«Das Skifahren war da. Aber am Ende bringt das nichts», sagt ein enttäuschter Loïc Meillard (29) ins SRF-Mikrofon. 24 Stunden nach dem Sieg im Riesenslalom gibts im Nachtslalom von Schladming (Ö) keinen weiteren Podestplatz für ihn. Zur Halbzeit noch Dritter, scheidet er im zweiten Lauf aus.
Dabei legte er stark los. «Ich war zu spät und zu direkt in der Spur, das ging nicht gut», fasst es Meillard zusammen. Nun werde er sehen, wie sehr dieses Resultat an seinem Selbstvertrauen nage. «Ein Ausscheiden tut immer weh.» Im Fokus steht nun die Erholung im Hinblick auf Olympia.
Nach dem Out des Weltmeisters ist Tanguy Nef (29) als Neunter der beste Schweizer. Für ihn wäre mehr drin gelegen. Er war sackstark unterwegs gewesen, bis er wegen eines Fehlers beinahe stillstand und somit die Aufholjagd verlor. «Der Fehler nervt mich noch ein Jahr», meint er gegenüber SRF. Daneben fuhren auch Daniel Yule (32) und Ramon Zenhäusern (33) als 17. und 20. in die Punkte. Die anderen Schweizer konnten nicht mithalten. Marc Rochat (33) und Joel Lütolf (25) handelten sich einen zu grossen Rückstand ein, Matthias Iten (26) und Sandro Simonet (30) schieden im ersten Lauf aus.
Norweger weint und poltert
Als grosser Sieger jubelt Henrik Kristoffersen (31). Zum fünften Mal gewinnt er den Nachtslalom und ist nun Rekordsieger auf der Planai. Der Norweger zeigt ungewohnt viele Emotionen, umarmt jeden, der ihm in die Nähe kommt. Und kann sich ein paar Tränchen nicht verkneifen. «Das bedeutet mir sehr viel», meinte er bei SRF – ehe er erneut poltert. Nach dem Riesenslalom hatte er sich schon beklagt, weil die Piste so glatt war, und es als «völlig lächerlich» bezeichnet.
Aber auch bei einem Triumph kann er sich nicht zurückhalten. Er findet klare Worte: «Bei solchen Bedingungen sollten wir keine Rennen fahren.» Die Planai ist eisig und pickelhart. «Das ist nicht Skifahren, sondern Eishockeyspielen», denn Ski seien für Schnee gemacht und nicht für Eis. Wieso er selbst im Jubel motzt? Kristoffersen begründet es damit, dass er eben nicht nur bei einem schlechten Resultat etwas sage, sondern immer, wenn es so ist.
Pisten präparieren nach Karriereende?
Darauf angesprochen, ob er nach seiner Karriere mithelfen wolle, die Pisten zu präparieren, meint er mit einem schelmischen Grinsen: «Mal sehen, ob die FIS genug Geld hat, um genug zu zahlen.» Er habe in den vielen Jahren seine Meinung gesagt, mehr könne er im Moment nicht tun.
Seinen Planai-Rekordsieg feiert er vor Landsmann Atle Lie McGrath (25) und dem Franzosen Clément Noël (28). Für Kristoffersen ist es der 26. Slalomsieg seiner Karriere. Damit hat er nun gleich viele Siege auf dem Konto, wie das Schweizer Männer-Team in all den Jahren insgesamt eingefahren hat.