«Die Berner sind die stärkste Mannschaft»
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Giger zum Fest im Wankdorf:«Die Berner sind die stärkste Mannschaft»

«Muss mit Niederlagen rechnen»
So hart traf Giger die Rücken-OP wirklich

Samuel Giger blickt auf einen schwierigen Winter zurück. Deshalb schlägt der Unspunnen-Sieger vor der neuen Saison ungewohnte Töne an.
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Nach dem verpassten Königstitel in Mollis musste sich Samuel Giger einer Operation unterziehen.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Samuel Giger kämpft sich nach Rückenoperation langsam wieder zurück
  • Bandscheiben-Eingriff im November führte zu monatelanger Trainingspause
  • Am Sonntag startet der Unspunnen-Sieger in die neue Saison
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Nicola AbtReporter Sport

Auf den ersten Blick scheint bei Samuel Giger (28) alles wie immer. Der Unspunnen-Champion stemmt Gewichte, hüpft über Hürden und knallt kiloschwere Bälle an die Wand. Athletiktrainer Goran Cvetkovic steht daneben, beobachtet und gibt kurze Anweisungen. 

Nach etwas mehr als 90 Minuten ist die Einheit vorbei. Giger greift zum Proteinshake, nimmt einen Schluck und beginnt, von seinem schwierigen Wintertraining zu erzählen, das durch eine Rückenoperation mit Verspätung begonnen hat: «Meine Verfassung ist leider noch nicht dort, wo ich sie gern hätte.» 

Der Versuch ohne eine OP scheiterte

Der Eingriff am Rücken war Mitte November. Dabei wurde ein kleiner Teil der Bandscheibe entfernt. Was nur knapp eine Stunde dauerte, hatte für Giger monatelange Auswirkungen.

Der Thurgauer stieg erst im März wieder ins Sägemehltraining ein. «Da musste ich mich zuerst wieder um die ganzen Basics kümmern. Am Anfang war ich nach den Einheiten richtig kaputt. Weil ich mir die vielen Schläge nicht mehr gewöhnt war. Das Faszinierende ist aber immer wieder, wie schnell man dann Fortschritte macht.» 

Giger versuchte im Herbst, eine derart lange Pause zu verhindern. Nach dem ESAF behandelte er seine Rückenprobleme zunächst auf konservative Weise. Da nach vier bis fünf Wochen keine signifikanten Verbesserungen zu sehen waren, entschied er sich gemeinsam mit seinem Team für eine Operation.

Dabei wurde er nicht von seinen Schmerzen befreit, weil er im klassischen Sinn keine hatte. «Es war ein Ansteuerungsproblem. Als möchtest du die Hand schliessen, aber sie geht nicht zu.» Die Bandscheibe drückte auf einen Nerv, der ins Bein führte. 

Wenn es einem fast zu gut geht

Bereits während der Saison spürte Giger, dass etwas nicht ganz stimmte. Sorgen machte er sich deswegen aber keine. Erst als das ESAF vorbei war, meldete sich sein Körper energischer. «Die Anspannung fiel ab, und das System fuhr hinunter. Da bekam ich die Quittung.» Giger realisiert schnell: «So kann man keinen Sport auf hohem Niveau machen.»

Die Operation verlief dann glücklicherweise ohne Zwischenfälle. Der Rücken bereitete ihm keine Probleme mehr. Giger ging es sogar so gut, dass er sich selbst bremsen musste. «Ich hatte die Tendenz, bereits wieder zu viel machen zu wollen.»

Die OP hatte auch etwas Positives

Dabei musste er sich gerade im athletischen Bereich langsam wieder an sein gewohntes Niveau herantasten. «Das war teilweise etwas mühsam. Wir absolvierten lange Einheiten ohne Gewichte mit langweiligen Übungen. Aber da muss man einfach durch.» 

Blickt Giger auf die Zeit nach der Operation zurück, streicht der ESAF-Schlussgänger auch ein paar wenige positive Dinge hervor. Weil die Schwingtrainings ausfielen, blieb mehr Zeit für anderes. «Mit meiner Frau Michelle konnte ich Dinge unternehmen, was sonst nicht möglich gewesen wäre.»

Durch die Schwing-Pause handelte sich Giger aber einen Rückstand ein, den er nur langsam aufholen kann. Dass er noch ein gutes Stück von der Spitze weg ist, sieht er wöchentlich in den Kadertrainings. «Es fehlt an den kleinen Sachen. Beim sauberen Greifen, bei gewissen Automatismen, die noch nicht da sind. Die kommen erst nach stundenlangem Sägemehl-Training. Aber darauf war ich vorbereitet, der Saisonhöhepunkt ist erst Anfang September.»

Eine ungewöhnliche Ausgangslage

Nach dem ESAF wollte sich Giger im schwingerischen Bereich weiter verbessern. «Ich war im Schlussgang technisch nicht flexibel genug, um Werner zu einem Fehler zu zwingen», erklärte er. Sein Rücken verhinderte bis Anfang März, dass er daran arbeiten konnte. «Das wird nun sicher ein Schwerpunkt im Training über die kommenden Monate.»

Durch die Umstände verändert sich auch seine Erwartungshaltung für die ersten Wettkämpfe der Saison. «Deshalb muss ich – obwohl ich immer gewinnen will – damit rechnen, dass es möglicherweise eine Niederlage oder einen Gestellten mehr gibt als sonst.»

Wie stark ist Giger bereits wieder?

Wenn zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich sei und er das Maximum herausgeholt habe, könne er trotzdem damit leben. «Ich muss mir aber natürlich bewusst sein, dass von aussen dann einige kritische Stimmen kommen werden.»

Damit umzugehen, musste Giger lernen. Mittlerweile gelingt ihm das sehr gut. Auch weil er weiss, dass «der Weg stimmt. Wir sind im Fahrplan. In diesem Jahr ist für mich entscheidend, Anfang September bereit zu sein».

Dann will er sich erneut zum Kilchberger-Sieger küren. Das erste Kapitel auf dem Weg dorthin schreibt Giger am Sonntag beim Thurgauer Frühjahrsschwingfest in Raperswilen (Blick tickert live vor Ort). 

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