Darum gehts
- Die Rücktritte von Joel Wicki und weiteren Schwingern waren für die Innerschweizer eine Zäsur
- Nun streicht Schwing-Boss Stefan Muff aber die positiven Aspekte der Rücktritte hervor
- Fünf bis sechs Schwinger gelten bei den Ob- und Nidwaldner Kantonalen als Siegeskandidaten
Es ist eine bemerkenswerte Wandlung, welche die Innerschweizer in den letzten Monaten vollzogen haben. Noch im Januar herrschte Tristesse. Der Rücktritt von Schwingerkönig Joel Wicki schockte den grössten Teilverband. Da sich auch weitere Eidgenossen verabschiedeten (u. a. Pirmin Reichmuth, Christian Schuler, Mike Müllenstein) fürchtete man sich schon fast vor dem kommenden Sommer.
Nun, wenige Tage vor dem Start der Kranzfestsaison, klingt es plötzlich ganz anders. «Nach dem ersten Schock bin ich jetzt überzeugt, dass der Rücktritt von Joel auch etwas Positives hatte», sagt Stefan Muff, technischer Leiter der Innerschweizer.
Urner Talent mit grosser Zukunft
Zu dieser Überzeugung gelangt der Landwirt aufgrund seiner Eindrücke aus den Trainings und Rangschwingfesten. Muff spürt, dass seine Athleten nun alle ihre Chance wittern. «Der riesige Schatten von Joel und Pirmin ist weg. Das gibt Luft für andere.»
Unter den neuen Voraussetzungen blüht Eidgenosse Marcel Bieri besonders auf. Der Lehrer schlüpft in die Rolle des Teamleaders. Das scheint ihn zu beflügeln. «Er hat super trainiert. Marcel will es im Herbst seiner Karriere noch einmal wissen.»
Positiv hebt Muff auch Lukas Bissig (23) hervor. Der Urner zeigte mit dem fünften Rang am ESAF, was in ihm steckt. In diesem Frühjahr triumphierte er bereits bei drei Rangschwingfesten. Bissig gewann alle seine 18 Kämpfe. «Er hat sich noch einmal gewaltig verbessert. Das zu sehen, macht mir unheimlich viel Freude.»
Plötzlich gibt es viele Siegeskandidaten
Muff traut ihm sogar zu, auf den Bergen eine gewichtige Rolle zu spielen. Dort könne er die starken Gäste vor Probleme stellen. «Obwohl er viel arbeitet, bleibt Lukas locker. Seine Gelassenheit zeichnet ihn aus. In ein, zwei Jahren wird er ganz vorne dabei sein.»
Dass er in seinem Teilverband bereits zur Spitze gehört, kann er am Sonntag beim Ob- und Nidwaldner Kantonalen einmal mehr unter Beweis stellen. Das Feld der möglichen Siegeskandidaten ist jedoch so gross wie lange nicht mehr. Man kann problemlos fünf oder sechs Schwinger aufzählen, die alle das Zeug zum Festsieg haben.
Einer davon ist Michael Gwerder. Der Eidgenosse ist wieder fit. Im letzten Jahr bremsten ihn zum wiederholten Mal Knieprobleme aus. «Er ist richtig gut parat und schwingt besser als beim ESAF 2019 in Zug.» Damals sicherte er sich seinen bisher einzigen eidgenössischen Kranz. Wenn er gesund bleibt, wird er in der Innerschweiz wie einige andere in diesem Jahr eine deutlich grössere Rolle spielen.