Mit dem König im Zoo
Für ein Tier würde Orlik um die halbe Welt reisen

Armon Orlik ist im Bündnerland mit Tieren aufgewachsen. Beim Besuch des Kinderzoos in Rapperswil erzählt er von seiner Kindheit, vom bösen Fuchs und seiner neuen Rolle im Sägemehl.
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Darum gehts

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Nicola AbtReporter Sport

Als die Besucher an diesem Mittwochmorgen durch den Kinderzoo in Rapperswil SG schlendern, staunen sie nicht schlecht. Mitten im Erdmännchen-Gehege sitzt Schwingerkönig Armon Orlik (30). Auf seinem Schoss krabbeln Mehlwürmer. Um ihn herum wuseln die Erdmännchen und kämpfen um ihr Futter. Eines klettert dem Bündner sogar auf die Beine.

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Schwingerkönig Armon Orlik fühlt sich umgeben von Tieren sehr wohl.

Während im Gehege gefressen wird, wird rundherum getuschelt. Eine Mutter erklärt ihren Kindern: «Das ist der Mann, den wir einmal im Fernsehen gesehen haben.» Ein älteres Ehepaar erkennt Orlik sofort. Mit einem breiten Lachen im Gesicht beobachten sie den König. Für einen Moment sind nicht die Tiere die grösste Attraktion im Zoo. 

Der König ist ein Hühner-Fan

Obwohl sich die Erdmännchen wie wild auf die lebendige Mahlzeit stürzen, bleibt Orlik gelassen. Das kommt nicht von ungefähr. Orlik ist in Maienfeld GR mit Tieren aufgewachsen. Sein Vater hielt knapp 15 Hühner und zu Spitzenzeiten bis zu 20 Hasen.

Vor allem die Hühner hatten es dem Spitzenschwinger angetan. «Ich liebte es, sie zu beobachten. Das sind sehr witzige Tiere.» Orlik schaute aber nicht nur zu. «Wir hatten Ämtli wie Füttern, Wasserwechseln oder Misten», erzählt er. 

Nach getaner Arbeit landeten die frischen Eier jeweils direkt auf dem Tisch. Diese Proteine aus dem eigenen Garten schmeckten Orlik besonders gut. Eine enge Beziehung zu den Tieren hatte er jedoch nicht. «Ich gab ihnen keine Namen.» 

Das Problem mit dem Fuchs

Hätte er das getan, hätte er wohl irgendwann kreativ werden müssen. Denn die Hasen sorgten regelmässig für Nachwuchs. «Das fand ich sehr herzig», sagt Orlik. Zu sehen, wie sie wachsen, wie sie sich entwickeln, habe ihn fasziniert.

Dass Tiere weggegeben oder geschlachtet wurden, gehörte für ihn dazu. Er sei damit gut zurechtgekommen. Es war Teil des Alltags. Doch eine Sache beschäftigte ihn etwas länger. «Wir hatten Probleme mit dem Fuchs», beginnt er zu erzählen. 

Eine Katze oder ein Hund?

Er kam immer wieder. Und meistens genau dann, wenn etwas vergessen ging. «Einmal hatten wir das Gehege vergessen zu schliessen.» Der Fuchs nutzte die Gelegenheit, drang ein und richtete grossen Schaden an. Mehrere Tiere wurden gerissen, einige mitgenommen. «Das war nicht sehr schön.» Den Anblick danach ersparte der Vater seinen Kindern.

Bis heute ist die Nähe zu Tieren geblieben. Neben Orliks Wohnung in Rapperswil steht wieder ein Stall mit Hühnern. Er selbst hat aktuell keine Tiere zu Hause. Bei der Frage, ob Katze oder Hund, muss Orlik ausholen. «Eigentlich hätte ich lieber einen Hund. Die gefallen mir vom Wesen her besser, und man kann sie trainieren. Doch meine aktuelle Lebensphase spricht eher für eine Katze, weil die weniger aufwendig ist.» 

Da Orlik aufgrund seines Königstitels ohnehin nur noch selten zu Hause ist, wird seine Wohnung wohl noch eine Weile tierlos bleiben. Dafür kommt der Tierliebhaber im Zoo voll auf seine Kosten. Orlik schaut auch bei den Giraffen, Elefanten und Affen vorbei. Besonders fasziniert ist er von Gepard Winston. «Ein unglaublicher Athlet», schwärmt Orlik. 

Eine grosse Reise nach der Karriere

Der Gepard erinnert ihn an sein Lieblingstier – den Jaguar. «Ich finde die Zeichnung des Fells extrem schön. Zudem ist er brutal kräftig.» Orlik wünscht sich, den Jäger einmal in freier Wildbahn zu sehen. Was alles andere als selbstverständlich wäre. Die Tiere leben zurückgezogen, sind deshalb schwer zu entdecken. Genau das mache sie so besonders.

Um einen Jaguar zu sehen, müsste Orlik nach Mittel- oder Südamerika reisen. «Das mache ich aber erst nach meiner Karriere.» Wenn er schon so weit fliege, wolle er sich Zeit nehmen. «Dann würde ich sicher fünf oder sechs Wochen bleiben», sagt er. Nicht nur wegen der Jaguare. «Ich würde das gleich mit Strandferien verbinden.»

Ein König im Weltmeistertrikot

Dieses Abenteuer ist momentan noch weit weg. Zurzeit konzentriert sich Orlik voll und ganz auf seinen Auftritt am Thurgauer Kantonalen. Am Sonntag startet der Bündner erstmals als König in eine Kranzfestsaison. «Ich freue mich extrem. Bin mir aber bewusst, dass ich nun noch stärker im Fokus stehe.» 

Mit seiner neuen Rolle hat sich Orlik im Vorfeld intensiv auseinandergesetzt. Er weiss, dass ein Gestellter oder eine Niederlage nun intensiver diskutiert wird. «Beim Umgang mit Kritik hilft mir meine Erfahrung.» 

Grundsätzlich sieht er alles, was jetzt noch kommt, als Zugabe. «Das ist wie beim Velofahren, wenn du im Weltmeistertrikot ein Rennen gewinnst. Das ist doppelt so schön – aber auch doppelt so schwierig.»

Das grosse Highlight im September

Um weitere grosse Siege zu erringen, muss er seine Grenzen erneut verschieben. Ob ihm das gelingt, nachdem er seinen grossen Traum erfüllt hat? «Ich frage mich selbst, ob ich mich wieder bis ans Limit und darüber hinaus pushen kann. Bisher ging das sehr gut. Aber die intensivsten Einheiten kommen noch.»

Nachdem er in den Monaten vor Weihnachten einige Trainingseinheiten ausgelassen hat, geht Orlik seither keine Kompromisse mehr ein. Trotzdem wird er wie auch Schlegel, Giger und Co. am Sonntag noch nicht in Topform sein. «Mein grosses Ziel ist der Kilchberger Schwinget Anfang September.» Dieser Sieg fehlt ihm noch. Dann werden erneut alle Augen auf ihn gerichtet sein. 

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