Darum gehts
- Die Schwinger erhielten im letzten Jahr so viel Sponsorengeld wie noch nie
- Die Schwing-Manager Roger M. Fuchs und Gérard Scheidegger schätzen die Zahl ein
- Die ganze Wahrheit sagt sie nicht – aber es gibt positive Sponsoren-Signale für die Zukunft
Es ist längst zur Tradition geworden. Jeden Frühling vermeldet der Schwingerverband einen neuen Rekord bei den Werbeeinnahmen. Im vergangenen Jahr erhielten die Schwinger über dreieinhalb Millionen Franken von ihren Sponsoren. Das Geschäft läuft wie geschmiert – oder?
In der Schwing-Szene ist man sich darüber uneinig. Je nachdem, wen man fragt, erhält man unterschiedliche Antworten. Da gibt es jene wie Gérard Scheidegger, die sehr positiv sind. Der Manager der Eidgenossen Matthieu und Etienne Burger sowie Marius Frank sagt: «Die Begeisterung der Sponsoren lässt nicht nach.»
Und dann gibt es solche wie Roger M. Fuchs (50), die deutlich zurückhaltender sind. Der Kommunikations- und Sponsoringberater sowie Langzeitberater von Schwingerkönig Matthias Sempach und Remo Käser erklärt trocken: «2025 war kein Sponsorenboom ersichtlich, aber die Breite profitiert heute stärker. An der Spitze verdienen die Athleten weniger als zu Zeiten von Stucki und Sempach.»
ESAF-Prämien schenken gewaltig ein
Dennoch werden jährlich neue Rekordeinnahmen präsentiert. Wie ist das möglich? «Die nackten Zahlen erzählen nicht die ganze Wahrheit.» Fuchs verweist auf die steigende Anzahl von Schwingern, die Werbeabgaben leisten müssen. «Heute haben viel mehr Schwinger Sponsoren als früher. Deshalb nehmen die Werbegelder zu, aber der einzelne Spitzenathlet erhält insgesamt weniger.»
Seine Aussage lässt sich mit Fakten belegen. Im vergangenen Jahr mussten 102 Athleten aufgrund von Sponsorenverträgen zehn Prozent an den Verband abgeben. 2024 waren es 96 Schwinger, 2023 noch einmal fünf weniger. Die Anzahl der Werbeeinnahmen stieg dabei nur leicht. Ausgenommen ist das vergangene Jahr mit 300'000 Franken. «Das ist unter anderem auf die ESAF-Prämien zurückzuführen», so Fuchs.
Spannende Dynamik dank Highlight in Thun
Ein Grund für die stagnierenden oder sogar rückläufigen Einnahmen der Spitzenleute liegt im System selbst. Das strenge Werbereglement des Verbands setzt den Schwingern klare Grenzen.
Im Sägemehlring dürfen beispielsweise keine Sponsoren sichtbar sein – ausgerechnet die lukrativste Werbefläche bleibt für Geldgeber gesperrt. «Im Schwingen wird nicht alles auf den Markt ausgerichtet», sagt Fuchs. «Das finde ich grundsätzlich gut. Aber es hat natürlich seinen Preis.»
Als positiv bewerten sowohl Scheidegger wie auch Fuchs die jüngsten Entwicklungen im Hinblick auf das ESAF 2028 in Thun. «Es entsteht eine Dynamik, die neue Sponsoren anziehen kann», sagt Scheidegger. Sein Manager-Kollege stimmt ihm diesbezüglich zu. «Es gibt erste Signale von Grossunternehmen, welche Schwinger in die nationale Kommunikation einbinden möchten.»
Mollis als Aha-Moment für die Sponsoren
Als neustes Beispiel nennt Fuchs Raiffeisen, welche sechs Schwinger, darunter König Armon Orlik, unter Vertrag genommen hat. «Das passt eigentlich nicht zum Trend der letzten Jahre, in denen sich nationale Unternehmen für die nationale Aktivierung mit Schwingern eher zurückgehalten haben.»
Beide Marketing-Experten glauben an einen direkten Zusammenhang mit dem erfolgreichen ESAF in Mollis GL. «Viele Sponsoren haben dort deutlich gespürt, welchen Rücklauf und welche emotionale Wirkung dieses Umfeld erzeugen kann», so Scheidegger. Deshalb scheint eines sicher: Im nächsten Frühling wird der Schwingerverband erneut Rekordzahlen präsentieren.