Witwe von Ex-Schwing-Boss Strebel (†49) besucht das Kilchberger
«Die Tränen holen mich jeden Tag ein»

Am Samstag vor vier Monaten ist der ehemalige Schwingerboss Stefan Strebel mitten aus dem Leben gerissen worden. In Kilchberg ist seine Frau Fabienne erstmals wieder auf einem Schwingplatz.
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Der langjährige Schwing-Boss Stefan Strebel ist vor vier Monaten unerwartet gestorben.
Foto: keystone-sda.ch
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Felix BingesserReporter Sport

Der Schock in der Schwinger-Szene ist gross, als Anfang Mai die Nachricht vom plötzlichen Tod von Stefan Strebel die Runde macht. Strebel, dieser Fels in der Brandung, dieser unerschütterliche Optimist, dieser Macher, der zeitlebens kräftig zugepackt hat. Jetzt erliegt er im Alter von 49 Jahren einem plötzlichen Herzversagen.

«Che Guevara des Schwingsports»

Der Schwingsport hat einen Querdenker verloren. Einen, der auch unbequem sein konnte, der vieles hinterfragt hat und Neuerungen gegenüber offen war. In einer Szene, die helvetische Bescheidenheit und Zurückhaltung geradezu zelebriert, war Stefan Strebel mit seiner Offenheit und Spontanität und seinem zuweilen auch forschen Auftreten ein «kleiner Che Guevara» des Schwingsports. Das hat ihm nicht nur Sympathien eingebracht, sondern ist beim einen oder anderen Traditionalisten nicht nur mit Applaus bedacht worden. 

Aber Strebel ist seinen Weg gegangen und hat für den Schwingsport gelebt. Er hat sich grosse Verdienste erworben und war mit seiner offenen und zugänglichen Art ein toller Botschafter für den Nationalsport. Mit seinen mutigen Einteilungen bei den Grossanlässen hat er jeweils für Spektakel gesorgt.

Strebel hat sich nie geschont

Weil sich Strebel nicht auf eine Kampfwahl um das Amt des Verbandsobmanns einlassen wollte, hat er nach einer grossen Aktivkarriere mit drei Eidgenössischen Kränzen und einer langen Funktionärskarriere sein Engagement im Scheinwerferlicht im letzten März beendet. «Ich werde beim Schwingklub Freiamt mithelfen. Aber eher als Mann hinter dem Grill, der die Würste dreht.» Das kann der Mann, der meist auf der Überholspur gelebt und sich nie geschont hat, nun nicht mehr tun. 

Im Schwingsport ist die Betroffenheit nach wie vor gross. Strebel hinterlässt eine Lücke. Die viel grössere Lücke hinterlässt er allerdings bei seiner Familie. Bei seiner Frau Fabienne, die ihn seit dreissig Jahren begleitet, und bei seinen beiden Kindern. «Wenn einem von einem Moment auf den anderen der Boden unter den Füssen weggezogen wird, kann man das gar nicht in Worte fassen», sagt Fabienne Strebel zu diesem Schicksalsschlag.

Der erste Auftritt von Ehefrau Fabienne

Auch vier Monate nach dem Tod ihres Mannes geht die emotionale Berg- und Talfahrt mit aller Kraft weiter. «Stefan hat für uns gesorgt, auch über den Tod hinaus. Das ist typisch für ihn.» Fabienne Strebel hat sich lange überlegt, wann sie wieder ein Schwingfest besuchen soll. Am Samstag ist es soweit. Sie sitzt in Kilchberg mit Freunden auf der Tribüne. «Ich war an seiner Seite, ich habe ihn unterstützt. Es ist klar, dass der Schwingsport auch weiterhin zu unserem Leben gehört. Irgendwie bin ich heute auch ein wenig für Stefan hier. Weil ich weiss, dass er sich das gewünscht hätte. Auch das Schwingen hat uns verbunden. Und ich habe nach wie vor Freude an diesem Sport.» 

Dass es kein einfacher Gang wird, das hat sie gewusst. «Die Tränen holen mich jeden Tag ein. Das wird wohl auch noch lange so bleiben. Aber als Familie ist für uns auch klar, dass das Leben weitergeht und wir irgendwann auch den Boden unter den Füssen wieder finden müssen», sagt sie. 

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