lust und die Motivation gefehlt. Als ich dann am Start stand, wollte ich liefern. Aber irgendwie hat es nicht funktioniert.»
Die Analysen der Altmeister
Stellt sich die Frage, ob das Material nicht optimal auf den salzigen Schnee angepasst war. «In diesem Rennen wäre ich sehr wahrscheinlich auch mit dem allerbesten Set-up scheisse gefahren», redet Odermatt Klartext.
Blick spricht nach diesem geschichtsträchtigen Wettkampf, in dem Dominik Paris (36, It) 24 Stunden nach seinem Abfahrtstriumph vor den Österreichern Vincent Kriechmayr (34) und Raphael Haaser (28) das Kvitfjell-Double schaffte, mit einigen grossen Super-G-Champions. Worauf führen die Altmeister dieser Sparte diesen Ausrutscher des amtierenden Weltmeisters zurück?
Der Südtiroler Christof Innerhofer war 2011 Super-G-Weltmeister. In Kvitfjell klassierte sich der mittlerweile 41-Jährige als 18. unmittelbar vor Odermatt. «Als Marco mit der Startnummer 15 gestartet ist, war es ziemlich windig. Er hatte keine guten Bedingungen», hält Innerhofer fest.
Der Austria-Luxemburger Marc Girardelli hat 9 seiner insgesamt 46 Weltcupsiege im Super-G eingefahren. Der 62-Jährige glaubt, «dass auch der Ausnahme-Athlet Odermatt nach dieser langen Saison müde ist. Zudem bin ich mir sicher, dass er vor dem abschliessenden Duell gegen Lucas Pinheiro Braathen um die Riesenslalom-Kugel in diesem Super-G nicht mehr das letzte Risiko eingehen wollte.»
Odermatt mit sensibler Abstimmung
Girardellis einstiger Erzrivale Pirmin Zurbriggen (63) hat zwischen 1986 und 1990 viermal die Super-G-Kugel gewonnen. Die Analyse des Wallisers zum jüngsten Odermatt-Auftritt fällt so aus: «Ich weiss, dass die Materialabstimmung von Marco besonders sensibel ist. Das funktioniert super, solange er die volle Leistungsfähigkeit hat. Aber sobald er etwas müde ist, ist dieses System auch fehleranfälliger.»
Wäre es deshalb besser gewesen, wenn er im Hinblick auf den Riesen-Krimi am Dienstag (Odermatt liegt vor dem letzten Rennen 48 Punkte vor Braathen) auf den Super-G-Start verzichtet hätte? «Nein», sagt Deutschlands Skipapst Felix Neureuther (41, 13 Weltcupsiege). «Als Skirennfahrer trainierst du den ganzen Sommer besonders hart, damit du möglichst viele Wettkämpfe bestreiten kannst. Und ich glaube, dass Marco vor der Entscheidung im Riesenslalom diese Super-G-Niederlage gar nicht schadet. Es könnte ihn für den Dienstag zusätzlich anstacheln.»